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    Spannend wie ein Krimi: Führung „Vom Dornröschenschlaf zur Mustersanierung“

    Die zweite Rettung von Schloss Achberg

    Foto: Herbert Eichhorn
    Den Höhepunkt der barocken Stuckausstattung von Schloss Achberg bildet der Rittersaal, in dessen Raumschmuck der Sieg über die Türken in den Türkenkriegen verherrlicht wird. Hier ein Detail des Stucks.
    veröffentlicht am: 16.09.2026
    Autor: Herbert Eichhorn
    Lesedauer: ca. 8 Minuten

    Schloss Achberg – Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals widmete sich am Sonntag (13.9.) auch Schloss Achberg mit einem abwechslungsreichen Programm seiner Geschichte. Kreisdenkmalpflegerin Ursula Rückgauer etwa berichtete über neue Ansätze bei der Sanierung vor fast 40 Jahren. Der damalige Bauleiter Günter Bestfleisch gewährte bei einer anregenden Führung exklusive Einblicke in die aufwändige Baumaßnahme.

    Ein Juwel im Besitz des Landkreises, zu Zeiten von Landrat Dr. Guntram Blaser zu einem Hotspot der regionalen Kultur ausgebaut: Schloss Achberg. Foto: Herbert Eichhorn

    Wechselvolle Geschichte

    Ein Bau wie Schloss Achberg kann natürlich auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Von der mittelalterlichen Wehrburg über die Barockresidenz eines mächtigen Fürsten bis zum hochkarätigen Ausstellungshaus heute ist es ein weiter Weg. Verschiedenste Herrschaften wechseln sich ab. Mal haben die adligen Häuser Waldburg, Molpertshaus, Syrgenstein oder Hohenzollern das Sagen – und dann über lange Zeit der in ganz Europa aktive Deutsche Orden. Auch der Bau selbst erlebt Höhen und Tiefen. Der heutige Bau entsteht im 16. Jahrhundert, wobei auch ältere Teile mit einbezogen werden, so auch bis zu drei Meter starke Mauern aus dem Mittelalter. Als Franz Benedikt von Baden das Schloss kurz vor 1700 von den Syrgensteinern erwirbt, ist es ziemlich heruntergekommen. Der mächtige und wohlhabende Landkomtur der Deutschordensballei Elsass-Burgund – sein Hauptresidenz ist Altshausen – lässt das Schloss in ein repräsentatives barockes Jagdschloss verwandeln. Bauleiter ist Christoph Gessinger, der Stuck stammt von Balthasar Krimmer aus Wangen. Und sicher werden damals auch seine Untertanen der Region kräftig eingespannt, die als Leibeigene zu solchen Frondiensten verpflichtet sind. So wird also Schloss Achberg das erste Mal gerettet.

    Der Architekt Günter Bestfleisch führt durch das Schloss. Foto: Herbert Eichhorn

    Die Sanierung in den 1990er-Jahren

    300 Jahre später steht es wieder recht übel um das Schloss und eine zweite Rettung ist quasi überfällig. Zu dieser entschließt sich damals der Landkreis Ravensburg unter Landrat Dr. Guntram Blaser. Der erwirbt Schloss Achberg 1988 und setzt es in den Folgejahren instand. Was sich alles an Überlegungen, Aufwand und unliebsamen Überraschungen hinter dem Begriff Instandsetzung verbirgt, wird bei der Führung am Sonntagnachmittag anschaulich. Der damals verantwortliche Architekt, Diplom-Ingenieur Günter Bestfleisch, hat für seine Führung das Motto “Vom Dornröschenschlaf zur Mustersanierung“ gewählt. Bestfleisch arbeitet seit 1987 für den Landkreis und ist eigentlich vor allem für den Krankenhausbau zuständig. Als er gefragt wird, ob er in Achberg die Bauleitung übernehmen wolle, äußert er den Wunsch, während der Bauzeit im Amtshaus direkt neben dem Schloss zu wohnen. Tatsächlich wird das dann zuallererst hergerichtet und die Bestfleischs können mit ihren drei Kindern dort einziehen. In den sechs Jahren Bauzeit wird es sich dann immer wieder als Vorteil erweisen, dass der Bauleiter so dicht dran ist. So fällt ihm eines Abends zum Beispiel Brandgeruch auf. Dem wird nachgegangen und man stellt – gerade noch rechtzeitig – fest, dass ein heißgelaufener Bohrkopf einen Schwelbrand ausgelöst hat, der in den Deckenbalken schon weit vorangekommen ist. Wie sehr dem Architekten sein Schloss in seiner Zeit ans Herz gewachsen ist, ist bei der Führung immer zu spüren.

    Es gibt viel zu erläutern. Foto: Herbert Eichhorn

    Neue Prinzipien in der Denkmalpflege

    Nach dem Kauf des Schlosses durch den Landkreis stehen grundsätzliche Entscheidungen an. Zunächst denkt man daran, nur das Dach zu sichern, um den weiteren Verfall zu verhindern. Als offensichtlich wird, dass der Dachstuhl durch Pilzbefall schwer in Mitleidenschaft gezogen ist und seine Sanierung schon enorme Geldmittel erfordern wird, beginnt ein Umdenken. Das Gebäude soll nun als Ganzes saniert – und in Zukunft für Ausstellungen genutzt werden. Allerdings soll es nicht, wie das bis in die 1980er-Jahre noch die Regel ist, „in neuem Glanz erstehen“. Das Prinzip der angestrebten Mustersanierung sollte vielmehr „in situ“ (im originalen Zustand) sein, was auch für eine Neuorientierung in der Denkmalpflege insgesamt steht. Von der historischen Bausubstanz soll soviel wie möglich erhalten werden, einschließlich typischer Alterungsspuren. So sind der Kalkputz der Wände und der Stuck aus der Barockzeit zum Beispiel in weiten Teilen original erhalten. Sie wurden nur gereinigt und hier und da retouchiert.

    Recht unauffällig zieht sich die Sockelleiste, in der der Großteil der Technik untergebracht ist, durch die Räume. Foto: Herbert Eichhorn

    Heiße Themen

    Aber Architekt Bestfleisch hat es mit einer schwierigen Baustelle zu tun. Auf dem schmalen Bergsporn kann zum Beispiel kein Baukran aufgerichtet werden. Immer muss er die Stabilität von Balken und Wänden im Blick haben. Dabei kommen auch ganz neue Methoden zum Einsatz. So haben zum Beispiel Wissenschaftler eines Sonderforschungsbereichs der Universität Karlsruhe im ganzen Schloss durch das Messen der unterschiedlichen Bohrwiderstände den Zustand der verschiedenen Balken ermittelt. Die rautenförmigen Abdeckungen der dabei entstandenen Öffnungen im Boden kann man noch überall entdecken. Immer wieder gilt es, den Erhalt der historischen Räume mit der angedachten Nutzung für Ausstellungen in Einklang zu bringen. O-Ton Bestfleisch: „Heiße Themen“. Es gibt viele Anforderungen. Aber man soll davon möglichst nichts sehen. So fehlen tatsächlich Lichtschalter und Brandmelder. Dafür werden andere Lösungen gefunden. Eine wichtige Rolle kommt zum Beispiel einer relativ unauffälligen durchlaufenden Sockelleiste zu. Sie enthält die Elektroinstallationen und eine Temperieranlage, die für gleichmäßige Klimaverhältnisse sorgt. Im Landkomturszimmer, also sozusagen im Wohnzimmer des Hausherrn, übernimmt wegen der Wandmalereien ein mit einer Heizspirale ausgestatteter schöner alter Kachelofen diese Funktion.

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    Ausstellungen

    Für die geplanten Ausstellungen entscheidet man sich gegen Hängeschienen, die sich wohl auch schlecht mit der Unebenheit der Wände vertragen hätten. Die Bilder hängen an Haken, die in die Wände gebohrt werden. Das bedeutet, dass nach jeder Ausstellung die im historischen Kalkputz entstandenen Löcher sorgfältig mit Spezialmörtel verschlossen werden müssen. Eine Konsequenz des gewählten Sanierungskonzepts ist allerdings auch, dass Schloss Achberg nicht barrierefrei ist. So bilden zum Beispiel die großen Balken zum Teil überhohe Schwellen zu einzelnen Räumen.

    Das Kreuz des Deutschen Ordens. Foto: Herbert Eichhorn

    Stuck der Barockzeit

    Das wichtigste Gestaltungselement von Schloss Achberg ist der Stuck aus der Zeit Franz Benedikts. Der fällt von Etage zu Etage nach oben hin immer prächtiger aus. Zum Teil wird die mit Zusatzstoffen versehene und mit Drahtankern fixierte Gipsmasse mit Modeln, zum Großteil aber frei aufgetragen. Überall im Haus begegnen einem im Stuck das Kreuz des Deutschen Ordens und die Wappen des Landkomturs und anderer Deutschordensmitglieder. Im Landkomturszimmer zieren riesige Tulpen – damals die Modeblume schlechthin – die Decke. Den Höhepunkt der Ausstattung bildet der Rittersaal im dritten Obergeschoss und vor allem dessen prachtvolle Stuckdecke. Dass die Aufgabe, diese zu erhalten, nicht ganz ohne war, wird durch die Schilderungen von Architekt Bestfleisch klar. Die Decke hat immerhin ein Gewicht von schätzungsweise etwa 30 Tonnen. Da keine Stützen die große Spannweite des Raumes stören sollten, haben sich die barocken Baumeister dafür entschieden, die Decke mit einer sogenannten Hängesäule im Dachstuhl zu sichern. Dass das marode Dachgebälk während der Sanierung Sorgen macht, ist gut nachzuvollziehen. Die Decke wird während der Renovierungsarbeiten von unten mit einem Gerüst gesichert. Oben im Dach kommen drei verschiedene Hilfskonstruktionen zum Einsatz. So kann dieses barocke Meisterwerk am Ende bewahrt werden.

    An der Decke des Rittersaals liefern Putten die passende Marschmusik. Foto: Herbert Eichhorn

    Der Sieg über die Türken wird verherrlicht

    Das Thema der Stuckdecke ist der Triumph über die Türken in den Türkenkriegen, die gerade erst erfolgreich überstanden waren und in denen dem Deutschen Orden eine wichtige Rolle zukam. In der Mitte der Decke prangt wieder ein Wappen: das des Hochmeisters, also des hochrangigsten Ordensritters. Drum herum hat Balthasar Krimmer eine wahre Waffenschau in Gips ausgebreitet: Rüstungen, Waffen, Kanonenrohre, Fahnen, Patronentaschen. Und feiste Putten liefern mit Dudelsack und Trommeln die passende Musik dazu. Auf den Sieg über die Türken spielen schließlich auch die vier originellen Schützen aus Stuck in den vier Ecken des Raumes an. Drei Ordenssoldaten zielen dort mit ihren Gewehren auf den türkischen Schützen, der allerdings nur mit Pfeil und Bogen bewaffnet und daher hoffnungslos unterlegen ist.

    Die Inschrifttafel im Rittersaal. Foto: Herbert Eichhorn

    Das Schloss bedankt sich

    Architekt Bestfleisch machte zum Abschluss seiner sehr informativen und gleichzeitig kurzweiligen Führung auch noch auf die Inschrifttafel in Latein über dem Eingang des Rittersaals aufmerksam. Dort bedankt sich in einem gelehrten Text das Gebäude selbst bei seinem Besitzer für diese erste Rettung in der Barockzeit. „Tandem felice labore…“ Aber Bestfleisch liefert den Zuhörern natürlich auch die deutsche Übersetzung. Und da heißt es: „Endlich erstehe ich, die berühmte Burg, die zuvor unter ödem Staub verachtet lag, durch glückhafte Arbeit erneut.“ Heutzutage geht man mit solchen Sachen natürlich etwas leidenschaftsloser um. Daher fehlt die Tafel, die dem Landkreis Ravensburg, dem damaligen Landrat Dr. Guntram Blaser oder dem Bauleiter Diplomingenieur Günter Bestfleisch dankt – obwohl sie alle den Dank sehr wohl verdienen. Mit dieser zweiten Rettung von Schloss Achberg wurde nämlich ein wahres Kleinod des Oberschwäbischen Barocks wieder gewonnen und gleichzeitig eine ganz und gar unverwechselbare Ausstellungslocation geschaffen.
    Herbert Eichhorn

    Weitere Bilder von der Führung in der Galerie. (Fotos: Herbert Eichhorn)

    Schloss Achberg zeigt noch bis zum 18. Oktober die Ausstellung „Karl Hofer. Zwischen Schönheit und Wahrheit“ (siehe unseren nachstehend unter „Lesen Sie hierzu auch ….“ verlinkten Artikel)

    Schloss Achberg

    Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr
    Samstag, Sonntag, Feiertag 11.00 bis 18.00 Uhr

    Informationen dazu unter www.schloss-achberg.de (der Zugang ist auch hinterkegt unter dem roten Link-Balken in der rechten Spalte).

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    Herbert Eichhorn
    veröffentlicht am
    16.09.2026
    Lesedauer: ca. 8 Minuten
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