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Kißlegg – Sonntagnachmittag, 13. September. „Tag des offenen Denkmals“. Ab 14.00 Uhr führt Bürgermeister Dieter Krattenmacher durch den „Löwen“. „Wir haben vor zwei Tagen die Zimmermannsarbeiten beenden können“, berichtet der Rathauschef über das schwierige „Löwen“-Dach. Darunter, im Erdgeschoss, finde künftig „das soziale Leben seinen Platz“. Mit Büros von „Bürgern für Bürger“ („Nachbarschaftshilfe“) und „Herz und Gemüt“. Samt öffentlich gastfreudigen Versammlungsräumen und öffentlichen „Örtchen“. Applaus dafür aus dem Besuchspublikum im „Löwen“.

Umringt von „Löwen“-Liebhabern: Bürgermeister Dieter Krattenmacher bei seiner Führung am Tage des offenen Denkmals (13. September).
Die „Löwen“-Sanierung: ursprünglich ein Weg ins Unbekannte. „Das war ein ganz gewaltiger Ritt“, erklärt Bürgermeister Krattenmacher. Denn während der Bauarbeiten habe sich herausgestellt, „das alles im Grunde zerstört war“. Hatte etwa Regenwasser die jahrhundertealten Balken aufgeweicht, so sei da oft „ein Brett drüber genagelt und Putz drüber gemacht“ worden. So habe sich das anscheinend starke, nicht verfaulte Holz manches dicken Balkens als gerade noch drei Millimeter stark erwiesen. Viel zu wenig, um das beachtlich große über 200-jährige Dach weiter tragen zu können. Denkmalschutz-Bestimmungen ebenso einzuhalten wie Brandschutz oder gesetzlich vorgeschriebene moderne (Energie)-Technik, „das hat es so kompliziert gemacht“. Folge: Da das Denkmalamt wünschte, dass das alte Gebälk erhalten bleibe, „wurde in das alte Haus nochmal ein neues Fachwerkhaus gebaut“, erklärt der Rathauschef. Kein Wunder, dass die Kißlegger Zimmerei Veser zeitweise mit 14 Leuten auf der „Löwen“-Baustelle zupackte. Um das beeindruckende, 16 mal 24 Meter Grundfläche überspannende Dachstuhl-Gebälk von 1783 für lange Zeit zu sichern.

Daniel Veser von der Kißlegger Zimmerei Veser gab ebenfalls sachkundige Erläuterungen.
„Eine Art Konjunkturprogramm“
Kostenpunkt letztlich bis jetzt, kurz vor der endgültigen Fertigstellung: alles in allem an die sieben Millionen Euro. Die Hälfte davon bekomme die Gemeinde Kißlegg allerdings durch Zuschüsse von außerhalb. Außerdem seien die meisten Aufträge an Fachbetriebe in und um Kißlegg gegangen. „Also eine Art Konjunkturprogramm“, sagt Bürgermeister Dieter Krattenmacher.
Anfang November wieder zweispurig
Terminplan absehbar. Anfang November lasse sich dann das Gerüst um die Baustelle so verkleinern, dass die Schlossstraße wieder zweispurig befahren werden könne, erläuterte Architekt Wolf Christian Stottele am Freitag der Bildschirmzeitung. Demnächst würden die alten Holzböden im den ehemaligen Wirtsräumen des Erdgeschosses vollends geschliffen und fertiggestellt.

Architekt Wolf Christian Stottele.
Künftig finde „das soziale Leben hier seinen Platz“, sagt Bürgermeister Krattenmacher bei seiner „Löwen“-Führung. Im ersten Obergeschoss böten sich dann fünf kleine Wohnungen für unverschuldet in Not geratene alte Kißlegerinnen und Kißlegger. Das Erdgeschoss biete derweil Versammlungsräume. Und vor allem reichlich Platz für die beiden Sozial-Angebote „Bürger für Bürger“ und „Herz und Gemüt“. So habe die „Nachbarschaftshilfe“ der „Bürger für Bürger“ 2025 rund 40.000 Kilometer aufgewandt, um 5000 Hilfs- und Pflegeeinheiten zu leisten, verrät Doris Kurzhagen von „Bürger für Bürger“. Die Seniorenbeauftragte Susanne Mennig trete im „Löwen“ schließlich als „sowas wie die Wirtin“ auf, verkündet Bürgermeister Krattenmacher verschmitzt. Zustimmend mildes Lächeln beim ehemaligen „Löwen“-Wirt Karl Kahle bei der Führung am Sonntag, als Bürgermeister Dieter Krattenmacher meint: „Der Herr Kahle hilft uns dann sicherlich wieder beim Getränkeausschank.“ Das Publikum bei Krattenmachers Führung am Sonntag dankt’s ihm mit Applaus.
Text und Fotos: Julian Aicher
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