Wo die sieben Linden herkommen


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Leutkirch – Im Rahmen des CDU-Sommerprogramms trafen sich Interessierte an der Gedenkstätte zur Erinnerung an das „Landgericht auf Leutkircher Haid“ und die „Freien auf Leutkircher Haid“ an der Wurzacher Straße. Nachstehend der Bericht von Seiten der Leutkircher CDU, verfasst maßgeblich von Wolfgang Wild, der an der Gedenkstätte zur Geschichte dieses für Leutkirch und die Freien auf der Haid so bedeutsamen Ortes sprach:
Georg Zimmer und Josef Siedler
Der Platz befindet sich in der Nähe der sogenannten „Laustanne“, dies war ein mächtiger Baum, der im Jahre 1912 altersbedingt gefällt werden musste. Auf Initiative von Baubürgermeister a. D. Georg Zimmer wurde die Anlage 1993 anlässlich des Stadtjubiläums „700 Jahre Reichsstadt – 1200 Jahre Leutekirche“ geplant und aus dem Erbe des langjährigen Landtagsabgeordneten und Leutkircher Stadtrats Josef Siedler, Ehrenbürger von Leutkirch, finanziert. Die sieben Linden wurden von den sieben Nachbargemeinden Leutkirchs gespendet; sie umsäumen die durch fünf Steinsitze ergänzte Gedenkstätte, die 2007 feierlich eingeweiht wurde.
Ehrenbürger Wolfgang Wild erläuterte in komprimierter Form die 1000-jährige Geschichte und Entwicklung dieser judikativen Besonderheit für den früheren Nibelgau, von den Anfängen als Gaugericht aus der Zeit um 800 bis zur Auflösung des „Kayserlichen Landgerichts auf Leutkircher Haid“ 1806. Nach dem Niedergang des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und seiner Neuordnung durch Napoleon führte im 19. Jahrhundert ein immer mehr sich entwickelnder republikanischer, revolutionärer Geist dazu, dass die Bürger aktiver wurden und in dessen Folge Vereine entstanden. Die Bürger muckten auf und wollten sie betreffende Dinge selbst entscheiden.
In Urkunden zwischen 766 und 1135 wird diese Westallgäuer Region als Nibelgau bezeichnet. Die Ausdehnung des Nibelgaus umfasste, nach den Erkenntnissen des in der Leutkircher Memminger Straße geborenen Dr. Franz Ludwig von Baumann, Reichsarchivdirektor in München, in etwa den heutigen württembergischen Allgäu-Teil im Landkreis Ravensburg und im Besonderen das Gebiet rund um die spätere Stadt Leutkirch, der villa publica nibelgaua. Das Wort Nibel bezieht sich auf den heute Eschach genannten Fluss durch Leutkirch, der früher in seiner Gänze die alemannische Bezeichnung Nibel führte. Ein kurzes Stück der Eschach unterhalb von Niederhofen bis zur Einmündung der Wurzacher Ach trägt noch heute offiziell den Namen Nibel, um danach als Aitrach in die Iller, in die Donau und schließlich ins Schwarze Meer weiter zu entschwinden.
Erinnerung an den früheren Kreis Wangen
Außer dieser Landgerichts-Gedenkstätte an der Wurzacher Straße gibt es neben der alten B 18, der früheren Handels- und Heer-Straße von Augsburg bis nach Graubünden beim Weiler Hundshöfe kurz vor Gebrazhofen eine weitere Gedenkstätte, an der Wasserscheide zwischen Donau und Rhein gelegen, die mit Findlingen aus umliegenden Kiesgruben an die Geschichte dieser Region und den 1972 aufgelösten Landkreis Wangen erinnert. Ob Allgäuer oder Nibelgauer Wasser über die Donau oder den Rhein abfließen, war keine Entscheidung der dort siedelnden Menschen, es waren die eiszeitlichen Gletscher, die das Voralpenland behügelten.
Dr. Walter Münch, der letzte Landrat des Landkreises Wangen, war Initiator der dortigen Anlage, um auf das Selbstbewusstsein der Freien auf Leutkircher Haid und deren Wille, ihre Freiheitsrechte zu verteidigen, wie auch der namenlosen Opfer des vor 500 Jahren stattgefundenen Bauernkriegs zu gedenken und auf das Landgericht auf Leutkircher Haid, aufmerksam zu machen.
Den Wikipedia-Eintrag zur Eschach (Nibel) haben wir unter dem roten Link-Balken in der rechten Spalte hinterlegt.
































