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Lagerverkauf des Finkhofs: Ein Dorffest der anderen Art

Schäfer auf dem Wachstumspfad

Foto: Julian Aicher
Bemerkenswerte Einblicke in die Arbeit der Schäfereigenossenschaft Finkhof eG gewährte Vorständin Melanie Maier beim Lagerverkaufs-Fest am 31. Juli und am 1. August. Der Betrieb wächst – und baut jetzt ein neues Gebäude in Arnach dazu.
veröffentlicht am: 02.08.2026
Autor: Julian Aicher
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Arnach – Samstagspätnachmittag, 1. August. Der Finkhof Arnach hatte zu seinem öffentlichen „Lagerverkauf“ am 31. Juli und am 1. August geladen. An beiden Tagen, die eher einem Dorffest glichen denn einem Waren-Abverkauf, gab es Führungen durch den seit einem knappen halben Jahrhundert in Arnach ansässigen Betrieb. Bei einer Führung mit Finkhof-Vorständin Melanie Maier war unser Reporter Julian Aicher dabei. Der Betrieb wächst, so seine Erkenntnis, „und gibt heute schon rund 50 Leuten Arbeit.“

„Aus kontrolliert biologischer Tierhaltung“, kurz: kbT.

Allerhand aus Schafwolle. Und Schaffelle. Das alles bietet der Finkhof. In der Textil-Branche üblich: Zwischen 40 und 50 % von dem, was die Kundschaft kauft, gibt sie zurück. „Retouren“ genannt. Nicht so beim Finkhof. Dort liegt die vergleichbare Prozentzahl bei nur 14 %. Die, die beim Finkhof bestellen, sind mit dem Gelieferten demnach überdurchschnittlich zufrieden.

Was gibt’s beim Finkhof? Das lässt sich in einem frisch gedruckten Katalog bewundern. 60.000-mal wurde er gerade hergestellt. Rund 50.000 davon gehen an die Kundschaft. Dass der Finkhof für sie sparsam arbeitet, zeigt sich schon allein an den Models im Katalog. Sie laufen nicht in Mailand, Paris oder New York über den Steg, sondern ziehen vom Finkhof selbst aus das Augenmerk auf sich und das, was sie tragen. Vorständin Melanie  Maier: „Fast alle unsere Models arbeiten bei uns.“ Dass sie gut aussehen in den Finkhof-Produkten, lässt sich im Internet bewundern: https://finkhof.de

Melanie Maier, Vorständin der Genossenschaft, bei der Führung durch den Finkhof.

Die Führung ging auch in die ehemalige Gaststube des „Adlers“.

„Wir platzen aus allen Nähten“

„Jedes Jahr gibt es ein bißle was Neues zu tun“, sagt Melanie Maier über das Finkhof-Sortiment. Mit beachtlichem Ergebnis: „Wir platzen aus allen Nähten.“ Und zwar derart stark, dass der Finkhof derzeit im Arnacher Betriebsgelände ein neues Gebäude erstellt. Erste Baumaschinen stehen schon da.

Zwar unterhält der Finkhof nach wie vor eigene Tiere. 200 an der Zahl, „Coburger Fuchsschafe“ und Rhön-Schafe, die auf 40 Hektar weiden können. Bei der Fütterung leide der Finkhof derzeit „keine Not“. Beachtlich in Trocken-Zeiten, die die Nahrungsversorgung vom Acker und der Wiese als „desaströs“ erscheinen lasse. Aber an die eigene Produktion „ab Schaf“ ist inzwischen vorrangig die Verarbeitung in nachgelagerten Stufen sowie der Handel mit zertifizierten Produkten getreten.

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Der wachsende Finkhof-Betrieb arbeitet mit anderen Spezialfirmen im süddeutschen Raum zusammen. Etwa mit einer Gerberei im Schwarzwald. Sie bearbeitet die rund 800 Schaffelle, die der Finkhof auch direkt bei anderen Schäfereien im schwäbischen Oberland und auf der Alb erwirbt. Genäht wird dann in Arnach. Daraus stellen fleißige Frauen etwa Wollpantoffeln oder Fahrrad-Sattel-Bezüge her.

Christine Kraft (Bild) schafft seit Jahrzehnten beim Finkhof. Als Genossin. Seit 1992 bedient die Weberin den etwa achtzig Jahre alten Webstuhl. Dabei entstehen beeindruckende Wolldecken und -teppiche. Bei der Finkhof-Führung am Samstag konnten die rund 15 teilnehmenden Frauen und etwa halb so viele Männer Weberin Kraft bei der Arbeit zuschauen.

„Was trage ich auf der Haut?“

„Was trage ich auf der Haut?“ Dieser Frage gehen offenbar nicht wenige der Kundinnen (und Kunden) des Finkhofs nach. Deshalb legen sie Wert auf echte Naturprodukte. Dass das so ist, kontrollieren andere von außerhalb des Finkhofs. Die entsprechenden Zertifikate führen zu strengen Vorgaben. „Wir können auf keinen Fall Plastikknöpfe nehmen“, erzählt Vorständin Melanie Maier. Finkhof-Produkte gefallen auch dem Nachwuchs. „Wir bieten Kindergärten Schäfchen zum Basteln an“, berichtet Maier. 
Etwa 3500 Produkte bietet der Genossenschaftsbetrieb.

Eines von 3500 Produkten.

Fünf Frauen und sieben Männer bilden die Genossenschaft – die meisten arbeiten seit Jahren im Finkhof. Gegründet wurde die Genossenschaft 1979. Firmensitz Arnach: seit 1978. Die meisten der Gründer-Genossen sind inzwischen in Rente. Neue Genossen sind nachgewachsen. Mit-Genossin Melanie Maier: „Letztlich steht immer ein Mensch dahinter.“
Text und Fotos: Julian Aicher

Den Zugang zur Webseite des Finkhofes haben wir unter dem roten Link-Balken in der rechten Spalte hinterlegt

Viele Bilder in der Galerie

Nachstehend finden Sie unter „Lesen Sie hierzu auch“ einen Artikel über den Spatenstich zur jüngsten Baumaßnahme sowie über die Geschichte des Finkhofs

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