Emotionaler Abschied für und von Chorleiter Wenzel Weiland


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Kißlegg – Mit dem Jahreskonzert des Kißlegger Liederkranzes hat sich Wenzel Weiland als Leiter der Chöre eindrucksvoll verabschiedet. „Vier Elemente – ein Klang“ lautete das Motto am 2. Mai, das bei den knapp 300 begeisterten Besuchern in der proppenvollen Realschul-Mensa viele Emotionen weckte. Unser Reporter Ulli Stark war dabei.

Wenzel Weiland in seinem Element. Es war sein Abschiedskonzert.
Mit „Raging Fire“, dem „loderndem Feuer“ der Liebe von Philip Philipps, setzten die Modern Voices zu Beginn den Ton. Unzählige Flämmchen aus Papier an den Wänden sorgten für den dekorativen Rahmen. Die Bühne erstrahlte zum Thema Feuer zunächst in flammendem hellrot, später je nach Thema in Blau (Element Wasser), in Brauntönen (Erde) oder Weiß (Luft). Auch die Sängerinnen und Sänger, in vier Gruppen aufgeteilt, trugen mit ihrer Kleidung zum Farbspiel bei. Beate Berkmann und Mario Koeppe führten durchs Programm.
Tropensturm imitiert
Mit rhythmischen Klatscheinlagen zu „Bring me little water, Sylvie“ von Moira Smiley deutete der eigens gebildete Frauenchor an, wie gut Choreografien zu Gesang passen können. Was gerade beim Thema Wasser noch geht, demonstrierten die Modern Voices eindrücklich beim Welthit „Africa“ von Toto: Zuerst mit Reiben der Handflächen, dann Fingerschnippen und schließlich Klatschen und Stampfen wurde täuschend echt das Aufziehen und wieder Abflachen eines schweren Tropensturms simuliert. Techniker Claudius Weiland, der zu jedem der rund zwanzig Gesangstücke ein passendes Motiv auf die Rückwand projizierte, perfektionierte die Illusion mit Blitzen und krachendem Donner.

Auch beim Thema „Luft“ lässt sich über den Chorgesang hinaus einiges stimmlich darstellen, was nach der Pause die JazzSingers bei „Ride like the wind“ von Christopher Cross demonstrierten. Bei deren Stücken kam auch die ganze Band (Bild) zum Einsatz. Zu der gehörten neben Johannes Tress, der die Chöre schon seit langem am Piano begleitet, Magnus Stiefenhofer am Bass sowie – beide neu – Moritz Ort an der E-Gitarre und Jan Heidel am Schlagzeug. Frank Erhardt sorgte am Mischpult für die passende Abstimmung.

Immer wieder gefragt: Körpereinsatz.
Drei Elemente auf einmal mit Earth, Wind & Fire
Wieder in voller Besetzung imitierten die Modern Voices ein intensives Vogelkonzert im Urwald, das in den „Earth song“ und fast andächtige Aufmerksamkeit mündete. Der unvergessene Michael Jackson wollte damit auf den kritischen Zustand des Planeten Erde hinweisen. Gleich drei Elemente deckte die etwa sechzigköpfige Gruppe schließlich mit einem Medley eingängiger Hits der Gruppe Earth, Wind & Fire ab.

Doch warum hört Wenzel Weiland auf? Die unter anderem von Auftritten bei der Fasnet in Kißlegg bekannten Babette & Genovev‘ (Bild) machten sich darauf ihren eigenen Reim: „Vielleicht war es ihm einfach zu viel, die beiden ‚Weiland-Mädle‘ dauernd um sich zu haben“. Was im Saal für einige ratlose Gesichter, aber mehrheitlich für Lachsalven sorgte: Hinter den Spaßgestalten verbergen sich nämlich genau eben jene ‚Mädle‘ – Schwiegermutter Elisabeth Weiland sowie deren Schwester Ruth Welte.

Wenzel Weiland – sitzend in der Mitte des Bildes, mit dem Rücken zum Betrachter – darf sich über die Danksagung des Liederkranzes freuen.

„Vielen Dank, es war mir eine Ehre!“ Wenzel Weiland sagt wehmütige Abschiedsworte.
Die Suche nach einer Nachfolge geht weiter
Den Vorständinnen Nadja Abt und Iris Kunzendorf blieb es vorbehalten, Wenzel Weiland für die „fünf wunderbaren Jahre“ nach dem „schwierigen Start in der Corona-Zeit“ zu danken. Ausdrücklich drückten sie ihr Verständnis für seinen Wechsel zu einer vollen Stelle als Kirchenmusiker nach Argenbühl aus. Sie hatten noch eine Überraschung parat, bei der am Ende auch die Mitglieder des „Canto Classico“ und damit über achtzig Personen auf der Bühne standen: Mit einem eigenen Text zur Melodie des Grönemeyer-Lieds „Mambo“ wurde gesanglich und mit viel Herz auf Plakaten noch einmal auf die gemeinsame Zeit zurückgeblickt. Was emotional offenbar nicht spurlos an Wenzel Weiland vorüberging: „Vielen Dank, dass Ihr alles mitgemacht habt. Es war mir eine Ehre!“

Noch sucht der Liederkranz nach einer geeigneten Nachfolge. Auch Tenöre wären hochwillkommen: Nach wie vor stehen einer männlichen Stimme drei weibliche gegenüber. Im Herbst 2025 gab es einige Neuzugänge, die, wie Stefan Wagegg, bereits beim Jahreskonzert mitwirkten. „Als Anfänger heißt es üben, üben, üben, manchmal bis zur Leidensgrenze“ verrät er. Aber es habe sich gelohnt …

Die Mensa war vollbesetzt. Nicht alle fanden einen Sitzplatz.
Text: Ulli Stark; Fotos: Ulli Stark (4); Florian Kunzendorf (5)


































