
Für die Juni Ausgabe erreichte uns ein interessanter Leserbrief zum Thema AfD. Das Thema wird kontrovers diskutiert.
Leserbrief zum Editorial, BLIX April 2026, S. 4 bezugnehmend auf den Leserbrief von Jürgen Votteler, BLIX Mai 2026
Lieber Herr Reck,
um den Einstieg in der Diktion des Leserbrief-Schreibers Jürgen Votteler zu formulieren: Seine Bekundung dokumentiert, wie wenig bereit oder fähig das rechte Spektrum der selbst ernannten Aufklärer heute ist, über die Folgen der engen Grenzen seiner selbstgerechten Ignoranz und Geschichtsblindheit hinauszudenken.
Die AfD also als Wiederkehr von Helmut Schmidt? Er kann sich ja leider nicht mehr wehren gegen diesen Vereinnahmungsversuch für eine Partei, die in wesentlichen Punkten für das Gegenteil seiner Politik steht. Die AfD-Programmatik ist, wie alle wissen könnten, anti-europäisch, stramm nationalistisch, in Teilen völkisch, rechtsextrem und gegen die freiheitliche Grundordnung gerichtet.
Nicht von Relevanz sind dabei die möglicherweise „netten AfDler“, die Biedermänner, die man aus dem lokalen Umfeld kennt; als vertrauenserweckend und präsentabel geltend, bilden sie doch nur die nützliche Staffage für die Rechtsaußen-Hardcores dahinter, die dann im Falle einer AfD-Machtübernahme an die Schalthebel gerieten. Wie so ein Drehbuch funktioniert, ist in der Geschichte nachzuschlagen, Schlüsseljahr 1933. Oder bei Trump 2024, oder in immerhin 16 Jahren perfektioniert in Orbans „illiberaler Demokratie“. Der Ungar galt, bis er von den Wählern im Orkus versenkt wurde, als Leuchtstern am AfD-Firmament. Dabei hat er mit seiner Heimsuchung sein Land in Grund und Boden gewirtschaftet. Sein Beispiel zeigt prototypisch, wohin Populismus führt: die Gewaltenteilung geschliffen, die öffentlich-rechtlichen Medien in Propagandaschleudern verwandelt, die öffentlichen Kultureinrichtungen gleichgeschaltet. Über allem aufgespannt, ein beispielloses Klientelsystem, während in den Krankenhäusern das Klopapier fehlt. Die AfD probt das bereits mit ihrer Vetternwirtschaft in den eigenen Büros.
Wollen wir eine solche „Alternative“? Die Frage richtet sich in erster Linie an all diejenigen, die sich selbst als „besorgte Bürger“ verstehen, doch auf dem Wahlzettel dann gedankenverloren einer systemsprengenden Partei ihre Stimme geben. Einer Partei, deren einzig bewiesene Kompetenz in der Bewirtschaftung von Ressentiments, Destruktion und Spaltung besteht, aber nicht den klitzekleinsten Beitrag zur Lösung der aktuellen Krisen liefert, an denen es gewiss nicht mangelt.
Die Frage, was sich durch ein AfD-Regime zum Besseren wenden würde, ist doch kurz zu beantworten: Nichts. Die Korruption in Ungarn nahm endemische Ausmaße an. Und was in den USA sollte heute „greater“ sein außer dem Schwall aus Lügen aus dem Weißen Haus und der Schamlosigkeit, mit der sich die Mächtigen auf Kosten der Machtlosen bereichern?
Um es auf den Punkt zu bringen: AfD-Wähler setzen die freiheitliche Gesellschaft aufs Spiel – und damit, mein diesbezüglicher Egoismus sei mir verziehen, auch mein Wohlbefinden.
Thomas Vogel, Senden
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