Zum Hauptinhalt springen
Auch Fan-Liebling Special Officer Doofy (gespielt von Dave Sheridan, rechts) ist natürlich wieder am Start und bekommt alle Hände voll zu tun.

Nach dreizehn Jahren Funkstille kehrt die wohl rüpelhafteste Parodie-Serie des amerikanischen Mainstream-Kinos zurück. „Scary Movie 6“ verspricht die Rückkehr der Wayans-Brüder, das Wiedersehen mit Anna Faris und Regina Hall – und einen Befreiungsschlag gegen ein Genre, das sich längst selbst zu ernst nimmt. Am 4. Juni startet diie Komödie in den deutschen Kinos.

Sechsundzwanzig Jahre nach jenem Sommer, in dem ein verdächtig vertrauter Maskenträger durch ein verdächtig vertrautes Suburbia stolperte, holt die alte Garde noch einmal Luft. Cindy Campbell (Anna Faris) hat sich, sichtlich beschädigt von zwei Jahrzehnten Genre-Trauma, in einem schwer befestigten Anwesen verschanzt – eine alleinerziehende, paranoide Person mit Schrotflinte und schlechter Frisur. Ihre Wahlfamilie aus den Anfangstagen, Brenda Meeks (Regina Hall), Shorty (Marlon Wayans) und Ray (Shawn Wayans), wird unsanft aus ihrem mittelständischen Mittelalter gerissen, als Ghostface aus der Mottenkiste zurückkehrt – diesmal in einer abgegriffenen, vom Used-Look gezeichneten Originalmaske, die das gesamte Programm der Reihe in einem Bild kondensiert: Nichts hier ist neu, alles ist müder geworden, und genau das ist der Witz.

Drehbuchautor und Co-Star Marlon Wayans, der zusammen mit Bruder Shawn und Regie-Veteran Keenen Ivory Wayans erstmals seit „Scary Movie 2“ wieder die kreative Hoheit übernimmt, hat eine Marschroute ausgegeben, die so schlicht wie kalkuliert klingt: zurück zur R-Rated-Wurzel, zurück zum „Wayans Flavor“, zurück in eine Zeit, in der Komödie sich nicht selbst kuratierte. Im Visier stehen die großen Horror-Hits der vergangenen Jahre – „Smile“, „M3GAN“, „Get Out“, „The Substance“, „Sinners“, „A Quiet Place“, „Weapons“, „Terrifier“ und der unvermeidliche „Scream“-Komplex, dessen „Core Four“-Konzept hier mit besonderer Lust demontiert wird.

Die Horror-Persiflage zeichnet sich wie eh und je durch Gags jenseits des guten Geschmacks aus.

Hinter der Kamera steht Michael Tiddes, langjähriger Wayans-Vertrauter und Regisseur der „A Haunted House“-Doppelung, deren technische Mediokrität allerdings auch das größte Risiko dieser Produktion markiert. Gedreht wurde im Herbst 2025 in den Tyler Perry Studios in Atlanta, kameratechnisch im breiten Cinemascope-Format 2.39:1, was zumindest auf der Bildebene eine kinotaugliche Ambition signalisiert. Den Score verantwortet Haim Mazar, am Schnitt sitzt Jonathan Schwartz – ein kompakter Apparat, finanziert von Miramax, verliehen von Paramount, mit Neal H. Moritz („Fast & Furious“) als Mehrwert garantierender Produzent.

Die ersten Reaktionen auf den im Februar veröffentlichten Trailer fallen zwiespältig aus. Die Cineasten-Fraktion feiert die schiere Existenz einer Studio-Comedy im Wide-Release wie eine ausgestorbene Spezies. Kulturkritische Stimmen monieren hingegen, dass einzelne Pointen – insbesondere ein Gag über non-binäre Pronomen – weniger pointiert als nostalgisch nach 2003 schmecken. Wayans‘ Kampfansage, man wolle „die Cancel Culture canceln“, liest sich entsprechend weniger als Programm denn als Pressemitteilung im Tarnanzug. Die eigentliche dramaturgische Schwäche der Reihe – die chronische Tendenz, sich an zu vielen Vorlagen gleichzeitig zu verschlucken – könnte auch hier zur Achillesferse werden.

Und doch: In einem Kinojahr, das von milliardenschweren Legacy-Sequels und Horror-Franchises dominiert wird, hat eine respektlose, schlanke 90-Minuten-Persiflage einen seltenen strukturellen Charme. Ob das heutige Publikum dies zu würdigen weiß und dafür eigens ins Kino geht wird sich noch zeigen müssen.

Autor: Christian Oita


erschienen in Juni 2026

NEUESTE BLIX-BEITRÄGE

Neu im Kino: Scary Movie 6

Nach dreizehn Jahren Funkstille kehrt die wohl rüpelhafteste Parodie-Serie des amerikanischen Mainstream-Kinos zurück. „Scary Movie 6“ verspricht die Rückkehr der Wayans-Brüder, das Wiedersehen mit Anna Faris und Regina Hall – und einen Befreiungsschlag gegen ein Genre, das sich längst selbst zu ernst nimmt. Am 4. Juni startet diie Komödie in den deutschen Kinos.
Juni 2026
Ehrensache – FreeFlow Family
ANZEIGEN
Juni 2026
Ehrensache – FreeFlow Family
Diese Anzeige kann aufgrund Ihrer Netzwerkeinstellungen nicht angezeigt werden.