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Heute (13. September) der zweite Tag

Wenn der Radweg zur Bühne wird

Foto: Erwin Linder
Kunst am Bau, eigens geschaffen für „Umanand“.
veröffentlicht am: 13.09.2026
Autor: Erwin Linder
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Bad Waldsee / Aulendorf – Umanand auf’m Land – das ist eine Kultur-Initiative der besonderen Art.  Mit dem Fahrrad geht es durch eine Landschaft voller Kunst, Musik und Überraschungen. Unser Reporter Erwin Linder war dabei.

Am Samstag ab 14.00 Uhr begann die fünfte Auflage von „Umanand auf’m Land“. An den drei Startpunkten in Bad Waldsee in Aulendorf und in Michelwinnaden konnten die Teilnehmer einfach in den rund 30 Kilometer langen Parcours einsteigen und sich auf den Weg machen. In Bad Waldsee führte die Strecke zunächst am Schlossbach entlang, unter schattigen Bäumen durch den Schlosspark, bevor in Steinach die erste Station wartete. Weiter ging es durch Untermöllenbronn, Eisenfurt und Tannhausen. Die Strecke war abwechslungsreich gewählt: Mal radelte man unter hohen Bäumen im Schatten, mal in der Sonne, mal auf gutem Belag, mal auf Abschnitten, die für manche Fahrräder durchaus eine kleine Herausforderung darstellten. Und immer wieder gab es Gelegenheiten, anzuhalten und etwas zu entdecken.

Rund tausend Menschen waren allein am Samstag unterwegs. Sie kamen längst nicht alle aus Bad Waldsee. Auch von weiter her machten sich Radler auf den Weg, die von der Idee und dem besonderen Parcours begeistert waren und dafür gerne 20 Kilometer und mehr Anfahrt mit dem Fahrrad in Kauf nahmen. Andere wiederum stießen eher durch Zufall auf die Umanand-Strecke – und waren so begeistert, dass sie kurzerhand mitfuhren.

Denn genau das macht den besonderen Reiz von Umanand aus: Man weiß nicht, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet. Die Stationen, an denen es etwas zu entdecken gab, waren jeweils mit einem orangen Ballon gekennzeichnet. Schon von Weitem konnte man sehen: Hier gibt es etwas zu erleben.

Mal wartete Lyrik am Bach, mal eine ganz besondere Friedensbotschaft: ein Panzer, dessen Kanonenrohr zu einem Knoten verdreht war. Statt scharfer Munition schossen daraus Seifenblasen. Dazu gab es Lyrik, rote Würste und etwas zu trinken – und dann ging es weiter.

An anderer Stelle wartete eine Bilderausstellung. Wenig später führte die Strecke an dem Silo vorbei, an dem das große farbenprächtige Werk von Jim Avignon zu sehen war. Dabei zeigte sich allerdings auch eine ganz menschliche Eigenart: Wo es etwas zu essen und zu trinken gab, wurde deutlich häufiger angehalten als dort, wo „nur“ Kunst zu sehen war.

Und manchmal gab es sogar beides zusammen: selbstgebackenen Kuchen, Kaffee und wunderbare Musik. Hier konnte man nicht nur zuhören und genießen, sondern auch selbst kreativ werden. Ein Bildhauer führte den Meißel, während Besucher mit dem Hammer ihr eigenes Kunstwerk herausarbeiten durften.

Kunst mitten in der Landschaft

Da waren Fotografien zu entdecken, Kunstwerke am Wegesrand und lyrische Impressionen. An anderen Stationen gab es Musik oder besondere Darbietungen. So wurde aus einer Fahrradtour durch die oberschwäbische Landschaft ein Tag voller Entdeckungen.

Und manchmal genügte schon ein besonderer Ort. Unterhalb der Burg in Michelwinnaden, zwischen Wiese und Teich, mit Schwänen und Teichhühnern im lichten Schatten der Bäume, brachte es ein Besucher treffend auf den Punkt: „Mehr Idylle geht nicht“.

Das Publikum war bunt gemischt – wobei sich zwei Gruppen besonders deutlich herauskristallisierten: Familien mit Kindern und die „grauen Panther“. Dazwischen gab es jede Menge Generationen-Mischung: Mama mit Junior auf dem Sozius, Eltern-Taxi und Großeltern mit Enkeln.

Die junge Bühne am Skaterplatz war dagegen ein etwas schwierigeres Kapitel. Die Idee dahinter war gut: Auch für die jüngere Generation sollte es bei Umanand ein eigenes Angebot geben. Nur stellte sich an diesem Samstag die Frage, ob die Jugendlichen, die man mit der Bühne erreichen wollte, überhaupt zu den typischen Umanand-Radlern gehören. Denn auf der Strecke waren vor allem Menschen ab etwa 40 oder 50 Jahren und Familien mit Kindern unterwegs. Die Altersgruppe dazwischen – die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen etwa 16 und 20 Jahren – war deutlich weniger vertreten.

So kam es, dass die sehr jugendlich geprägte Musik mit kräftigen Beats auf der jungen Bühne bei manchen Radlern eher zum Weiterfahren als zum Verweilen animierte. Die Tuchartistik von Lilian Blaich dagegen begeisterte das Publikum. Hoch über den Köpfen der Zuschauer zeigte sie an der jungen Bühne ihre Kunst im Tuch.

Ein kleines Bändel als Zeichen der Unterstützung

Wer bei Umanand mitfährt, bekommt das typische Umanand-Bändel fürs Handgelenk. Es ist ein Zeichen dafür, dass man „Umanand auf’m Land“ mit einer freiwilligen Spende unterstützt. Als Richtwert sind etwa drei Euro gedacht, viele Teilnehmer gaben aber auch mehr – ganz offensichtlich, weil ihnen die Veranstaltung so gut gefiel.

Denn hinter den vielen Stationen, den Künstlern und dem reibungslosen Ablauf stehen zahlreiche Menschen, die ihre Zeit und ihre Arbeit einbringen.

Mal lauschig, mal kiesig

Die rund 30 Kilometer lange Strecke war insgesamt gut zu bewältigen. Mal ging es angenehm und schattig unter Bäumen dahin, mal über etwas kiesigere Abschnitte. Vor Tannhausen wurde es für Rennradfahrer auf einem steinigeren Stück etwas ungemütlicher.

Aber was soll’s: Bei Umanand geht es schließlich nicht um die Durchschnittsgeschwindigkeit.

Anhalten, schauen, zuhören, staunen – und dann wieder weiterfahren.

Oberschwäbisches Kaiserwetter

Das Wetter spielte am Samstag perfekt mit. Blauer Himmel mit ein paar Wolkentupfen, angenehme Temperaturen und keine drückende Hitze: Besser hätte man es sich für eine solche Veranstaltung kaum wünschen können.

Und so entstand diese ganz besondere Umanand-Stimmung: Fahrräder auf den Wegen, Menschen an den Stationen, Kunst zwischen Wiesen und Bäumen.

Dass Umanand längst mehr ist als eine Bad Waldseer Veranstaltung, zeigte sich ebenfalls. Die Radler kamen aus der ganzen Umgebung und machten die Strecke zu einem Treffpunkt für die Region.

Und heute geht’s weiter

Der Samstag war nur der Auftakt. Am Sonntag geht „Umanand auf’m Land“ weiter.

Und deshalb wollen wir an dieser Stelle auch gar nicht alles verraten. Denn gerade das macht den Reiz aus: Man fährt los und weiß nicht, was einen auf den nächsten Kilometern erwartet.

Also Fahrrad nehmen, losfahren und sich überraschen lassen. Heute um 14.00 Uhr geht’s weiter.

Denn bei Umanand gilt: Wenn der Radweg zur Bühne wird, ist der Weg das Ziel.
Text und Fotos: Erwin Linder

Bilder in der Galerie

Mehr Infos auf der Webseite von „Umanand“. Dort ist der Streckenverlauf beschrieben und es gibt Auskunft über die teilnehmenden Künstler sowie über die kulinarischen Hotspots. Den Zugang zur Webseite haben wir unter dem roten Link-Balken in der rechten Spalte hinterlegt.

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Erwin Linder
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13.09.2026
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