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Bad Waldsee – Nun ist auch der dritte Anlass des Waldseer Jubiläumsjahres würdig gefeiert. Die Siebzigjahrfeier der Verleihung des Bad-Prädikats war – wohl kein Zufall – Teil des baden-württembergischen Bädertages. So konnte auch der erklärte Waldsee-Fan und Präsident des Heilbäderverbands Baden-Württemberg, Fritz Link, für die Festrede zum Bad-Jubiläum gewonnen werden. Link ist auch Vizepräsident des Deutschen Heilbäderverbands; hauptberuflich ist er Bürgermeister in Königsfeld (Schwarzwald-Baar-Kreis). Die offizielle Feierstunde fand im Sitzungssaal des 600 Jahre alten Rathauses mit geladenen Gästen statt. Musikalisch umrahmt war die Feier von einer kleinen, aber feinen Besetzung der Stadtkapelle Bad Waldsee, geleitet von Trompeter Franz Gapp, am Horn kein Geringerer als Joe Weiß, Dirigent der Stadtkapelle.

Das Jubiläum 70 Jahre „Bad“ wurde im historischen Ratssaal gefeiert. Unser Bild zeigt in der ersten Reihe von rechts Sarah-Jane Henne, OB Matthias Henne, Bürgermeisterin Monika Ludy, Bäder-Präsident Fritz Link, Axel Müller MdB und das Ehepaar Rudolf und Ingeborg Forcher.
Zum Auftakt begrüßte OB Matthias Henne neben Kollegen Link auch Axel Müller MdB, Bürgermeisterin Monika Ludy, Bäderdirektor Charles Hall, Altbürgermeister Rudolf Forcher, den früheren Beigeordneten Thomas Manz, Generaloberin Sr. Maria Hanna, Pfarrer Wolfgang Bertl, stellvertretend für die Mitarbeiter der Städtischen Reha-Kliniken Prof. Huch und Frau Dr. Rabanus, zahlreiche Gemeinderäte, Walter Hummler vom Gesundheitszentrum Federsee und Wolfgang Christ vom MVZ Bad Waldsee. Die staatliche Anerkennung als „Bad“ vor nunmehr 70 Jahren empfand man damals als besondere Auszeichnung und dies habe unsere Stadt über Jahrzehnte mitgeprägt; Gesundheit und Rehabilitation hätten hier einen sehr hohen Stellenwert erreicht, sagte Henne. Hinter diesen Leistungen stünden vor allem Menschen, die in ihrer täglichen Arbeit in Medizin, Pflege, Prävention und Rehabilitation Verantwortung übernähmen, so der OB. Gesundheit betreffe jeden und werde häufig als selbstverständlich verstanden. Gerade deshalb gehe man von der Kranken-Behandlung verstärkt zur Prävention beziehungsweise Erhaltung von Gesundheit über. Auch Nachsorge gehöre dazu, was am Gesundheitstag thematisiert werde (der am vergangenen Wochenende im Zusammenhang mit em Bad-Jubiläum begangen wurde). Wichtig dabei sei das Zusammenspiel unterschiedlicher Bereiche und Fachrichtungen. Darüber informiere der Gesundheitstag und verdeutliche Zusammenhänge. Prävention beginne bereits im Alltag. mit Bewegung, Ernährung, Erholung und Vorsorge, was am Gesundheitstag in Vorträgen im Rathaus von 13.00 bis 18.00 Uhr verdeutlicht werde. Ein eher heiterer Beitrag dazu sei natürlich der Sprung des OB in die Moorwanne nachher!


Um Marketing für seine Stadt zu machen, scheut OB Henne auch das Bad im historischen Moor-Zuber nicht. Anschließend tauchte der sportliche Oberbürgermeister in den Stadtsee ein – zwecks umweltgerechter Entsorgung des Moorschlamms!

Matthias Henne (Bild) wollte nach 70 Jahren Bad nicht nur zurückblicken, sondern auch nach vorne blicken und die rasante Entwicklung der genannten Aufgabenfelder aktiv und kompetent begleiten. Ausruhen wäre falsch, auch Traditionen müssten stets mit Neuerungen und fachlicher Kompetenz gefüllt werden. Unser Gesundheitsstandort lebe nicht von seinem Titel, sondern auch von Menschen, die an ihm arbeiten. Henne dankte allen, die dazu beigetragen haben und daran weiterarbeiten. Stellvertretend hob Henne hier das erfolgreiche und weitblickende Engagement Rudolf Forchers hervor. Auf die 70 Jahre „Bad“ dürfen wir mit Freude und Stolz zurückblicken.

Für Bäder-Präsident Fritz Link (Bild) war es eine außerordentliche Freude, hier in Bad Waldsee stellvertretend für alle Heilbäder des Landes gemeinsam die Geschichte dieser Stadt feiern zu dürfen. Waldsees Jubiläen seien guter Anlass, innezuhalten, zurückzublicken und gleichzeitig in voller Vorfreude und Neugier nach vorne zu schauen. Die Geschichte dieser Stadt erzähle von Gemeinschaft, von bürgerlichem Selbstbewusstsein, von Gesundheitsbewusstsein, von Weitblick und von Kraft, sich immer wieder neu zu erfinden, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen. Link ging auf alle Anlässe des dreifachen Jubiläumsjahres würdigend ein. Generationen von Menschen hätten daran gearbeitet und das sei ein Geschenk, das verpflichte. So sei beispielsweise das Rathaus kein Museum, sondern ein Ort der Stadtgeschichte, der Vergangenheit, der Gegenwart und schlage den Bogen in die Zukunft.
Am 70-jährigen Bad-Jubiläum sei auch daran erinnert, dass bereits 1561 im Entenmoos eine heilende Quelle erwähnt wurde. Den jetzt zu feiernden Meilenstein setzte das Jahr 1956, als Ministerpräsident Gebhard Müller der Stadt den Titel „Bad“ verlieh. Neben diesem formalen Akt war dies eine Anerkennung des Willens, das Thema Gesundheit in die Mitte des städtischen Lebens zu stellen. Jahrzehnte harte Arbeit, mutige Entscheidungen und unermüdlicher Einsatz engagierter nicht nur verwaltender, sondern gestaltender Menschen haben daraus einen renommierten Gesundheitsstandort gemacht und den feiern wir heute.
Am Anfang waren fünf Moorwannen
Was mit fünf Moorwannen begann, wurde zu einer wahren Erfolgsgeschichte. Ein besonderes Kapitel darin war 1991 die zweite Bohrung bis in 2000 Meter Tiefe, die auf heißes Thermalwasser stieß, der heißesten Quelle Oberschwabens. Hier erinnerteLFink an Geist, Begeisterung, Hingabe und Herz der Waldseer, die sich damals im Sprung Forchers in das gefundene Thermalwasser äußerte. Weitere Stationen der Erfolgsgeschichte waren die Eröffnung der Waldsee-Therme und der Saunalandschaft. Diese Haltung der Stadt zeigte sich auch, nachdem die Saunalandschaft von einem schweren Wasserschaden getroffen wurde. Hier begriff man die Krise als Chance und gestaltete die Saunalandschaft völlig neu. Dieser gezeigte Mut machte Bäderwesen und Tourismus zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor der Stadt, was Link mit eindrucksvollen Zahlen belegte. Weder die Rehakrise noch die Coronakrise brachten die Stadt von ihrer Zuversicht ab. Weil eben Waldsee „gut tut“, sind die Kliniken stets zu mehr als 95 Prozent belegt, betonte Link.
Hochwertige Leistungen und zeitgemäße Angebote der Stadt sorgten dafür, dass sich Menschen aus nah und fern hier zu Hause fühlen. Auch im Jubiläumsjahr ruhe sich die Stadt nicht auf ihren Lorbeeren aus, sondern plane weitere Sanierungsmaßnahmen, um sich zukunftssicher aufzustellen. So sei das Prädikat „Bad“ hier nicht nur Titel, sondern Qualitätsmerkmal. Mit den am Jubiläumstag gezeigten Impulsen zeige die Stadt, was ein zukunftsorientiertes Bad ausmache. Abschließend beglückwünschte Link die Kurstadt auch im Namen der gesamten Bäderfamilie zu ihren drei Jubiläen und wünschte weitere erfolgreiche, gesunde und lebendige Jahrzehnte.
Wasser, Wärme und Wohlbefinden

In Bürgermeisterin Monika Ludys (Bild) guten Händen liegt die kaufmännische Betriebsleitung der städtischen Rehakliniken. Daher ergriff natürlich auch sie das Wort zum Jubiläum des Badprädikats. Und sie leistete das in einer äußerst anschaulich gestalteten medialen Präsentation. Demnach prägen die Große Kreisstadt drei W, Wasser, Wärme und Wohlbefinden, wobei das dritte W auch für Prävention und Erholung stehe und nicht nur für Rehabilitation.
400 Mitarbeiter
Mehr als 400 Beschäftigte, darunter Therapeuten, Ärzte, Pflegekräfte und Kulinarik, leisten die Versorgung der meist über 400 Patienten bei Rehabilitation, Prävention, privaten Aufenthalten und auch der Versorgung zusätzlicher in der Therme Wellness suchender Gäste. Geschichte und Investitionen in dieses mutige Vorzeigeprojekt wurden von der kaufmännischen Leiterin mit Stolz hervorgehoben. Das Rundum-Angebot der Therme belegte sie mit eindrucksvollen Bildern und Beispielen. Besonderen Stellenwert habe die neu gestaltete Saunalandschaft, wo im „Waldhaus“ mediterranes Dampfbad, Softsauna und Salzsauna und im „Seehaus“ Finnische Sauna, Schneedusche und Waldsauna Abschalten, Erleben und Genießen stattfinden. Dazu gehöre auch die beliebte Panorama-Lounge. Nicht verborgen blieb bei der Präsentation die vorbildliche Verwendung nachhaltiger Baumaterialien, die das Heimelige und das Zuhause treffend vermitteln. Tragende Rolle in der Therapie spiele die heute von Experten stark empfohlene Medizinische Trainingstherapie auf Premium-Niveau. Die Qualität des Waldseer Reha-Wesens werde auch dadurch sichtbar, dass beispielsweise die Klinikgebäude ständig saniert oder erneuert werden und das Qualitätsmanagement seit 2007 zertifiziert ist.


Zwei Bilder aus Monika Ludys Vortrag.
Das Kurviertel im Urbachtal
Höchst interessant waren Monika Ludys historische Darstellungen der Entwicklungen des Waldseer Kurwesens von den Anfängen bis zur Gegenwart. Anfangs waren die Gäste in Privatquartieren untergebracht. Die rasch steigenden Übernachtungszahlen führten zur Planung eines Kurviertels im Urbachtal, für das es aktuell einen neuen Masterplan gebe, berichtete die Bürgermeisterin. Alte Waldseer hätten sich wohl gefreut, Bilder vom früheren Kurheim in schwarz-weiß nochmal zu sehen, das erst mal zum Sanatorium und danach zum heutigen modernen Maximilianbad wurde. Bereits 1963 wurde das Elisabethenbad und zehn Jahre später das Mayenbad errichtet. In diesem von Anfang an innovativen und zukunftsorientierten Geist werde die Kurstadt „Bad“ Waldsee weiter Geschichte schreiben, versprach Monika Ludy absolut selbstbewusst und überzeugend!

Unter anderem intonierten die Musiker der Stadtkapelle (Bild) sehr passend die Europahymne und „Wien bleibt Wien“. Letzteres verstand Franz Gapp als „Waldsee bleibt Waldsee“!

Markus Mohr (Thüga), Rita König (Gemeinderätin), Charles Hall (Direktor der Städtischen Rehakliniken); von rechts.

Der ehemalige Kurgeschäftsführer Walter Gschwind (links) und Fritz Link, Präsident des Heilbäderverbandes Baden-Württemberg und Vizepräsident des Deutschen Heilbäderverbandes.
Text und Fotos: Peter Lutz
Bad Waldsees drei Jubiläen im Jahre 2026
- 1100 Jahre erste urkundliche Erwähnung: Die Ersterwähnung von Bad Waldsee als „Walahse“ und Reute als „Liutbrahtesriute“ erfolgte im Jahr 926 in einem Besitzverzeichnis des Klosters Weißenburg.
- 600 Jahre Historisches Rathaus: Der Bau des Rathauses geht auf das Jahr 1426 zurück
- 70 Jahre Prädikat „Bad“: Die Anerkennung als offizieller Kurort erfolgte im Jahr 1956.

































