

Kontakt
Redaktion
Anzeigen

Wolfegg – Der uralte Brauch der Tiersegnung wurde am 25. Oktober in Wolfegg erstmals wieder gepflegt. Dafür hatte das Bauernhausmuseum einen Wendelinusfest mit Festumzug und Jahrmarkt im traditionellen Stil auf die Beine gestellt. Dem nasskalten Wetter zum Trotz begeisterten sich hunderte Besucher gerade an den althergebrachten Attraktionen. Unser Reporter Ulli Stark hat einen hübsche Schwung Bilder heimgebracht. Nachstehend sein Bericht und am Ende die zugehörigen Fotos:
So wurden bei „Hau den Lukas“ über 350-mal je drei Versuche gezählt, die Metallscheibe mit Kraft und Technik bis zum Anschlag nach oben zu jagen. Dem Klischee entsprechend eine klare Männerdomäne – viele wollten es sich und ihren Begleitern sogar mehrfach zeigen. Ein anderes Bild ergab sich nebenan beim Armbrustschießen. Immer wieder waren es Mädchen, die mit ruhiger Hand Volltreffer landeten. Für leuchtende Kinderaugen sorgten zudem das Büchsenwerfen, ein Glücksrad, Seifenblasen pusten, die Schiffschaukel oder ein paar Runden auf dem historischen Karussell.

Die Kißlegger Schalmeiengruppe „Dilldabba“ (Bild) kündigte gegen 11.00 Uhr unüberhörbar den Festumzug mit den von Bruno Knab angeführten Blutreitern aus Wolfegg und Rötenbach sowie festlich geschmückten Gespannen an. Die versammelten sich schließlich am Haupteingang, um von Wortgottesdienstleiter Wolfgang Schmid den Segen für Bauern, Hirten und Vieh zu empfangen. Museumsleiterin Dr. Tanja Kreutzer hatte zuvor die Legende des Heiligen Wendelin skizziert: Im sechsten Jahrhundert soll er als Königsspross irisch-schottischer Abstammung auf die Krone verzichtet und im Saarland als Hirte gelebt haben. Sein wundersames Wirken ließ ihn zunächst zum Abt in der Region um das heutige St. Wendel aufsteigen und schließlich zum Schutzpatron für Mensch und Tier werden. Wobei Wolfgang Schmid ausdrücklich eine ganze Reihe anderer Heiliger miteinschloss, die als Patrone für Knechte und Mägde oder Haustiere gelten: So richteten sich die Fürbitten auch an St. Rochus für Hunde oder Gertrud von Nivelles für Katzen.
Aufmerksamkeit erregte am Rande ein traditionell gewandetes Paar im Gedankenaustausch mit den Kutschenlenkern. Anton Straub und Tochter Martina aus Opfenbach, die offenbar ein deutschlandweites Netzwerk mit Besitzern traditioneller Gespanne pflegen, zeigten sich vom gesamten Umzug sehr angetan: „Authentische, bis in die Details hochwertige Wagen, sehr gute Geschirre und lauter gut geführte Pferde“.
Nicht nur das zunehmend stürmische Wetter lockte schließlich immer mehr Besucher zu den Vorführungen ins Zirkuszelt. Beim Toldrian-Puppentheater, der Hula-Hoop-Show mit Monika Kolb und den Red Hot Chili Papas kamen Jung und Alt auf ihre Kosten. Für das leibliche Wohl auf dem Gelände sorgten neben professionellen Marktbeschickern der Musikverein Bergatreute, die Narrenzunft Oberhofen und die Landfrauen.
Von den Besuchern seien trotz des „Sauwetters“ sehr viele positive Rückmeldungen gekommen, hieß es am Ende bei den Betreuern der Attraktionen und beim Kassenteam des Museums. Laut Dr. Tanja Kreutzer ist eine Wiederholung im Jahr 2028 vorgesehen, wobei sie dann auf herbstlichen Sonnenschein hofft. Vielleicht sollten bis dahin die Beziehungen zum Hl. Wendelinus intensiviert werden. Von den Bauern wurde er jahrhundertelang darum gebeten, sie auch vor schlechtem Wetter zu bewahren …
Bilder vom Wolfegger Wendelinusfest

Bestens an das „Sauwetter“ angepasst: Die Blutreiter von Wolfegg und Rötenbach um Bruno Knab (2. v. r.)

Voll beladener Erntewagen.

Gäuwägele mit Gemüsekörben.

Jagdwagen von Andreas Veeser aus Immenried.

Martina und Anton Straub aus Opfenbach, seit Jahren Fachleute für traditionelle Gespanne, waren von allen Wagen sehr angetan.

Vor der Tiersegnung erläuterte Museumsleiterin Dr. Tanja Kreutzer die Legende vom Hl. Wendelin. Neben ihr
Wolfgang Schmid, Wortgottesdienstleiter von der Seelsorgeeinheit Oberes Achtal, der die Tiersegnung vornahm.


Eine Gruppe der Alphornbläser Rötenbach sorgte bei der Segnung für einen eindrücklichen und feierlichen Rahmen.

Markus Ehmhardt vom Museumsteam gibt Tipps, wie man mit der Armbrust trifft.

Einige Mädchen erwiesen sich als sehr treffsicher.

Den aus dem Norden stammende Spruch (auf dem Schirm) wird auch im Allgäu verstanden und beherzigt („Es gibt kein schlechtes Wetter“ – der Zusatz „Nur unzureichende Kleidung“ fehlt, aber er wird mitgedacht).

Wer schafft die Größte? Auch bei den Seifenblasen herrschte reger Betrieb.

Beim Toldrian-Puppentheater gab’s viel zu lachen.

Monika Kolbs Hula-Hoop-Show beinhaltete artistische Elemente.

Sorgten immer wieder für Stimmung auf dem Gelände: Die Kißlegger Schalmeien-Gruppe „Dilldabba“.

Über 350-mal je drei Versuche: „Hau den Lukas“ zog nicht nur „g’standene Mannsbilder“ an.

Der historische Jahrmarkt mit originalgetreuen Fahrgeschäften lockte Jung und Alt.

Setzten mit ihrem breit angelegten Musikprogramm den Schlusspunkt im Zelt: Die Red Hot Chilli Papas.

Zur Entspannung, nicht für tollkühne Akrobaten: Die Schiffschaukel hatte einen Motor …
Text und Fotos: Ulli Stark

































