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Der Lokalreporter Reiner Schick ist in seinem Büro in Laupheim dort zu finden, wo die Musik spielt: am Marktplatz gegenüber vom Rathaus.


Laupheim – Sein Herz schlägt für den Lokal-journalismus, den er „am Sterben“ sieht. Was Reiner Schick nach Kräften verhindern will – zumindest in Laupheim und Umgebung. Der langjährige Redakteur der Schwäbischen Zeitung hat sich dafür beruflich noch einmal auf den Weg gemacht, indem er sich mit seinem Online-Portal CarlL.de selbstständig gemacht hat, um seinem Herz zu folgen. Seine Frau und seine beiden Söhne im schulpflichtigen Alter sind wohl damit einverstanden, dass er sich mit 60 Jahren dieser Herausforderung noch annimmt. Seit Juli diesen Jahres ist er auf dem Weg. Von dem er hofft, dass ihm viele LeserInnen folgen. Man darf gespannt sein!

Die Misere ist bekannt. Das Mediengeschäft ist schwierig. Im Lokaljournalismus wird gespart. Das ist nicht nur in Oberschwaben im Reich der Schwäbischen Zeitung so. Aber hier auch. „Die Schwäbische Zeitung war jahrzehntelang die einzige journalistische Stimme im Raum Laupheim. Doch der Lokalteil schrumpft: Wo früher auf vier bis fünf Seiten berichtet wurde, sind es heute oft nur noch ein bis zwei. Wichtige Ereignisse fallen unter den Tisch. Hintergründe fehlen. Und wer wissen will, was wirklich passiert, sucht sich das mühsam auf zehn Kanälen zusammen“, erklärt Reiner Schick auf seiner Homepage. Der Journalist weiß, wovon er spricht. Er volontierte bei der Schwäbischen Zeitung, war viele Jahre in Biberach an Wochenenden als Sportredakteur unterwegs, wechselte dann in seine Heimatstadt Laupheim in die Lokalberichterstattung und war zuletzt in der Lokalredaktion Ehingen aktiv. Dort ereilte ihn wie viele andere RedakteurInnen das Abfindungsangebot des Verlags und er entschied sich: zu gehen. Das war im April 2025.

Nun also CarlL.de, mit dem Schick seine MitbürgerInnen mit „kleinen Geschichten“ ebenso wie mit Hintergründen und gründlichen Recherchen über ihre Stadt informieren möchte. „Kein Klickfutter. Kein Boulevard. Nur Journalismus, der wirklich zählt“, verspricht der Laupheimer. Er ist hier aufgewachsen, lebt seit mehr als 20 Jahren mitten in der Stadt und kennt ihre Menschen und Strukturen. „Ich vermisse deine Berichte“ – das höre er seit seinem Abschied von der SZ-Laupheim bis heute. „Dieses Vertrauen ist nicht kaufbar. Es ist der Grund, warum es CarlL gibt“, lässt Schick seine LeserInnen wissen und weiß auch, wie sehr er von deren Interesse und Bereitschaft abhängt, dafür auch ein paar Euro zu bezahlen. Denn ohne Moos nichts los – das Polster seiner Abfindung trägt ihn nicht bis zur Rente. Und selbstständig sein, heißt selbst und ständig, wissen Schlaue. Der Jungunternehmer: „Manche würden sagen, du bist schön blöd!“

Reiner Schick lässt sich davon nicht irritieren. Das Angebot aus Ravensburg abzulehnen und zu bleiben, „hätte mich nicht wirklich glücklich gemacht“, ist er sich sicher. Es habe ihm schlussendlich an der „Identifikation mit dem Gesamtpaket gefehlt“, und guter Lokaljournalismus sei wichtig für die Demokratie. Auch dazu will er beitragen. Dass das von Nöten ist, weiß Schick aus der Geschichte seiner Heimatstadt, die einst eine große jüdische Gemeinde hatte, bevor sie dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer fiel. Auch der berühmteste Bürger der Stadt war Jude. Carl Laemmle emigrierte bereits 1884 in die USA, wo er 1912 Hollywood gründete. An ihn will Reiner Schick mit dem Namen seines Online-Portals erinnern.  www.carll.de 

Autor: Roland Reck


erschienen in Oktober 2026

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