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    Interview mit Stadtförster Benjamin Lapp:

       „Der Wald ist ein sehr langfristiges System“  

    Foto: Stadt Isny/Michael Panzram
    Förster Benjamin Lapp im Isnyer Stadtwald.
    veröffentlicht am: 15.07.2026
    Autor: Michael Panzram, Stadt
    Lesedauer: ca. 4 Minuten

    Isny (mp) – Benjamin Lapp hat vor zwei Jahren die Nachfolge von Johannes Merta als verantwortlicher Förster für den Isnyer Stadtwald angetreten. Wer mit Lapp im Wald unterwegs ist, spürt seine Leidenschaft für den Beruf und für die Bäume. Welchen Eindruck der 41-Jährige vom Isnyer Wald hat, welche Herausforderungen er in den kommenden Jahren sieht und was sich hinter dem Begriff Forsteinrichtungserneuerung steckt, erklärt der Diplom-Forstingenieur (FH) im Interview.

    Herr Lapp, wie geht es dem Isnyer Wald?
    Benjamin Lapp: Dem Isnyer Wald ging es in den vergangenen Jahren gut. Es hat im Sommer immer ausreichend geregnet. Aktuell machen Trockenheit und Hitze den Bäumen aber schwer zu schaffen. Teilweise sind an südexponierten Hängen schon Laubbäume zu sehen, deren Blätter sich gelb färben. Ich befürchte auch, dass der Borkenkäfer in den kommenden Monaten vermehrt die geschwächten Fichten befallen wird. Durch die Trockenheit ist die Harzproduktion verringert. Das Harz soll ja eigentlich das Einbohren der Borkenkäfer verhindern.

    Welche Veränderungen haben Sie in den vergangenen Jahren bemerkt?
    Lapp: Die Winter sind sehr schneearm, das heißt die Böden sind zum Start der Vegetationsperiode nicht mehr vollständig wassergesättigt. Das ist im Frühjahr schon mal ein Nachteil für die Pflanzen. Wenn dann zusätzlich noch ein strenger Nord/Nordostwind im Frühjahr weht, wie die vergangenen Jahre, trocknet das nochmal zusätzlich den Oberboden aus. Es sind also alles nicht so gute Verhältnisse, insbesondere für junge Bäume mit kleinen Wurzeln oder Baumarten, die nicht so tief wurzeln.

    Zuständig für 1500 Hektar

    Welche Herausforderungen warten auf Sie als Förster in den kommenden Jahren?
    Lapp: Ich bin in Isny für etwa 1500 Hektar Wald zuständig, 800 Hektar davon gehören Privatpersonen, der Rest der Stadt und den Kirchen. Die Wälder sind noch sehr von der Fichte dominiert. Wichtig ist, dass die Wälder in Zukunft immer gut durchforstet werden, so dass genug Licht auf den Waldboden kommt. Dann können sich verschiedene Baumarten ansamen und der Wald verjüngt sich natürlich. Hier spielt die Jagd eine entscheidende Rolle, denn die Bestände von Reh-, Rot- und Gamswild müssen so angepasst sein, dass die jungen Bäume auch groß werden können. Zusätzlich sollte da, wo notwendig, auch mal an Baumarten gedacht werden, die mit dem Klimawandel besser zurechtkommen. Dies den privaten Waldbesitzern zu vermitteln, ist eine wichtige Aufgabe.

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    Wie sehr beeinflusst der Klimawandel schon Ihre tägliche Arbeit?
    Lapp: Wir müssen als Förster immer weit im Voraus denken. Was in 80 oder 100 Jahren ist, ist schwer vorherzusagen. Ich bin der Meinung, dass ein gut durchmischter Wald, der sowohl in seiner Baumartenvielfalt als auch in der Vielfalt von alten, mittelalten und jungen Bäumen auf gleicher Fläche besteht, seine Aufgaben weiterhin wahrnehmen kann. Stichworte sind hier Wasserspeicher und Schutz vor Hochwasser, Sauerstoffspende, Erholung und Holzproduktion.

    Was sollte der Gemeinderat aus der großen Waldbegehung mit Klaus Schuler vom Regierungspräsidium Freiburg, Marjan Gogic vom Kreisforstamt, Ihnen und Ihren Mitarbeitern vor wenigen Wochen an Erkenntnissen mitnehmen?
    Lapp: Der Stadtwald wird vom städtischen Forstteam sehr gut betreut. Das eigene Personal ist ein wichtiger Baustein, dass der Stadtwald so einen hohen Wert hat. Zudem werden noch jungen Menschen im Ausbildungsberuf des Forstwirts ausgebildet. Der Weg hin zum baumartenreichen Dauerwald, den meine Vorgänger Franz Joseph Schaupp und Johannes Merta schon seit den 1960er Jahren begonnen haben, werde ich weiter gehen. Doch der Wald ist ein sehr langfristiges System, bei dem nicht wie beim Ackerbau schon nach einem Jahr eine neue Frucht angebaut werden kann.

    Was verbirgt sich hinter dem Begriff der Forsteinrichtungserneuerung, die der Gemeinderat für die Jahre 2026 bis 2035 verabschiedet hat?
    Lapp: Die Forsteinrichtung ist die Planung für die kommenden zehn Jahre. Hier wurde vom Forsteinrichter Klaus Schuler und mir gemeinsam festgelegt, wo im Stadtwald welches Holz geerntet wird, welche Baumarten wo anschließend gepflanzt werden und welche jungen Wälder wie gepflegt werden sollen. Kernzahlen sind die etwa 6000 Kubikmeter Holz, die jedes Jahr eingeschlagen werden sollen, zudem ist geplant, rund 4500 junge Bäume pro Jahr zu pflanzen, ergänzend zur natürlichen Verjüngung. Wichtig ist auch der Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre. Haben die geplanten Maßnahmen auch den gewünschten Erfolg gebracht? Die Forsteinrichtungserneuerung ist also eine richtige Zäsur.

    Welcher Zustand des Isnyer Waldes im Jahr 2035 wäre aus Förstersicht ein guter?
    Lapp: Ich würde mir wünschen, dass es im Sommer genug regnet und die verschiedenen Baumarten sich natürlich verjüngen können. Dann geht es den Bäumen gut. Ganz wichtig ist, dass es weiterhin ein motiviertes Team gibt, das sich um den Stadtwald kümmert.

    Die Fragen stellte Michael Panzram.

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    Michael Panzram, Stadt
    veröffentlicht am
    15.07.2026
    Lesedauer: ca. 4 Minuten
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