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Blick ins Muchental. Fotos: Andrea Reck

Zwar ist Stühlingen, Ausgangspunkt des Schwarz-wälder Schluchtensteigs fast 150 Kilometer von Biberach entfernt, aber in gewisser Weise doch „Urlaub dahoim“. Zumindest für mich, als Badenerin.

Die Region im Südwesten des Ländles erwanderte ich bereits 1973. Damals auf dem Westweg von Pforzheim nach Basel mit vier Schulfreunden und 16 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Diesmal sind wir zu dritt und beschränken uns auf die Hälfte der Last. Reicht vollkommen, wir brauchen diesmal keinen Schlafsack, gibt es doch gute Hotels und Pensionen auf der Strecke. Dabei werden wir drei  „älteren Damen“ von den Mitwanderern bewundert, dass wir unser Hab und Gut im Rucksack tragen, während viele den angebotenen Gepäckservice in Anspruch nehmen oder die Tour mit Guide gleich bei einem Reiseveranstalter buchen. Wer einigermaßen Karten lesen kann, kommt aber alleine bestens zurecht, zumal die Strecke mit der Schluchtensteig-Raute sehr gut ausgeschildert ist. 

„Den Schluchtensteig solltest du nicht unterschätzen“, riet mein Allgäuer Freund, der seit Jahren europaweit auf Fernwanderwegen unterwegs ist. Und tatsächlich. Quer durch den Naturpark Südschwarzwald führt der 119 Kilometer lange zu den Top Trails of Germany zählende Wanderweg auf teilweise anspruchsvollen Pfaden – und 3.180 Höhenmeter hinauf und 3.290 Höhenmeter runter. Zum Vergleich: die Zugspitze ist 2.962 m hoch. 

Aber die Anstrengung lohnt sich: Wutachschlucht, Schleifenbachfälle, Haslachschlucht, Windbergwasserfall, Hohwehraschlucht und Wehraschlucht sind Ziele auch für heiße Tage. Man steigt durch wilde Schluchten, staunt vor – zumindest im Frühjahr –  tosenden Wasserfällen und genießt die Stille in den Wäldern und die grandiosen Aussichten. 

Schmale Pfade im Wutachtal.

Sonntags fährt die Sauschwänzlebahn

Die erste Etappe von Stühlingen nach Blumberg ist rund 19 km lang und wird von den beiden Wanderführern, die ich neben einer ausgedruckten Karte vom Kompass-Verlag (zugegeben, old school) und einer dazugehörigen App auf dem Handy nutze, mit fünfeinhalb Stunden Gehzeit angegeben. Wir brauchen mehr als eine Stunde länger. Aber es sind ja auch rund 600 Meter Auf- und fast 400 m Abstieg. Wir lernen nach wenigen Kilometern die Wutach kennen und sind angetan von der Schönheit des Tals. Das Gasthaus Wutachtal hat montags Ruhetag, doch nach einem kurzen Abstecher zur Museumsmühle Weiler bekommen wir doch noch ein kaltes Getränk. Wasser sollte man immer genug dabei haben, es gibt weniger Brunnen unterwegs als vermutet. Die historische Sauschwänzlebahn verkehrt nur am Wochenende, wir sehen lediglich die imposanten Eisenbahnbrücken. Die Wege sind meist schmal und von Wurzeln durchzogen, bei Regen könnte es hier sehr rutschig werden. Doch wir sind im Juni 2026 bei gutem Wetter zu Beginn der Hitzewelle unterwegs.   

Tags darauf (20 km, 490 m Auf- und 500 m Abstieg) erreichen wir zunächst über eine Leiter die Schleifenbachfälle und passieren bald das Gasthaus Scheffellinde, das nach dem Dichter Victor von Scheffel benannt ist. Am Nachmittag erreichen wir auf teils mit Drahtseilen versicherten Pfaden  durch dichten Mischwald den Zusammenfluss von Gutach und Haslach, die zwei Flüsschen die die Wutach bilden. Wir übernachten in der Schattenmühle, einem früheren Sägewerk. 

Nach dem Frühstück unter der mächtigen Kuckucksuhr erklimmen wir das „Räuberschlössle“, wandern vorbei am ältesten Flusskraftwerk Badens Stalleg. Angelegt vom Fürst zu Fürstenberg versorgte es bereits 1895 nicht nur die Brauerei sondern auch die Bewohner von Donaueschingen mit Strom. 

Die Haslachschlucht sollte man sich nicht entgehen lassen, statt auf dem Bähnle-Radweg abzukürzen. Von Lenzkirch, wo es nach einem Eis vor dem mächtigen roten Rathaus noch einmal steil hinaufgeht nach Fischbach, könnte man das letzte Stück auch mit dem Bus fahren. Das Ticket ist bei der Konus-Gästekarte, die man vom Gastgeber erhält, inklusiv. 

Auf dem Weg von Fischbach nach St. Blasien (20 km, 430 m Auf- 700 m Abstieg), geht’s vorbei am Schluchsee und den schönen Schwarzwaldhäusern des Muchenlandes. Kurz vor St. Blasien genießen wir die Kühle des Windbergwasserfalls und schließlich im Ort die des frühklassizistischen Doms mit seiner gewaltigen Kuppel in 63 Metern Höhe. 

300 Höhemeter sind am Morgen zum Lehenkopf zu bewältigen. Auf 1.039 Metern steht ein 19 Meter hoher hölzerner Aussichtsturm mit Blick auf den Feldberg und wenn man Glück hat zu dem Schweizer Alpen. Am Klosterweiher angekommen schütten wir erst mal kühle Holunderschorle in die trockenen Kehlen. Durch den Wald und über sonnige Weiden  erreichen wir nach dem Ibacher Kreuz kurz vor Todtmoos die schattige Wehraschlucht 

Noch 1000 Abstiegsmeter und über 500 Meter bergauf trennen uns vom Endpunkt Wehr. Unterwegs gibt’s Sägewerke, einen buddhistischen Tempel, felsige Waldpassagen und einen Stausee zu sehen, ehe am Ziel eine Schwarzwälder Kirschtorte lockt. 

Info: Unter  www.schluchtensteig.de findet man sehr gute Informationen über die einzelnen Etappen sowie Übernachtungsmöglichkeiten. Die Fremdenverkehrsämter schicken auch Infomaterial. Ein sehr genauer und informativer Wanderführer mit Karten: Verlag Esterbauer, Hikeline, Schluchtensteig, 2025, 14 €.  

Autorin: Andrea Reck

 


erschienen in August/September 2026

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Die Anstrengung lohnt

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