
Biberach – Bis auf den künstlerischen Leiter waren wohl alle überrascht, als dieser in der anberaumten Pressekonferenz, statt sein Programm für die kommenden Filmfestspiele zu präsentieren, eine Abrechnung vollzog. Douglas Wolfsperger forderte von den anwesenden Mitgliedern des Vereinsvorstandes eine Erklärung, warum sein dreijähriger Vertrag, der Ende des Jahres endet, nicht verlängert wird.
„Wie ihr mich hier abserviert, ist nicht üblich, erklärt mir das“, empört sich der geschasste Intendant, vor den baff erstaunten PressevertreterInnen. Damit sind die Biberacher Filmfestspiele um eine personelle Volte reicher in ihrer Geschichte. Eine Geschichte, die dem Dokumentarfilmer Wolfsperger bestens bekannt ist, war er doch viele Jahre häufiger Gast und freundschaftlich verbunden mit dem Gründer der Biberacher Filmfestspiele Adrian Kutter. Auch diese Verbindung endete in einem jähen Bruch, als sich der in Oberschwaben aufgewachsene und in Berlin wohnhafte Filmemacher (Die Blutritter, 2004; Denn dieses Leben lebst nur Du, 2025) sich als Intendant und damit auch als indirekter Nachfolger von Helga Reichert anbot, die Schauspielerin und Ehefrau von Kutter war im Streit mit dem Vereinsvorstand gegangen. Worüber „der Vater der Biberacher Filmfestspiele“ entrüstet war.
Die Zeiten waren turbulent, und in Biberach war man froh, dass sich mit Douglas Wolfsperger eine Lösung aus dem engeren Umfeld der Festspiele in Aussicht stellte. Das bekundet auch der Vorstand des Vereins, der maßgeblich und ehrenamtlich für die Organisation des kulturellen Highlights in der Stadt verantwortlich ist. Und obwohl der aktuelle Vorstand erst nach der Vertragsunterzeichnung mit Wolfsperger vor zwei Jahren die Geschäfte übernahm, ist er voll des Lobes über die Zusammenarbeit mit dem 68-Jährigen.
Man habe vor drei Jahren jemanden gesucht, der „das Festival kennt und es ein Stück weit rettet“, erklärt Tamara Föhr, im Vorstand für Presse und Marketing zuständig. Man habe mit Wolfsperger drei richtig gute Festivals organisiert und sei inzwischen wieder „in ruhigen Gewässern“. Für die Zukunft seien die Filmfestspiele „organisatorisch und strukturell gut aufgestellt“. Es sei jetzt der Zeitpunkt, auch über die künstlerische Perspektive neu nachzudenken.

Für Wolfsperger ist der Vorgang „irritierend und hochgradig beschämend“. Er beklagt fehlende Kompetenz und mangelnde Kommunikation, worauf Carolin Bock als Vereinsvorsitzende nicht eingeht. Grund der Trennung sei viel mehr eine Neuausrichtung und inhaltliche Öffnung mit „neuer künstlerischer Sicht und unterschiedlichen Impulsen“, wovon man sich eine kreative Weiterentwicklung der Filmfestspiele erhoffe. Die nonverbale Schlussfolgerung: Und dafür ist Douglas Wolfsperger nicht der richtige Mann. Ein Trostpflaster wird nachgereicht: Man wolle zukünftig die Intendanz häufiger wechseln. Was Wolfsperger für Unsinn hält und in der Branche auch „nicht üblich“ sei.
Stellt sich die Frage nach der Nachfolge. Dazu würden Gespräche mit verschiedenen Personen geführt, es mangle nicht an Interesse, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, lautet die Antwort. „Ziel ist es, diese Position ab 2027 mit einer Persönlichkeit aus der Filmbranche zu besetzen, die wieder über ausgewiesene filmfachliche Kompetenz und ein starkes Netzwerk in der Branche verfügt“, heißt es in der Stellungnahme. „Wir blicken mit großer Wertschätzung auf die Zusammenarbeit mit Douglas Wolfsperger und gleichzeitig mit Zuversicht auf die kommenden Jahre.“
Für Wolfsperger ist es bitter, aber schließlich kommt er doch noch auf das heurige Programm des Filmfests zu sprechen, das „Geschichten von Familie, Vergangenheit und Neuanfang“ erzähle. Ein Motiv ziehe sich durch zahlreiche Filme des diesjährigen Programms: „Menschen stehen an einem Wendepunkt und müssen sich mit ihrer Vergangenheit, ihrer Familie oder ihrem Platz im Leben auseinandersetzen“, heißt es in der Zusammenfassung. Der scheidende Intendant ist überzeugt, dass „mein Programm“ das Biberacher Publikum überzeugt. Man darf gespannt sein.
Autor: Roland Reck
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„Mit großer Wertschätzung“






