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Bad Waldsee-Reute – Sr. M. Ludgera Haberstroh, die Paramentik-Künstlerin des Klosters Reute, feierte am 11. Juni ihren 100. Geburtstag. Vor 75 Jahren hat sie ihre Ordensgelübde abgelegt und war einige Jahre Mitglied der Generalleitung der Franziskanerinnen von Reute. Ihre Berufung sieht sie jedoch in der Kunst, mit der sie Menschen ansprechen und berühren möchte – Jesus dienen.
„So viel Theater wegen zwei Nullen“, findet Sr. M. Ludgera Haberstroh reichlich übertrieben. Beim Interviewtermin vor ihrem 100. Geburtstag steht sie vor einem großen Wandteppich, der eine Darstellung des Sonnengesanges zeigt. Sie selbst hat ihn gestaltet und hergestellt. Wie so Vieles, was auf dem Klosterberg – und nicht nur dort – aufgehängt und ausgestellt ist. Das ist ihr Lebenswerk: die Verkündigung mit Bildern und Symbolen. Bilder, die Menschen ansprechen, Zugänge ermöglichen, zur Besinnung und Vertiefung einladen.
In der Datenbank des Klosters wird als Beruf von Sr. Ludgera „Stickerin“ ausgewiesen. Das ist ihr Handwerk. Mit dieser Fertigkeit gibt sie ihrer tiefen Spiritualität und Gedankenwelt sichtbaren Ausdruck, gestaltet biblische und franziskanische Motive auf Textil, Glas oder Leinwand. In der früheren Mutterhauskapelle im Kloster Reute haben ihre großen, in leuchtenden Farben ausgeführten Glasfenster mit Motiven aus dem Rosenkranz und dem Leben des heiligen Franz von Assisi jahrzehntelang die Gottesdienstbesucher begleitet und im Gebet inspiriert. Für ihre Heimatkirche in Hardt hat sie 14 Kreuzwegstationen und zwei Fahnen gestaltet und hergestellt, im Innenhof der Liebfrauenkirche in Frankfurt ist ein großes Mosaik von ihr zu sehen – natürlich mit einer Darstellung des Sonnengesangs.
Der Sonnengesang ist ihr zentrales Motiv
Der Sonnengesang – dieses Motiv hat sie so oft künstlerisch umgesetzt wie kein anderes. Da war es ihr ein Anliegen, einen neuen Blick darauf zu ermöglichen. „Den Bruder Tod habe ich gerne als Engel dargestellt. Der holt den Franziskus in liebender Umarmung und hat so gar nichts Beängstigendes und Erschreckendes“, erklärt sie bei der Betrachtung ihres Wandteppichs. Einmal hat sie den Franziskus auch im Feuer dargestellt, für sie „die höchste Form der Liebe. Er steht mitten im Feuer, aber das Feuer verzehrt ihn nicht“. Dieses Bild hängt in ihrem Zimmer im Gut-Betha-Haus, gut sichtbar.
Dass noch heute in vielen Kirchen Gewänder und liturgische Textilien mit ihren Stickereien getragen werden, erfüllt sie zutiefst. Zahlreiche Priester und Diakone verwenden Gewänder und Stolen mit den Motiven von Sr. Ludgera.
Leben als Dienst
Das sei eucharistischer Dienst, habe ihr einmal ein Pater gesagt. „Das hat mich eigentlich schon gefreut“, sagt sie dazu. In diesem Dienst sieht sie sich wohl aufgehoben. Beim Blick auf ihr langes Leben wird sie an dieser Stelle des Gesprächs nachdenklich. Ihren Dienst, den empfindet sie, die demnächst ihr 75-jähriges Professjubiläum feiern wird, als das Tragende in ihrem Leben. Einem Leben, das sie 1947, dem Jahr ihres Ordenseintritts, ganz auf Christus ausgerichtet hat. „Ich will Jesus verkünden, im Bild. Das ist eigentlich schon das Höchste gewesen“. Jesus dienen, der ja selbst am meisten dient, ergänzt sie noch. Gestern feierte die Gemeinschaft mit Sr. M. Ludgera 100 Jahre Leben.































