Bad Wurzach – Beim Erntedankgottesdienst, den Pfarrerin Cora Boettiger unter das Motto „Kirche für mich & dich gestellt hatte, bekamen die diesjährigen vier Konfirmanden sowie die Konfi 3 Kinder der Kirchengemeinde Bad Wurzach Gelegenheit, sich im feierlichen Rahmen der Gemeinde vorzustellen.
Schwer bepackt mit Lebensmitteln traten die Konfi 3 Kinder nach dem Einzug mit der Pfarrerin an den Altar. Sämtliche Lebensmittel, die an diesem Tag gesegnet wurden, gingen danach als Spende an den Tafelladen Bad Wurzach.
Was sind die Konfi 3 Kinder? Konfi 3 ist ein Modell der evangelischen Kirchengemeinden für Kinder im Grundschulalter (meist in der 3. Klasse). Es ist der erste Teil eines zweigeteilten Konfirmandenunterrichts (oft als „Konfi 3/8“ bezeichnet). Damit lernen die Kinder spielerisch und kreativ den christlichen Glauben, Gott und die Kirche kennen. Zentrale Themen sind dabei: altersgerecht die Taufe, das Abendmahl, das Kirchenjahr und die Kirchengemeinde kennenzulernen. Der Kurs dauert etwa ein halbes Jahr (oft von Herbst bis Ostern) und findet in Gruppen statt.
Die Kinder, die in diesem Jahr als Konfi 3 Kinder in den Gottesdienst kamen und ihre kleinen Konfirmandenkerzen zu denen der Großen, Paul Bolsinger, Damon Heil, Lukas Martini und Severin Vogt stellen durften, waren Mia-Lina Glaubitz, Luke Gottschling, Sebastian Gottschling, Leonie Herfort, Julian Herrmann, Ben Jehle, Neo Jehle, Lenn Müller, Greta Preuß, Oliver Schwarz und Philomena Vogt.
Bei der Vorstellung bekamen die „großen“ Konfirmanden ihre Bibel überreicht
Gemeinsam mit Margarethe Boettiger und der in diesem Frühjahr konfirmierten Amilia Blank näherten sich die vier aktuellen Konfirmanden in Rahmen einer Spielszene dem Thema der Lesung aus dem Markus-Evangelium an: die Speisung der viertausend genannt, gemeinhin bekannt als die wundersame Brotvermehrung. Und das nicht ohne einer Prise Humor, wie etwa in Szene eins, als die Pfarrerin die Situation erklärt, dass viele Menschen sich um Jesus geschart hatten und ihm drei Tage lang zugehört hatten, ohne etwas zu essen und die Situation jetzt eskalierte:
Margarethe: Mama, ich habe Hunger!
Amilia: Ich auch.
Paul: Wenn ich nicht bald etwas esse, falle ich um.
Margarethe: Ich könnte sogar Brokkoli essen!
Amilia: Jetzt wird es wirklich ernst.
Als die Jünger dann nachzählen, haben sie sieben Brote und zwei kleine Fische, die sie Jesus (Severin) reichen und er sie mit den Worten: „Gott, danke für das, was da ist. Amen,“ segnet.
Und dann geschieht das Wunder:
Paul: Moment mal. Ich habe etwas bekommen.
Amilia: Ich auch!
Margarethe: Und ich auch!
Damon: Komisch. Es ist immer noch etwas da.
Lukas: Hier auch!
Paul: Ich bin satt.
Amilia: Ich auch.
Margarethe: Und ich habe sogar noch Appetit auf Nachtisch!
Am Ende wurden alle satt und es blieben sogar noch sieben Körbe mit Brot übrig.
„Manchmal beginnt Gottes Wunder nicht mit dem, was fehlt. Sondern mit dem, was da ist. Und mit Menschen, die bereit sind zu teilen,“ sagte dazu Severin in der Rolle des Jesus.
Und die Konfi 3 Kinder? Während der Predigt erhielt jedes Kind ein Puzzleteil in Form eines Brotstückes, das es gestalten durfte und am Ende der Predigt wurde aus den Puzzleteilen ein riesiges Brot. „Allein ist mein Stück klein. Zusammen wird daraus ein ganzes Brot. So hat Jesus die Menschen gesehen: Niemand hat alles. Aber alle haben etwas.“
In ihrer Predigt sprach die Pfarrerin das Problem, das die Menschen nach drei Tagen im Nirgendwo hatten: Viele hätten ohne die Speisung ein Problem mit dem Nachhauseweg gehabt. „Jesus sieht sie. Nicht als Menge. Nicht als Problem. Nicht als Aufgabe, die gelöst werden muss. Er sieht Menschen. Jeden Einzelnen. Und was er sieht, lässt ihn nicht kalt. Es ist die Bewegung eines Herzens, das sich treffen lässt. Die Not der anderen findet einen Platz in ihm.“ An Erntedank schauten die Menschen hier auf einen reich geschmückten Altar. „Und gleichzeitig wissen wir von Orten auf dieser Welt, an denen Menschen hungern. Wir wissen von Krieg und Vertreibung. Von Einsamkeit. Von Kindern, die mit leeren Händen aufwachsen. Die Welt passt nicht in ein einfaches Bild. Sie ist voller Schönheit. Und voller Brüche.“
Jesus hat nicht nach dem Fehlenden gefragt, sondern einfach: „Was habt ihr? Sieben Brote. Wenig. Aber nicht nichts. Ein Anfang. Eine Möglichkeit. Ein Geschenk.“ Dies sei es, was uns Erntedank lehren wolle: „Dankbarkeit ist die Kunst, den Segen wahrzunehmen, ohne die Wirklichkeit zu verleugnen.“ Das Überraschende daran: Jesus dankt, bevor überhaupt einer der Menschen um ihn herum satt geworden ist, die Not noch dieselbe ist wie vorher. Er dankt für das wenige, ehe das Teilen beginnt. „Darum dürfen wir heute Erntedank feiern. Dankbar für Brot auf dem Tisch. Dankbar für Menschen an unserer Seite. Und dankbar dafür, dass Gott jeden von uns kennt. Mit Namen.“
Nach dem Segen durch Pfarrerin Cora Boettiger ging es hinüber in den Pfarrsaal, wo noch mit einem gemütlichen Zusammensein das Erntedankfest und die Vorstellung der Konfirmanden ihren Abschluss fand.
Bericht und Bilder: Uli Gresser
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