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    Vortrag von Klaus Schneiderhahn

    Plastik und Mikroplastik – Segen oder Fluch?

    Foto: OV Bündnis 90 / Die Grünen OV Aulendorf
    Klaus Schneiderhan, ehemaliger Schulleiter im Studienkolleg St. Johann in Blönried, sprach am 7. Oktober im Rittersaal des Gasthauses „Rad“ in Aulendorf zum Thema „Plastik – Fluch oder Segen?“.
    veröffentlicht am: 08.10.2026
    Autor: Kati Kästner, Bündnis 90/Die Grünen
    Lesedauer: ca. 7 Minuten

    Aulendorf – Klaus Schneiderhahn hat in einem eindrucksvollen Vortrag die Chancen und Risiken eines Materials, das unseren Alltag prägt, beleuchtet: Plastik. Er sprach auf Einladung des Grünen-Ortsverbandes Aulendorf im „Rad“. Nachstehend der Bericht von Seiten der Veranstalter:

    Plastik ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken. Verpackungen, Baustoffe, Fahrzeuge, Kleidung und zahlreiche Gebrauchsgegenstände bestehen ganz oder teilweise aus Kunststoffen. Doch was macht Plastik mit unserer Umwelt und mit unserer Gesundheit? Dieser Frage widmete sich Dr. Klaus Schneiderhahn in seinem Vortrag „Plastik, Mikroplastik – Segen oder Fluch?“

    Der Chemiker und ehemalige Schulleiter von Blönried versteht es dabei, nicht nur, Schülerinnen und Schüler für komplizierte naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu begeistern. Auch die Zuhörerinnen und Zuhörer seines Vortrags nahm er mit auf eine spannende Reise durch Geschichte, Chemie, Umwelt und Gesundheitsfragen.

    Schneiderhahn machte gleich zu Beginn deutlich, welche Bedeutung das Thema inzwischen gewonnen hat: Die Plastikproblematik müsse in eine Reihe mit großen globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel, der Biodiversitätskrise und auch der möglichen Verselbstständigung Künstlicher Intelligenz gestellt werden.

    Vom Segen zum Problem

    Ein Blick in die Geschichte zeigt, warum Kunststoffe einen solchen Siegeszug antreten konnten. Plastik ist vielseitig, leicht, hygienisch, elektrisch nicht leitend und lässt sich in unterschiedlichste Formen bringen. Gerade deshalb findet es sich heute in nahezu allen Lebensbereichen.

    Besonders große Mengen werden für Verpackungen, im Bauwesen und in der Fahrzeugindustrie eingesetzt. Was zunächst wie ein Segen erscheint, wird jedoch zum Problem, wenn man die gesamte Lebensdauer des Materials betrachtet.

    Denn viele Kunststoffe können in der Natur nicht oder nur über sehr lange Zeiträume abgebaut werden. Gleichzeitig wird Plastik größtenteils aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl hergestellt. Bei der Verbrennung entsteht CO₂. Hinzu kommt, dass viele moderne Produkte aus miteinander verbundenen Materialien bestehen, die sich nur schwer oder gar nicht voneinander trennen lassen.

    Riesige Mengen

    Wie groß das Problem ist, verdeutlichte Schneiderhahn mit eindrucksvollen Zahlen. Weltweit gelangen jährlich gewaltige Mengen Makroplastik in die Umwelt – Größenordnungen von rund zehn Millionen Tonnen pro Jahr wurden genannt. Das entspricht rechnerisch etwa einem Lastwagen voller Plastik jede Minute.

    Doch nicht nur große Plastikteile sind problematisch. Besonders kritisch ist das sogenannte Mikroplastik, also winzige Kunststoffpartikel.

    Das Problem Reifenabrieb

    Eine wichtige Quelle ist der Reifenabrieb. Während des Fahrens lösen sich kleinste Kunststoff- und Gummipartikel von den Reifen und gelangen über Straßen, Böden und Gewässer schließlich in die Umwelt. Auch Kläranlagen können die Partikel nicht vollständig zurückhalten. Zwar werden nach Schneiderhahns Darstellung etwa 95 Prozent der entsprechenden Partikel aus dem Abwasser entfernt, doch ein Teil verbleibt im Klärschlamm oder gelangt weiter in die Umwelt.

    Damit stellt sich auch die Frage, wie mit Klärschlamm umgegangen wird und welche zusätzlichen Reinigungsstufen künftig notwendig sein werden. Auf europäischer Ebene wird deshalb über entsprechende Weiterentwicklungen der Abwasserreinigung diskutiert.

    Mikroplastik als „Magnet“ für Schadstoffe

    Besonders nachdenklich stimmte der Blick auf die Eigenschaften von Mikroplastik in der Umwelt. Die winzigen Kunststoffpartikel können andere Schadstoffe an ihrer Oberfläche anreichern. Unter anderem können sich bestimmte organische Schadstoffe wie PAK oder PCB anlagern.

    Gleichzeitig können sich auf den Partikeln Biofilme bilden. Dadurch können Mikroplastikpartikel zu Transportflächen für Mikroorganismen werden. Schneiderhahn verwies in diesem Zusammenhang auch auf Krankheitserreger und Antibiotikaresistenzen.

    Ein weiteres Beispiel ist Bisphenol A, ein Stoff, der in bestimmten Kunststoffen eingesetzt wurde beziehungsweise wird und aufgrund seiner hormonähnlichen, insbesondere östrogenartigen Wirkung kritisch betrachtet wird.

    Wir nehmen Plastik auf – jeden Tag

    Mikroplastik findet sich nicht nur in Flüssen und Meeren. Es ist längst Bestandteil unserer unmittelbaren Umwelt. Partikel können eingeatmet, über Lebensmittel aufgenommen oder verschluckt werden.

    Als mögliche Quellen nannte Schneiderhahn unter anderem Teppiche und andere Kunststoffmaterialien in Innenräumen, Reifenabrieb und verschiedene Lebensmittel. Selbst Produkte, bei denen man Plastik zunächst nicht vermuten würde, können betroffen sein.

    Eine besonders anschauliche Vorstellung: Über die Nahrung können wir im Laufe einer Woche eine Plastikmenge aufnehmen, die in etwa der Masse einer Kreditkarteentspricht. Ein großer Teil der aufgenommenen Partikel wird zwar wieder über den Darm ausgeschieden. Dennoch zeigt dieses Bild, wie allgegenwärtig Kunststoffe inzwischen sind.

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    Was kann jeder Einzelne tun?

    Auch wenn die Dimension des Problems gewaltig ist, sieht Schneiderhahn Möglichkeiten, den persönlichen Kontakt mit Plastik zu reduzieren.

    Für die eigenen vier Wände empfiehlt sich beispielsweise regelmäßiges Lüften und vor allem feuchtes Wischen, um Staub und darin enthaltene Partikel zu reduzieren.

    Bei Kleidung können Naturfasern eine Alternative zu synthetischen Materialien darstellen. In der Küche lassen sich Kunststoffprodukte teilweise durch Holz oder Metall ersetzen.

    Auch scheinbar kleine Dinge verdienen Aufmerksamkeit: So können beispielsweise Kunststoffverschlüsse von Glasflaschen eine zusätzliche Quelle für Kunststoffkontakt darstellen.

    Gibt es einen „Pac-Man“ gegen Plastik?

    Besonders spannend wurde es beim Blick auf mögliche Lösungen. In der Forschung wird intensiv nach Möglichkeiten gesucht, Kunststoffe mithilfe von Enzymen abzubauen.

    Schneiderhahn erklärte dies anschaulich mit dem Bild eines „Pac-Man-Enzyms“: Bestimmte Enzyme können gezielt chemische Bindungen in Kunststoffen angreifen und die Materialien dadurch in kleinere Bestandteile zerlegen.

    Auch an der Universität Konstanz wird an solchen biologischen Abbauprozessen geforscht. Ziel ist es unter anderem, Kunststoffe so zu gestalten beziehungsweise abzubauen, dass ihre Bestandteile wieder in einen kontrollierten Stoffkreislauf gelangen können.

    Dabei wird deutlich: Nicht jeder Kunststoff ist gleich.

    Biobasiert ist nicht automatisch biologisch abbaubar

    Ein wichtiger Unterschied liegt zwischen biobasierten und biologisch abbaubaren Kunststoffen.

    Biobasierte Kunststoffe werden ganz oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Sie können chemisch jedoch durchaus den bekannten Kunststoffen entsprechen. Ein Beispiel ist biobasiertes Polyethylen (Bio-PE), das sich chemisch nicht grundsätzlich von herkömmlichem PE unterscheidet.

    Biologisch abbaubare Kunststoffe dagegen können unter bestimmten Bedingungen von Mikroorganismen beziehungsweise durch biologische Prozesse zerlegt werden. Beispiele sind Polymilchsäure oder bestimmte Polyhydroxyalkanoate.

    Allerdings bedeutet „biologisch abbaubar“ nicht automatisch, dass sich ein Kunststoff in der freien Natur schnell auflöst. Zeit, Temperatur, Feuchtigkeit, Druck und weitere Bedingungen spielen eine entscheidende Rolle.

    Auch die Zigarette enthält Plastik

    Zum Abschluss lenkte Schneiderhahn den Blick auf einen Gegenstand, den viele Menschen vermutlich nicht mit Plastik in Verbindung bringen: den Zigarettenfilter.

    Dieser besteht in der Regel aus Celluloseacetat – einem Kunststoff auf Zellulosebasis. Die Filter landen häufig achtlos in der Umwelt und können dort über lange Zeit bestehen bleiben.

    Fazit: Plastik ist weder nur Segen noch nur Fluch

    Der Vortrag von Klaus Schneiderhahn machte deutlich, wie ambivalent unser Verhältnis zu Kunststoff ist. Plastik hat unser Leben in vielerlei Hinsicht sicherer, hygienischer, leichter und komfortabler gemacht. Gleichzeitig stellt die enorme Menge an produziertem und weggeworfenem Kunststoff die Gesellschaft vor eine der großen Umweltfragen unserer Zeit.

    Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie können wir Plastik vermeiden?“ Vielmehr geht es auch darum, welche Kunststoffe wir künftig produzieren, wie wir sie verwenden, wie sie recycelt werden können und ob sich ihre Bestandteile am Ende sicher in den Stoffkreislauf zurückführen lassen.

    Der engagierte und anschauliche Vortrag von Klaus Schneiderhahn zeigte vor allem eines: Wer die komplexen Zusammenhänge zwischen Chemie, Umwelt und unserem Alltag versteht, kann bewusster mit dem Material umgehen. Und genau dieses Verständnis ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu weniger Plastik in unserer Umwelt. 
    Text: Kati Kästner

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    veröffentlicht am
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