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    Nachruf auf Albrecht Roth

    Lehrer, Musiker, Heimatkundler

    Starb mit 91 Jahren: Albrecht Roth. Foto: RR
    veröffentlicht am: 18.07.2026
    Autor: Gerhard Reischmann, Julian Aicher, Hans Reichert, Karl-Anton Maucher
    Lesedauer: ca. 5 Minuten

    „Albrecht Roth 90 Jahre? Man kann es kaum glauben. Kerzengerade in der Haltung, geistig quick wie eh und je, kulturbeflissen, an Weihnachten mit Urenkeln Hausmusik machend, die Shakespeare-Aufführung im Brunnenhof von Schloss Zeil am 14. Juli 2023 in englischer Sprache goutierend – das ist Albrecht Roth.“ So leiteten wir unseren Geburtstagsartikel vor anderthalb Jahren ein. Jetzt ist der verdienstvolle Schulmann, Musiker und Heimatliebhaber von uns gegangen.

    Karl-Anton Maucher von der vhs hatte zum 90. mit diesen Worten gratuliert: „Unsere Volkshochschule verdankt Ihnen unendlich viel. Sie sind in unserem Trägerverein ein Mitglied der ersten Stunde. Sie haben sich in unserem Vorstand engagiert. Sie waren unzählige Male unser Referent in Vorträgen, Exkursionen und Kursen. Sie sind ein treuer Besucher unserer Bildungs- und Kulturangebote. Sie begleiten unsere Arbeit mit kritischer Sympathie. Und nicht zu vergessen: Niemand kann einen Vereinsvorstand mit einer vergleichbaren inneren Beteiligung so eindrucksvoll entlasten wie Sie.“ Letzteres bezog sich auf das souverän-eloquente Leiten der Entlastung, bei einer jeden Jahreshauptversammlung im deutschen Vereinswesen ein obligatorischer Bestandteil – so auch beim vhs-Trägerverein in Leutkirch (dessen Vorsitzender Albrecht Roth selbst von 1987 bis 1996 gewesen war).

    Stammend aus Unteressendorf, wo der Vater Dorfschullehrer war, kam Albrecht Roth 21-jährig, auch er ein Lehrer, nach Leutkirch. Der junge Mann hatte die Allgäu-Stadt nicht zuletzt deshalb als Dienstort gewählt, weil dort eine Stelle als Chorleiter ausgeschrieben war. Neun Jahre war er Lehrer an der Volksschule Oberer Graben; dann wurde ihm der Aufbau der Realschule Leutkirch übertragen, wo er drei Jahrzehnte lang, bis 1997, als Rektor wirkte.

    Ja, die Musik war Albrecht Roth eine Herzenssache. 28 Jahre lang war er Chorleiter in St. Martin. 2015 wurde er zum Ehrenmitglied des Fördervereins für Kirchenmusik St. Martin in Leutkirch ernannt. Bei der Gründung der Jugendmusikschule hatte er wichtige Impulse gegeben. Bis zuletzt war er Mitglied in einem Klaviertrio, einem Streicher-Quartett und einem Cello-Quartett.

    Roths kulturelles Engagement ging weit über die Musik hinaus. So organisierte er 1971 eine Ausstellung zum 70. Geburtstag von Erwin Henning. Als ehrenamtlich Beauftragter für archäologische Denkmalpflege in Leutkirch von 1986 bis 2011 hat Albrecht Roth sich altertümlicher, auch prähistorischer Aspekte der Heimatpflege angenommen. Bei der Eröffnung der neukonzipierten Dauerausstellung im „Bock“ im April 2024 nannte OB Henle Albrecht Roth deshalb einen Pionier zum Thema Bodendenkmäler im Raum Leutkirch.

    Natürlich hat er seine heimatgeschichtlichen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse publiziert. In den Spalten der Heimatzeitung fanden sich immer wieder Beiträge von Albrecht Roth. Und er brachte – in Zusammenarbeit mit seiner Frau Eveline – den Band „Rotis – Kleiner Weiler mit großer Vergangenheit“ heraus.

    Julian Aicher, in Rotis zu Hause, war in der Realschule unter den Fittichen des durchaus strengen Pädagogen. Er erinnert sich: „Albrecht Roth war ein Geber, einer, der Erkenntnisse weiterreichte. Vor allem vermittelte er meinem Realschuljahrgang: Musik. Erstaunlich, wie er den Klassenkameraden Lorenz auffällig kenntnisreich bei dessen Referat unterstützte. Thema: die Rolling Stones. Vom Koch- und Schreibmaschinenkurs bis zum Lehrsatz des Pythagoras vermittelte die Realschule zu Roths Zeiten vielerlei Fertigkeiten.“

    Hans Reichert, Jahrgang 1947, schreibt: „Er hat mir weit mehr mitgegeben als Lesen, Schreiben und Rechnen. Sein Unterricht hatte eine Seele. Oft begann er mit Musik: Lieder aus Geschichte und Länderkunde, aus dem Leben der Menschen, aus Handwerk und Jahreszeiten. Diese Musik hat uns nicht nur begleitet – sie hat uns geöffnet. Für die Welt, für Zusammenhänge, für das Staunen. Einige Mitschüler und Mitschülerinnen sind dank ihm zum Katholischen Kirchenchor gegangen. Dass ich selbst einmal als zweite Geige bei einer Mozartmesse in der Martinskirche mitwirken durfte, verdanke ich auch ihm.

    Was bleibt, sind diese lebendigen Bilder: der Lehrer auf dem Motorroller, der voraus zur Turnhalle fuhr, während wir durch die Stadt gingen. Ein Spaß für Kochs Done, wenn er mal mitfahren durfte. Der Fußballplatz, auf dem es nie nur ums Gewinnen ging, sondern ums Verstehen – ums Stellungsspiel, ums Hinschauen. Und plötzlich eine Frage: „Was sind das da drüben für Bäume?“ Seitdem erkenne ich Silberpappeln – und vielleicht auch, dass Lernen überall beginnt.

    Im Klassenzimmer spannte er weite Horizonte auf. Die großen Blätter zur amerikanischen Geschichte an der Wand, die Worte „We the people …“, die Idee von Freiheit und unveräußerlichen Rechten – und daneben die ehrliche, manchmal schwere Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit. Er hat uns nicht nur Wissen vermittelt, sondern Haltung.

    Besonders eindrücklich bleibt mir ein Schulausflug nach Wolfegg und zur Waldburg. Gemeinsam zogen wir unseren beinamputierten Mitschüler Peter im Leiterwagen über den Weg. Kein großes Wort, kein Pathos – aber ein Moment, der gezeigt hat, was Gemeinschaft bedeutet. Das war gelebter Unterricht.

    „Gelehrte haben herausgefunden…“ – mit diesem Satz öffnete er uns den Weg zum Denken. Nicht das bloße Auswendiglernen war ihm wichtig, sondern das Verstehen. Diese Haltung hat mich durch mein ganzes Leben getragen – von der handwerklichen Ausbildung über die Technische Oberschule bis zu meinen Studien in Stuttgart und Oregon.

    Auch später bin ich ihm immer wieder begegnet – bei Konzerten, bei Versammlungen, im kulturellen Leben. Immer warmherzig, zugewandt, interessiert. Beim einhunderjährigen Jubiläum der Volksbank Leutkirch im Jahr 1963 stellte er den Kammermusikkreis vor –man spürte: Musik war für ihn nie Beiwerk, sondern Ausdruck seiner Persönlichkeit.

    Nun ist dieser Lehrer und Musiker verstummt. Für mich aber klingt er weiter – in Erinnerungen, die tragen, in Haltungen, die bleiben, und in leisen Melodien, die immer wieder mal zurückkommen.“

    Albrecht Roth hinterlässt seine Frau Eveline und drei Kinder mit ihren Familien. Abschiedsgebet ist am Mittwoch, 22. Juli, um 19.00 Uhr in St. Martin Leutkirch. Der Trauergottesdienst wird am Donnerstag, 23. Juli, um 11.00 Uhr gehalten – ebenfalls in St. Martin. Die Beerdigung ist im Anschluss auf dem Friedhof an der Wangener Straße.

    Albrecht Roth (1935 – 2026) war Träger des Bürgerpreises der Großen Kreisstadt Leutkirch.
    Gerhard Reischmann

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    Gerhard Reischmann, Julian Aicher, Hans Reichert, Karl-Anton Maucher
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