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Bad Waldsee – Samstag, 18.00 Uhr: Dreimal muss Oberbürgermeister Matthias Henne ansetzen, bis der Zapfhahn endlich im Spundloch sitzt. Wenige Augenblicke später fließt das erste Bier schäumend in die Krüge der Ehrengäste – das Waldseer Altstadt- und Seenachtfest ist eröffnet. So beschreibt unser Reporter Erwin Linder den Auftakt des 50. Bad Waldseer Altstadt- und Seenachtfestes. An beiden Tagen war „Erre“ fest dabei. Nachstehend seine Ausbeute in Wort und Bild:
Der Fassanstich ist nur das offizielle Signal. Schon vorher verwandelt sich die historische Altstadt in eine große Festmeile. Rund 30 Vereine bewirten ihre Gäste, an den Grills brutzeln Steaks und Würste, aus allen Richtungen erklingt Musik, und überall trifft man freundliche Menschen, so auch viele alte Waldseer, die in der Diaspora leben müssen und die man nur einmal im Jahr sieht: eben am Seenachtfest. Und wenn es hoch kommt, noch einmal in der Fasnet.
Die Samstag-Sommernacht
Der Samstag gehörte in diesem Jahr einer lauen Sommernacht. Nach den heißen Tagen zuvor waren die Temperaturen angenehm. Man konnte durch die Gassen bummeln, Bekannte treffen, stehen bleiben, sich unterhalten und das bunte Treiben genießen.
Vieles gehört seit Jahrzehnten unverrückbar zum Waldseer Stadtfest. Jeder weiß, wo „sein“ Verein wirtet und an welchem Stand man sich trifft. Gleichzeitig entwickelt sich das Fest weiter. Neben den klassischen Grillständen gibt es längst Pizza, Crêpes, Kebab, Köfte und Falafel. Junge Bands sorgen für neue Klänge, und Young Culture feierte ihr 30-Jähriges mit einem DJ-Programm.
Zwischen Tradition und neuen Ideen
Eine Bereicherung war der neue Stand des Kulturvereins Rebstock auf dem Gut-Betha-Platz. Etwas abseits des größten Trubels entstand dort eine ganz eigene Atmosphäre. Bei einem guten Glas Wein saßen die Besucher gemütlich beisammen und genossen einen ruhigen Gegenpol zum lebhaften Treiben in den Gassen.
Beim Rundgang durch die Stadt zeigte sich überall dieselbe entspannte Stimmung. Vor der Bühne der Stadtkapelle brachte Brass Express das Publikum auf Touren. Am Rathaus informierten sich zahlreiche Besucher über die Planungen zur Landesgartenschau. Die Stadträte verkauften Lose für ihre Tombola, am „Hasen“ floss die Hasenmilch in Strömen, und rund um die Hochstatt bewiesen die vielen helfenden Hände an den Gastronomieständen einmal mehr, dass Freundlichkeit und Erfahrung oft wichtiger sind als Hektik.
Es sind diese vielen kleinen Bilder, die das Stadtfest ausmachen: Frauen mit ihren beim Schießstand gewonnenen Rosen, der Duft frisch gebackener Kartoffelspiralen und Brotwickel, der nostalgische Charme der Schießbude, der Süßwarenstand mit seinem Magenbrot und über allem das Riesenrad, das gemächlich seine Runden über den Dächern Bad Waldsees dreht.
Frühschicht für den Flohmarkt
Der Sonntagmorgen (2.8.) begann überraschend frisch. Fast fröstelnd wurden die Flohmarktstände eingeteilt. Wenige Stunden später hatte die Sonne wieder ihre Kraft entfaltet. Für den Reporter gehörte nun noch ein persönlicher Termin dazu: Der selbstgebackene Apfelkuchen wurde pünktlich am Stand des Kinderschutzbundes abgeliefert, wo längst reger Betrieb herrschte.
Entspannt rund um den Stadtsee
Während sich viele Besucher zum Frühschoppen oder Mittagessen trafen, zog es andere zum Flohmarkt. Die neue Aufteilung auf Bleichestraße, Wurzacher Straße und Seeweg wurde unterschiedlich beurteilt. Wer den etwas längeren Weg bis hinter den Stadtsee auf sich nahm, wurde mit schattiger Kühle belohnt. Am Kinderflohmarkt konnten auch die Kleinen ihre Schätze anbieten.
Nur wenige Schritte entfernt präsentierten die Modellbauer ihre Schiffe. Gemächlich oder rasant zogen sie ihre Bahnen über den Stadtsee, während ihre Besitzer entspannt im Gras saßen. Im Hintergrund erhoben sich die Türme der Stiftskirche – ein Bild, wie es typisch für Bad Waldsee ist.
Gut angenommen wurde auch die neue Bühne unterhalb des Neuen Rathauses. Von 11.00 bis 20.00 Uhr wechselten sich dort Nachwuchsbands im Dreiviertelstundentakt ab. Viele Besucher machten es sich auf der neuen Wiese bequem und genossen den Sonntagnachmittag. Für die Bewirtung sorgte der Bürgerbusverein am Schwartenmagenhäusle.
Wenn die Lampions zu leuchten beginnen
Am Stadtsee liefen derweil die letzten Vorbereitungen für den Höhepunkt des Festwochenendes. Die Mitarbeiter des Bauhofs hängten am Sonntagnachmittag die letzten bunten Lampions rund um den See auf – ganz bewusst erst kurz vor dem Festabend, damit sie weder verschwinden noch nach einem Regenschauer traurig herunterhängen. Gleichzeitig bereiteten die Pyrotechniker ihre Abschussbatterien vor, während die Lautsprecheranlage für die musikalische Begleitung montiert wurde.
Ein Himmel voller Farben
Mit dem Einbruch der Dunkelheit füllte sich das Seeufer. Familien breiteten Decken aus, stellten Klappstühle auf und warteten auf den Höhepunkt des Wochenendes. Die tausenden Lampions begannen zu leuchten, von Booten aus wurden Leuchtbecher auf dem Wasser ausgesetzt und verwandelten den Stadtsee in ein funkelndes Lichtermeer.
Dann wurde es still
Ein gewaltiger Donnerschlag zerriss die Nacht. Schlag auf Schlag explodierten farbenprächtige Bilder am Himmel, begleitet von der Musik, die über den See hallte. Lange erhellten Raketen den Nachthimmel und Pulverdampf waberte über das Wasser. Zum Jubiläumsjahr hatten die Verantwortlichen ein paar Raketen mehr als gewöhnlich geordert. Und so entfaltete sich am Himmel ein Spektakel der Sonderklasse.
Dann kehrte langsam wieder Ruhe ein. Das Waldseer Altstadt- und Seenachtsfest war zu Ende – und mit ihm das stimmungsvollste Wochenende im Jubiläumsjahr.
Text und Fotos: Erwin Linder
Viele Bilder in der Galerie
Zum Auftakt haben wir den Artikel „Der Zapfhahn zeigte sich widerspenstig“ veröffentlicht, zu finden nachstehend unter „Lesen Sie hierzu auch“














































































