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    „Ich hoffe, dass dieser Judenhass nur von vorübergehender Natur ist“

    HMG-Schüler führten Anne-Frank-Stück auf

    Foto: Finn Kathan
    Versteckt im Hinterhaus. Unser Bild zeigt (von links): Anne (Salomé von Abendroth), Margot (Romy Segmehl), Frau Frank (Linnéa von Abendroth), Herr Frank (Constantin Künst),  Frau van Daan (Luise Weishaupt), Peter (Jona Garmel), Herr van Daan (Pedro Kremer).
    veröffentlicht am: 21.07.2026
    Autor: Hans-Multscher-Gymnasium (HMG)
    Lesedauer: ca. 5 Minuten

    Leutkirch – Anne Franks weltberühmtes Tagebuch ist von Schülern des Hans-Multscher-Gymnasiums aufgeführt worden – in einer szenischen Fassung, die aus der Feder von Maria Bertele stammt.

    „D-Day has come!“ – Die Hinterhausbewohner sind überglücklich, die Nachricht von der Landung der Alliierten in der Normandie im Radio zu hören; sie haben nun die große Hoffnung, gerettet zu werden. Unser Bild zeigt hinten (von links nach rechts) Frau Frank (Sofie Blüm), Frau van Daan (Luise Weishaupt), Herrn Frank (Constantin Künst), Anne (Maya Spatz), Margot (Maike Rose), unten (v. li.) Herrn van Daan (Pedro Kremer, Peter van Daan (Jona Garmel), Herrn Dussel (Phil Adam). Foto: Finn Kathan

    Jeweils knapp 30 Schauspielerinnen und Schauspieler der Klassen 5 bis 11 machten den Cubus des Schulzentrums an zwei Abenden zum lebendigen Schauplatz eines Lehrstücks über die Geschichte und die Zukunft. Anne Frank kam im Originaltext zu Wort. Ihr Tagebuch stand im Zentrum des Geschehens. 17 Tagebuchsprecherinnen und -sprecher umrahmten mit kurzen Passagen aus dem Tagebuch die gespielten Szenen – gut zu erkennen an ihren von Judit Eschwey gestalteten weißen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Liebe Kitty!“ So nannte Anne Frank ihr Tagebuch, es war ihr wie eine Freundin. Ihr vertraute sie an, wie es ihr damals ging, während sie sich mit ihrer Familie mehr als 700 Tage lang in einem Amsterdamer Hinterhaus verstecken musste. Angst, Hoffnung, Liebe und Streit. Das Leben auf engstem Raum mit der eigenen Familie, der Familie van Daan und Herrn Dussel, einem Zahnarzt.

    Die Bewohnerinnen und Bewohner des Hinterhauses standen im Zentrum der Inszenierung (nach einer Textfassung von Maria Bertele). Schlaglichtartige Szenen zeigten das Hoffen und Bangen der Versteckten und vor allem den selbstbewussten Ton einer 14-jährigen Schriftstellerin, von der man noch gerne mehr gelesen hätte. Aber bekanntlich sollte es nicht so weit kommen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer fühlten mit Anne Frank (Salomé von Abendroth, Maya Spatz). Das lag an dem beeindruckenden und sicheren Schauspiel der Darstellerinnen und Darsteller, aber auch an der Musik, die das Stück emotional getragen hat. Die 23 Sängerinnen des Chors von Musiklehrerin Karoline Bohn schlugen die Brücke ins Heute.

    Sehnsüchtige Wünsche der Hinterhausbewohner nach einem Leben in Freiheit, Liebesgefühle des Paares Anne und Peter van Daan (Jona Garmel), Streit mit der eigenen Mutter (Sofie Blüm, Linnéa von Abendroth) und einem Mitbewohner (Herr Dussel: Phil Adam), Erziehungsversuche durch Frau van Daan (Luise Weishaupt), Freude über geglückte Pläne (Herr van Daan: Pedro Kremer), Konkurrenz zur Schwester (Maike Rose, Romy Segmehl) und nicht zuletzt die Trauer der Bewohner (Otto Frank: Constantin Künst) über die Entdeckung des Verstecks und das Zerschlagen aller Hoffnungen am Schluss wurden durch moderne Popballaden emotional getragen.

    Der Brief von der SS: Margot (Maike Rose, links) berichtet ihrer Schwester Anne (Maya Spatz), dass für
    ihren Vater Otto Frank ein bedrohlicher Brief gekommen ist. Foto: Finn Kathan

    Klarinetten-Soli zwischen den einzelnen Szenen

    Einen besonderen Akzent setzte Klarinettensolistin Miria Nuber, die mit jüdischen Melodien immer wieder zu einzelnen Szenen überleitete. Romy Segmehl und Salomé von Abendroth schenkten mit ihren Stimmen der Inszenierung das gesangliche Leitmotiv: „Irgendwo auf der Welt, gibt‘s ein kleines bisschen Glück. Und ich träum davon in jedem Augenblick“ von Werner Richard Heyman. Der Text drückt die Hoffnung aus auf einen besseren Ort, auf eine bessere Welt. Er erzählt von einer Sehnsucht, die alle Bewohner des Hinterhauses gehabt haben dürften. Nur einer hat überlebt: Otto Frank. Und Annes Tagebuch.

    Wie aktuell das Tagebuch von Anne heute ist, zeigt nicht nur dieser Eintrag: „Liebe Kitty, zu unserem großen Entsetzen haben wir gehört, dass die Stimmung uns Juden gegenüber bei vielen Leuten umgeschlagen ist, dass Antisemitismus jetzt auch in Kreisen aufkommt, die früher nie daran gedacht hätten. Ich hoffe nur, dass dieser Judenhass nur von vorübergehender Natur ist.“

    „Wir bringen dieses Stück jetzt auf die Bühne, damit die Vergangenheit Vergangenheit bleibt. Und nicht zur Zukunft wird“. Mit diesen Worten eröffnete Theaterlehrer Thomas Moser den bewegenden Premieren-Abend, der bei den Zuschauerinnen und Zuschauern noch nachhallen dürfte.

    Die Familie Frank (von links): Margot (Romy Segmehl), Anne (Salomé von Abendroth), Frau Frank (Linnéa von Abendroth), Herr Frank (Constantin Künst). Foto: Finn Kathan

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    Alltag im Hinterhaus: Zwischen Mutter (Linnéa von Abendroth, links) und Tochter Anne (Salomé von Abendroth) gibt es immer mal wieder heftige Auseinandersetzungen. Fotos: Finn Kathan

    Die beiden Schwestern Frank kurz vor dem Aufbruch ins Versteck: Margot (Romy Segmehl, links) und Anne (Salomé von Abendroth). Foto: Finn Kathan

    Herr Frank (Constantin Künst) erklärt seiner Tochter Anne (Maya Spatz), dass sich die Familie verstecken muss. Foto: Finn Kathan

    Der Chor von Musiklehrerin Karoline Bohn umrahmte das Stück mit berührenden Songs. Foto: Finn Kathan

    Juden werden auch in Amsterdam mit strengen Verboten belegt. In der Bildmitte Pedro Kremer mit Judenstern. Foto: Finn Kathan

    Text: HMG / Fotos: Finn Kathan

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    Hans-Multscher-Gymnasium (HMG)
    erstmals veröffentlicht am
    20.07.2026
    erneut veröffentlicht am
    21.07.2026
    Lesedauer: ca. 5 Minuten
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