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Christopher Nolan setzt einmal mehr auf Starpower: zum Cast zählen unter anderem Matt Damon (links) und Zendaya.

Mit “Die Odyssee” wagt sich Christopher Nolan an den ältesten Stoff der westlichen Literatur – und erschafft dabei nicht nur einen Film, sondern ein Medienereignis. Gedreht mit neu entwickelter Technologie, ausgestattet mit einem Starensemble ohne Präzedenz, und befeuert von einem 250 Millionen Dollar Budget, ist Nolans erstes Werk nach “Oppenheimer” das Prestige-trächtigste Filmprojekt des Jahres. Am 16. Juli startet das Epos in den deutschen Kinos.

Zehn Jahre nach dem Fall Trojas ist Odysseus, König von Ithaka, noch immer nicht zu Hause. Was als militärischer Triumph begann, hat sich in ein scheinbar endloses Martyrium verwandelt: Götter zürnen, Meere toben, und die Heimkehr wird zum Kampf gegen Kräfte, die jenseits menschlicher Vorstellungskraft liegen. Matt Damon verkörpert diesen Helden nicht als unverwundbaren Übermenschen, sondern als gereiften, erschöpften Mann, der zwischen Sehnsucht und Überlebenswillen zerrissen wird. Auf Ithaka wartet derweil Penelope – gespielt von Anne Hathaway –, belagert von Freiern, die ihren verschollenen Gemahl längst für tot erklärt haben. Unter ihnen der aalglatte, gefährlich charismatische Antinous, dem Robert Pattinson eine geradezu elektrisierend eiskalte Präsenz verleiht. Ihr gemeinsamer Sohn Telemachos, in der Verkörperung von Tom Holland zwischen Junge und Mann schwankend, begibt sich seinerseits auf eine Suche – nach dem Vater, nach sich selbst, nach Würde.

Der Film überzeugt durchweg mit imposanter Ausstattung und Bildsprache.

Nolan entfaltet diese Geschichte nicht als lineares Abenteuer, sondern als vielschichtiges Gewebe aus Erinnerung, Mythos und menschlicher Hybris. Zendaya taucht als Athena auf: göttlich entrückt und doch von einer beunruhigenden Erdnähe. Und Charlize Theron besetzt eine weitere Rolle in diesem Götter-Reigen, dessen genaue Kontur Nolan bis zuletzt mit gewohnter Verschwiegenheit hütete. Die Produktionsgeschichte dieses Films ist so erzählenswert wie der Stoff selbst. Nolan trug das Projekt über zwei Jahrzehnte mit sich; schon vor “Batman Begins” hatte er eine Homer-Adaption ins Auge gefasst. Erst der haushohe Erfolg von “Oppenheimer” verschaffte ihm die nötige Verhandlungsmacht bei Universal, um einen Film dieser Dimension durchzusetzen – ohne die üblichen Studio-Eingriffe, mit absolutem kreativen Kontrollanspruch.

Als literarische Grundlage diente vorrangig Emily Wilsons Übersetzung von 2017, die erste englische Fassung des Epos aus der Feder einer Frau – präziser, moderner und

weniger pathetisch als ihre Vorgänger. Als visuelles Vorbild nannte Nolan den Stop-Motion-Pionier Ray Harryhausen, dessen mythologische Abenteuer der 1950er bis 1970er Jahre er als Kind geradezu verschlang. Dieser Einfluss ist kein nostalgisches Zitat, sondern Programm: Nolan strebt nach einer Ästhetik, die das Fantastische als physische Realität erfahrbar macht – handgemacht, leibhaftig, greifbar.

Das technische Herzstück der Produktion aber ist das IMAX-Format. Kameramann Hoyte van Hoytema nutzte neu entwickelte, leichtere 70mm-Kameras, um erstmals in der Filmgeschichte einen Spielfilm vollständig in diesem Format zu drehen. Über zwei Millionen Fuß Filmmaterial wurden belichtet. Das Ergebnis ist ein Film, dem man schon vor dem ersten Kinobesuch anmerkt, dass er auf der großen Leinwand existieren will und nirgendwo sonst. Ob Nolans analytisch-intellektuelle Regie dem rauschhaften, körperlichen Rhythmus Homers gerecht wird, bleibt abzuwarten. Zumindest in der englischen Originalfassung wird der auffällig moderne, US-Amerikanisch klingende Sprach-Duktus aller Figuren den Fans von Historienfilmen sauer aufstoßen. 

Autor: Christian Oita


erschienen in Juli 2026

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Neu im Kino: Die Odyssee

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