„Eine Stunde im Gemüsebeet, das tut gut“


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Leutkirch – Selber handfest anpacken. Erdreich bearbeiten. Essbares pflanzen – und ernten. Mit solchen Arbeiten sollen Drogensüchtige künftig schneller Boden unter die Füße bekommen. In einer frisch belebten Schrebergartenparzelle am Repsweiher. Am Mittwochabend wurde sie eingeweiht.
Am Mittwochabend (7.10.) versammelte sich ein rundes Dutzend Leute auf einer frisch hergerichteten Schrebergartenparzelle nahe des Repsweihers. Hier sollen künftig Drogenabhängige mit eigener Hände Arbeit am und im Erdreich erleben, wie Neues wächst. Das helfe, „wenn Menschen nach dem Sinn suchen.“ So erklärt’s Beate Stör von der „Elternselbsthilfe Allgäu-Oberschwaben Drogenabhängiger und -gefährdeter“. Dazu Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle: „Ich finde das Konzept sehr gut.“ „Da wächst was“, bestätige Beate Stör.
„Sie ist der Motor“, sagt Beate Stör – und wies auf Sarah Müller-Koch. Die Landschaftsgärtnerin und Technikerin für Garten- und Landschaftsbau leitet einerseits die Reichenhofer Firma „Form & Pflanze“ seit 1996, belebt aber andererseits den jungen, 16-köpfigen Leutkircher Verein „Wachsen und Gedeihen“. Er will Selbstversorgung aus dem eigenen Garten fördern – durch Erfahrungsaustausch und durch eigenhändiges Anpflanzen.

Sarah Müller-Koch sieht in Gartenarbeit ein wertvolles therapeutisches Potenzial.
Kinder mit Drogenthematik eine Hilfe zu geben, sie das Anliegen der Initiative, erläuterte Sarah Müller-Koch am Mittwochabend. Und denen helfe manchmal „eine Stunde im Gemüsebeet“, wieder richtige Wege zu erkennen. Dazu habe sich im Herbst 2025 die ehemalige, verwachsene Schrebergartenparzelle auf städtischem Grundstück nahe des Repsweihers angeboten. Müller-Koch: „Man hat einen See, man hat Bäume“ – und so ergebe sich „für alle Leute ein gutes Konzept“. Das scheint der „Rotary Club Wangen-Isny-Leutkirch“ genauso gesehen zu haben. Er sagte 6666 Euro als Spende für das Vorhaben zu.

OB Henle hält den Pflanzpfahl, während Norbert Odendahl vom Rotary-Club zum Schlegel greift.
Mehr noch. Norbert Odendahl von besagten Rotariern packte am Mittwochabend selbst mit an, als Sarah Müller-Koch einen Birnbaum auf das lauschige Grün-Grundstück pflanzte. Ebenfalls zum Spaten griff OB Hans-Jörg Henle. Der studierte Forstwirt erinnerte sich dabei daran, dass dies einer von wohl Tausenden Bäumen sei, denen er im Erdreich Halt gegeben habe. Zuvor war von den Aktiven um Sarah Müller-Koch derweil schon rund zwanzig Stunden lang Müll und andere störende Bestandteile aus dem Schrebergrundstück am Repsweiher geschafft worden. Ebenso lang ratterte wohl ein Rasenmäher dort.
„Bewegung, gesundes Essen und Gespräche“
Sarah Müller Koch wird sich weiterhin um allerhand Wachstum auf und in der Parzelle kümmern. Wer sie – pflanzend oder Ruhe suchend – nutzen möchte, erhalte Zugang dazu über die Caritas. Auch Beate Störs Elternselbsthilfegruppe weiß künftig, wie dort am Repsweiher im Grünen Gesundheit gedeihen kann. Ganz nach dem Motto, das OB Henle so zusammenfasste: „Bewegung, gesundes Essen und Gespräche.“
Text und Fotos: Julian Aicher
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