Bad Wurzach – KGR-„Sitzung“ in luftiger Höhe: Die Räte von St. Verena informierten sich dieser Tage über die Baufortschritte beim Kirchturm. In luftiger Höhe erläuterte der beauftragte Architekt Jürgen Zimmermann aus Bad Schussenried die Maßnahmen.

Architekt Jürgen Zimmermann ging bei der Turmbesteigung voran.

Der Kirchengemeinderat in luftiger Höhe.
Architekt Zimmmermann präsentierte den Ratsmitgliedern um Pfarrer Stefan Maier und Kirchenpflegerin Maria Ehrmann zunächst die bisherig erledigten Zimmermannsarbeiten im unteren Teil des Turmes. Diese betrafen die Erneuerung von Treppen und Zwischenböden bis hoch zum Standort des mechanischen Uhrwerks, das zwar erhalten bleiben wird, aber ohne Funktion.
Diese Arbeiten seien in den letzten Wochen aus Sicherheitsgründen unterbrochen worden, weil seit dem 1. September auch am Glockenstuhl gearbeitet werden konnte. „Dies war bisher mit Rücksicht auf die Fledermaus-Population in der Turmkuppel nicht möglich gewesen“, erklärte der Architekt. Und solange an der Aufhängung der Glocken an den Deckenbalken der Glockenstube gearbeitet werde, müssten die darunterliegenden Arbeiten ruhen. Diese sollen nun im Laufe der nächsten Woche erledigt werden.
Per Aufzug hinauf
Danach ging es mit dem Aufzug komfortabel hinauf auf die „erste Etage“ des rund 53 Meter hohen Turmes. Diese sehr breite Gerüstetage befindet sich knapp unterhalb der Glockenstube. Schnell wurde deutlich, warum diese Stelle als nächste Station gewählt wurde: Der dort angebrachte Putz hatte von außen gut ausgesehen, hatte aber, aus der Nähe betrachtet, Risse, so dass aus kleinen Flächen, die abbröckelten, schnell größere wurden. Laut dem Architekten lag es zum einen am verwendeten sehr harten Zementputz und den darunter eingebrachten Metalldrähten, die durch Korrosion sich ausdehnten. Es seien größere Hohlräume entstanden und das Mauerwerk sei in jenem Bereich weich und porös geworden. Da es sich um große Flächen handelt, die ersetzt werden müssen, könnte diese Maßnahme – die Kostenhöhe ist noch nicht bekannt – zur Überschreitung des vorgegebenen Kostenrahmens führen. Dieser konnte laut Kirchenpflegerin Maria Ehrmann bei den bisherigen Maßnahmen, auch dank eines einkalkulierten Puffers, eingehalten werden.
Über Gerüsttreppen noch höher hinauf
Über die Gerüsttreppen ging es weiter nach oben. Zunächst konnte die Gruppe durch eine Fensteröffnung der Glockenstube in die Arbeiten am Glockenstuhl Einsicht nehmen. Die nächste „Etage“ war der Fries unterhalb des Fahnenfensters, dort, wo die bis zu dieser Höhe quadratische Bauform des Turmes in eine achteckige Bauform überging. Die darauf angebrachten Dachplatten waren Mit-Auslöser für die gesamte Sanierung des Turmes.
Durch die zu starken Schwingungen des Glockenstuhls aus Metall hatten einige dieser Platten sich gelöst und waren hinabgefallen, wodurch schnell zum Schutz der Kirchgänger die tunnelartige Überdachung des Zugangs zur Kirche erforderlich wurde.
Am Zifferblatt
Etage für Etage stieg die Gruppe über die Gerüst-Treppen höher: Nächste Station waren das Zifferblatt und die Zeiger der Uhr, die natürlich im Rahmen der Einrüstung abgenommen worden waren, die äußerlich aber keine Veränderungen erfahren werden.
Vom ursprünglichen Plan, die Abdeckung der dreiteiligen Kuppel komplett zu erneuern, rückten der Architekt und die ausführenden Handwerker ab: Der Zustand der beiden oberen Segmente sei hervorragend, obwohl noch aus der Bauzeit (1777), was auch der Tatsache geschuldet ist, dass das Kupferblech dort gehämmert worden war und es damit viel stabiler ist als der untere Teil, bei dem das Material gewalzt wurde.
Die „große“ Kuppel weist insbesondere auf der Wetterseite, also der der Stadt zugewandten Seite, zwar Beschädigungen und ein Loch auf. Aber nichts Gravierendes, das einen Komplettaustausch rechtfertigen würde. Die Schäden an dem Dach werden ausgebessert werden.
Über Leitern ganz nach oben

Dass die Gruppe noch den Weg nach ganz oben machte, hatte weniger mit Schäden zu tun, die ausgebessert werden müssen – die goldene Kugel wird ja derzeit in einer auf historische Materialien spezialisierten Werkstatt in Kißlegg renoviert – sondern war der Neugierde geschuldet, wie die Kugel und das Kreuz dort oben befestigt ist. Der Architekt zeigte sich ganz begeistert, dass wirklich alle Mitglieder des KGR den Weg bis ganz nach oben mitmachten, obwohl dort der Aufstieg nur noch über Leitern möglich war.




Natürlich wurde von oben fleißig fotografiert. Diesen Ausblick bekommt man selten, ihn galt es zu bewahren.

Geradezu ins Schwärmen kam Architekt Zimmermann nach der Rückkehr auf den sicheren Boden des Kirchenvorplatzes angesichts eines dort liegenden Schallfensters. „Der diese Arbeit gemacht hat, war ein Künstler.“ Eigentlich wollte man diese ersetzen, aber die seien so toll und mit Liebe gemacht, dass man sie herrichten werde.
Text Uli Gresser / Fotos: Uli Gresser, Reinhold Mall
Weitere Bilder in der Galerie
Ein Video von Reinhold Mall zur Turmbesteigung ist in Vorbereitung. Es wird in der Bildschirmzeitung „Der Wurzacher“ veröffentlicht.























