Zum Hauptinhalt springen
Rund 500 Leute singen auf dem Gänsbühl

Chor vor’m Bock

Foto: Julian Aicher
Dirigiert von der Domkapellmeisterin persönlich: Das rund fünfhundertköpfige Talk-vorm-Bock-Publikum erhob sich am Montagabend auf dem Gänsbühl zu einem Ständchen. Wer Andrea Fournier-Diengs Orgelkunst vernehmen möchte, dem sei die „Geistliche Abendmusik“ am Dienstag, 11. August, um 19.00 Uhr in der Kirche in Wuchzenhofen empfohlen. Es singen Stephanie und Martin Fournier (Gesang).
veröffentlicht am: 11.08.2026
Autor: Julian Aicher
Lesedauer: ca. 5 Minuten

Leutkirch – Ein Festival, bei dem das Publikum gleich selbst für guten Ton sorgt. So klang das ALSO am Montagabend (10.8.) auf dem Gänsbühl aus. Beim Talk vorm Bock. Da dirigierte die gebürtige Wuchzenhofenerin und jetzige Salzburger Domkapellmeisterin Andrea Fournier-Dieng das rund 500-köpfige Publikum mehrere Minuten lang. In die Spendenkassen kamen 2530 Euro. Zuvor hatte Moderator Joachim Rogosch Gespräche geführt mit Koch Fabian Weilandt, mit Pfarrer Anton Gruber und eben mit Andrea Fournier-Dieng, der Musikerin.

Ein spontan gebildeter Chor aus 500 Personen. Den gab’s am Montagabend zwischen Bockturm und Marktstraße. Auf Anregung von Talk-im-Bock-Moderator Joachim Rogosch. Probe auf’s Exempel zur Frage, wie eine Chorleiterin ihre Mitsingenden anleitet. Damit – und mit noch vielem mehr – unterhielt der alljährliche Sommer-Talk vorm Bock das Publikum auf dem voll besetzten Platz. Beredt informiert von drei „Leutkircher Köpfen“, die eines gemeinsam hatten: „Was sie tun, tun sie ganz.“ So Moderator Joachim Rogosch.

Talk im Bock und Talk vorm Bock – ein Gesamtkunstwerk. Damit alles klappt, wirken viele an der Veranstaltung mit. Etwa die Musiker von „Just Friends“. Bewirtet war der Talk durch die Guggenmusik Wuchzenhofen. Mit dem Überschuss aus dem Getränkeverkauf wolle die Kapelle Geld fürs neue „Häs“ in ihre Kassen bringen. Gelinge das nicht, müsse sie bald nackt auftreten, scherzte der Moderator. Dann mahnte Rogosch zur Eile an. Denn Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle habe geunkt, ab 21.00 Uhr falle Regen. Doch blieb die Veranstaltung trotz dunklem Gewölk von Regen verschont.

Fabian Weilandt

Pünktlich ab 19.00 Uhr kam einer auf die Bühne, der sich mit flinker Arbeit auskennt: Koch Fabian Weilandt (Bild). Der 48-jährige Küchenchef vom Fünf-Sterne-Hotel „Der Sonnenhof“ Bad Wörishofen äußerte dabei mehrmals ein Wort: „Wertschätzung“. Diese sei wichtig für ein gutes Betriebsklima. Vor allem an Wirkungsstätten, wo Fleißige unter hohem Zeitdruck teils 14-Stunden-Tage meistern. „Wertschätzung“ von den Chefs für solche Einsätze, „dann tut das auch nicht weh“, erklärte Weilandt, der zu seinem köstlichen Tun bekannte: „Für mich ist das auch keine Arbeit.“ Zumindest darf er sie prägend mitbestimmen: „Meinen Dienstplan schreibe ich selber.“ Das gilt offenbar auch für die private Küche in Leutkirch, in der im Zweifelsfall Fabian Weilandt bestimme. „Ich habe meine Leidenschaft gefunden in diesem Beruf“, bekannte Weilandt auf der Gänsebühl-Bühne. Diese Begeisterung lebe auch deshalb so stark, weil er selber „immer gute Chefs“ gehabt habe. Unter anderem im „Waldhorn“ in Ravensburg – oder auch mal auf den Bermudas. Besagte Vorgesetzte hätten ihm von sich aus Lohnerhöhungen vorgeschlagen – und damit eines gezeigt: „Wertschätzung“. „Leutkirch ist meine Heimat geworden“, betonte Fabian Weilandt, der aus Thüringen stammt. Seinen Arbeitsplatz hat er seit 19 Jahren in Bad Wörishofen. Aufgewachsen ist er in einer Gasthaus-Familie, geprägt von der katholischen Kultur des Eichsfeldes.

ANZEIGE

Andrea Fournier-Dieng

„Bei uns kochen alle“, berichtete die in Wuchzenhofen aufgewachsene Salzburger Domkapellmeisterin Andrea Fournier-Dieng (Bild). Der Musikerin kam beim Talk vorm Bock zunächst die Aufgabe zu, den Zweck der Spende zu erklären, die bei diesen Veranstaltungen traditionell eingesammelt wird. (Die organisatorischen Kosten selbst tragen vor allem die beiden Haupt-Sponsoren: die elobau-Stiftung und die Kreissparkasse.) Die insgesamt 2530 Euro Spendengelder vom 10. August gehen an Tonkünstlerinnen und Tonkünstler in Kiew. Zum Beispiel für deren Heizung. Über ihre Arbeit in Salzburg sagte Andrea Fournier-Dieng im Gespräch mit Joachim Rogosch: „Man muss von dem, was man tut, sehr überzeugt sein.“ Schließlich sei ihre Stelle der Salzburger Dom, „ein wirklich unfassbares Gebäude“. Und dort wirke sie an prominenter Stelle: „Mozart war mein Vorgänger.“ In Salzburg leite sie unter anderem den Domchor. Mit über 30 Auftritten übers Jahr – plus jede Woche Probe. Zusammen mit anderen Aufgaben wende seine Leiterin bis zu 70 Stunden pro Woche auf. Zu musizieren, zu singen, das bedeute für sie: „Man ist einfach in einer anderen Welt.“ Für guten Ton zu sorgen, sei „fast wie eine Sucht“. Moderator Joachim Rogosch schlug ihr vor, doch das 500-köpfige Publikum auf dem Gänsbühl als Chor zu betrachten: „Wollen wir’s mal ausprobieren?“ Und tatsächlich: Die Leute standen auf und sangen, was Andrea Fournier-Dieng in außergewöhnlich animierender Weise antonierte.

Anton Gruber

Kirche, Küche, Musik. Was er damit zu tun hat, wurde am Montagabend auch St. Martins neuer Pfarrer Anton Gruber (Bild) vom Moderator Joachim Rogosch gefragt. Darauf Gruber: „Ich kann kochen. Ich lade Sie mal zum Pizza-Essen ein – selbstgemacht.“ Andererseits würde sich Gruber freuen, wenn wieder einmal eine Hausfrau die Küche im Pfarrhaus betreuen könnte. Und die Musik? Anton Gruber lernte früh, Orgel zu spielen. Mehr noch: Er versucht, jedes Jahr mindestens einmal zu einem eigenen Orgelkonzert zu laden. Und dann gebe es da noch „organ meeets rock“. Überhaupt wirkt der Gemeindehirte alles andere als fremd gegenüber moderner Technik. Der Mann, der kurz vor Studienbeginn darüber nachdachte, sich noch Richtung Informatik und Mathematik ausbilden zu lassen, war einer der ersten, die einen Gottesdienst „live gestreamt“ hatten. Noch vor Corona. Gerne ökumenisch. Wer also weder Weg noch Zeit dazu fand, selbst eine Messe zu besuchen, konnte sich ihrer wenigstens am Rechnerbildschirm erfreuen. „Ich freue mich auf’s Leben hier in Leutkirch“, bekannte Pfarrer Anton Gruber auf der Gänsbühl-Bühne. Bevor er die Stelle antrat, war er neun Wochen auf Reisen gegangen. Gruber. „Ich bin begeisterter Reisender.“ Dabei lerne er immer wieder, „einfach genießen, die Dinge akzeptieren“. Und: „Die Schöpfung zu bewundern.“

Moderator Joachim Rogosch bedankte sich bei seinen drei Talk-Gästen mit einem eigens gebrauten TiB-Bier.

Text und Fotos: Julian Aicher

Weitere Bilder in der Galerie

ANZEIGE
Julian Aicher
veröffentlicht am
11.08.2026
Lesedauer: ca. 5 Minuten
Beitrag teilen
Bildergalerie
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
Neueste Beiträge
Ein Partnerunternehmen der Bildschirmzeitung
Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.