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Die Toten Hosen mit Frontmann Campino traten am 18. September 1990 in der Oberschwabenhalle auf. Foto: Georg Kliebhan

Ravensburg – Das Konzert der Toten Hosen in der Oberschwabenhalle gehört zu den markantesten Rock‑Momenten der Ravensburger Musikgeschichte, behauptet die KI und weiß, dass die Band am 18. September 1990 im Rahmen ihrer Tour „Auf dem Kreuzzug ins Glück“ in Ravensburg gastierte. Damit war die Oberschwabenhalle eine wichtige Station auf dem Karriereweg der Düsseldorfer Rocker. 36 Jahre später spielt die legendäre Band ihre große Abschiedstournee unter dem Titel „Trink aus! Wir müssen gehen“, was sinnbildlich auch für die Oberschwabenhalle gilt, die laut Beschluss des Gemeinderats statt den Toten Hosen und anderen Rockgrößen zukünftig nur noch dem Schul- und Vereinssport eine Bühne geben soll.

„Purzelbäume statt Popkonzerte“ spöttelt die Schwäbische Zeitung und will wissen, „warum der Ravensburger Gemeinderat die Oberschwabenhalle opfert“. Des Pudels Kern ist das Loch in der Stadtkasse, aber auch die Zeitläufte, die die „Goldene Ära“ der Großveranstaltungen in der Halle wie „Wetten dass“ (1995 mit Madonna!) und „Verstehen Sie Spaß“ (2005) beendeten. So gesehen eignet sich die Oberschwabenhalle auch zum Studium der Kultur- und Wirtschaftshistorie in Oberschwaben.

Denn die Oberschwabenhalle ist seit ihrer Eröffnung 1959 ein zentraler Veranstaltungsort in Oberschwaben. Sie wurde als moderne Mehrzweckhalle konzipiert und prägte über Jahrzehnte das kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Leben der Region mit. Das „Wirtschaftswunder“ machte das ambitionierte Projekt möglich: eine große, flexibel nutzbare Halle, die sowohl Konzerte, Messen, Sportveranstaltungen als auch Fernsehproduktionen aufnehmen konnte. Das war einmal. Wenngleich 2003 noch einmal kräftig investiert wurde in einen modernen Backstage-Bereich sowie in ein neues Foyer, das Dilemma entweder zu klein oder zu groß blieb bestehen. Die Halle bietet unbestuhlt 5000 Personen und bei einer vollständigen Bestuhlung rund 2800 Besuchern Platz. Und nicht zu vergessen, das umliegende Außengelände für Großveranstaltungen ist rund 37.000 Quadratmeter groß und bietet der Oberschwabenschau als jährliche Verbrauchermesse im Herbst die nötige Ausstellungsfläche. Wie es nach 2028 mit dem regionalen Besuchermagnet weitergeht, ist in der Diskussion.

Foto: Stadt Ravensburg

Stephan Drescher, Geschäftsführer der Ravensburger Veranstaltungsgesellschaft mbH, der sowohl die Oberschwabenschau als auch die Baumesse und Hochzeitsmesse verantwortet, gibt sich nach der Gemeinderatssitzung am 13. Juli zuversichtlich, dass er trotz aller beschlossenen Veränderungen mit der Stadt ein zukunftfähiges Konzept für den Standort und seine Events finden wird.

Aber die Prioritäten liegen nach Beschlusslage woanders. Die Stadt Ravensburg steht vor der Herausforderung, bei steigenden Schülerzahlen und klammer Kasse eine fehlende große Sportstätte zu schaffen. Daher wurde 2023/24 ein neues Kulturraumkonzept vorgestellt, das neben anderem eine grundlegende Veränderung vorsieht: Die Oberschwabenhalle soll ab 2029 zu einer wettkampffähigen Sporthalle umgebaut werden. Denn den Neubau einer Großsporthalle kann sich die Türmestadt nicht leisten. Da die in die Jahre gekommene Oberschwabenhalle ohnehin umfassend saniert werden müsste, lassen sich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, nämlich Sanierung und Umbau (1.Fliege) zur Sportstätte (2.Fliege) – aber zulasten der Eventkultur. Die Entscheidung des Gemeinderats ist der Kalkulation der Verwaltung geschuldet, dass für eine weitere Nutzung der Oberschwabenhalle als Veranstaltungshalle zehn bis 25 Millionen Euro nötig wären je nach Umfang der Sanierung – bei einem jährlichen Zuschussbedarf von einer Million Euro, berichtet die Schwäbische Zeitung. Und dem Schulsport fehlte immer noch der nötige Übungsraum.

Festzuhalten ist: Die Oberschwabenhalle war über mehr als sechs Jahrzehnte ein kultureller Mittelpunkt der Region. Ihr Wandel spiegelt die Veränderungen in Stadt und Land wider: von der Nachkriegsmoderne über die Eventkultur des späten 20. Jahrhunderts bis hin zu den heutigen Anforderungen an kommunale Infrastruktur. Und die Toten Hosen kommen auch nicht mehr. Komm, „trink aus, wir müssen gehen“! 

Autor: Roland Reck


erschienen in August/September 2026

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