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Bürgermeisterwahlkampf

Die Auftaktveranstaltung von Sven Stöckle

Foto: Gerhard Reischmann
Sven Stöckle bei seinem Bürgergespräch am 7. April im „Engel“ in Haidgau.
veröffentlicht am: 12.04.2026
Autor: Gerhard Reischmann
Lesedauer: ca. 6 Minuten

Haidgau – 7. April, 19.00 Uhr, im „Engel“ in Haidgau: Bürgermeisterkandidat Sven Stöckle startet den Reigen seiner Bürgergespräche. Gekommen sind zwei Dutzend Haidgauer Bürger, darunter auch Ortsvorsteherin Ernestina Frick und ihr Vorgänger Franz Ritscher.

Sven Stöckle, 51, Ortsvorsteher und im Sozialbereich als GPV-Koordinator tätig, ist ein routinierter Redner. Auf Schwäbisch stellt er sich vor („verheiratet, zwei Töchter, 20 und 17“) und beschreibt seinen Lebenslauf. Nach einer kaufmännischen Ausbildung habe er zum Krankenpfleger umgeschult. Derzeit arbeite er zu 50 Prozent als Ortsvorsteher von Herlazhofen, der größten Teilgemeinde Leutkirchs mit 2600 Einwohnern. Zu 45 Prozent ist er als GPV-Koordinator tätig, angestellt beim Verein Arkade e. V. in Ravensburg. GPV, das Kürzel steht für Gemeindepsychiatrischer Verbund. Als GPV-Koordinator vernetzt Sven Stöckle im Landkreis die Hilfsangebote für psychisch kranke Menschen.

Das sei eine seiner Hauptstärken: Er sei ein Netzwerker. Als Stadtrat (in Leutkirch) und Ortsvorsteher müsse er sich „kommunalpolitisch nicht verstecken“, als Kaufmann verstehe er es, Bilanzen zu lesen. Über seine GPV-Arbeit sei er gut vernetzt mit dem Landratsamt.

Eine weitere Eigenschaft, die er herausstellt: Er sei ein „Dranbleiber“. Der öffentliche Dienst habe Trägheiten, es gebe vielerlei bürokratische Hemmnisse. Da gelte es zäh und geduldig zu sein und es „immer wieder zu probieren“.

Warum er Bürgermeister in Bad Wurzach sein möchte? Ihn reize der Gestaltungsspielraum des Amtes. Zudem sei er von Bad Wurzachern angesprochen worden. Bad Wurzach sei als sehr große Flächengemeinde mit Leutkirch vergleichbar. Er sei zwar kein Wurzacher, was er als Vorteil betrachte, habe aber schon gewisse Wurzach-Erfahrung erworben, als er vor zwei Jahrzehnten für zwei Jahre im Alten- und Pflegeheim im Spital gearbeitet habe. Auch das Haus St. Hedwig kenne er gut.

Stöckle betrachtet die Vielgestaltigkeit der in neun Ortschaften gegliederten Großgemeinde als wertvoll. Jede Ortschaft habe ihre eigene Identität, Haidgau zum Beispiel sei ihm aufgefallen wegen der Motorradsegnung und der sehr aktiven Narrenzunft.

Die Schieflage des Kurbetriebes sieht Stöckle als „große Herausforderung“. Offenbar stünden Belegung und Fixkosten in einem Missverhältnis. Der Gesundheitssektor sei generell schwierig. Man müsse sich die Situation des Bad Wurzacher Kurbetriebes genau anschauen. „Es hängen mehr als 100 Arbeitsplätze dran.“ Aber man kann „das nicht laufen lassen“. Überrascht sei er, dass die roten Zahlen „plötzlich“ aufgetaucht seien.

Bei der Gewerbeentwicklung sieht er „noch“ Flächen im Gewerbepark West. Da aber das Ried einer weiteren gewerblichen Entwicklung entgegenstehe, sei an interkommunale Lösungen mit Leutkirch und / oder Bad Waldsee zu denken. Auch müsse man bei der Nachverdichtung „mehr probieren“ und – im besten Sinne – „lästig sein“.

Beim Thema Ärztemangel nannte Leutkirch als Vorbild; dort wird derzeit auf Genossenschaftsbasis ein MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) im ehemaligen Krankenhaus eingerichtet.

Thema Innenstadtentwicklung: Für eine Fußgängerzone sei der Stadtkern „eigentlich zu klein“. Dafür bräuchte es viel Laufkundschaft. Die Straße durch Bad Wurzach sei zu stark befahren. Man müsse sich mit dem örtlichen Handel zusammensetzen. Auch bräuchte es verkehrliche Lösungen. Etwa Tempo 30. Ein Bürger ergänzte, dass in der Ortsmitte bereits Tempo 20 gelte.

Nach der etwa 20-minütigen Vorstellung seiner Person und ihm wichtiger Themen wandte Stöckle sich ans Publikum und forderte die Zuhörerschaft auf, Fragen zu stellen und in den Dialog einzutreten. Ein Thema, das den Haidgauern unter den Nägeln brennt, ist der starke Verkehr durch den Ort. 3500 Fahrzeuge führen täglich durch Haidgau, davon sei zehn Prozent Schwerlastverkehr, führte der ehemalige Ortsvorsteher Franz Ritscher aus. Man befürchte eine weitere Zunahme, falls ein Anschluss der L300 an die B30 bei Bad Waldsee erfolgen sollte. Weniger anwohnerbelastend sei ein B30-Anschluss an die L316 Richtung Rossberg, sagte Ritscher; eine Ortsumfahrung Haidgaus sei „unmöglich“.

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In dieselbe Kerbe schlug die amtierende Ortsvorsteherin Ernestina Frick. Die L300 teile das Dorf, an der Kirche kämen zwei Lkw nicht aneinander vorbei. Eine Waldsee-Lösung an der B30 dürfe nicht zu Lasten Haidgaus gehen. Sie habe das Gefühl, das habe man im Regierungspräsidium verstanden.

Sven Stöckle zeigte sich verständnisvoll, was die verkehrlichen Sorgen der Haidgauer anbelangt. „Das ist bei mir auf dem Schirm.“

Ritscher fragte nach der personellen Ausstattung der Ortsverwaltungen bei der Großen Kreisstadt Leutkirch. Es gebe keine Sekretariate in den OVs, schilderte Stöckle. Er persönlich komme gut damit zurecht. Es gebe eine Poollösung in der Stadtverwaltung. Manches sei zentralisiert, wie etwa das Passwesen.

Hier hakte Ernestina Frick ein und appellierte, dass man an der bestehenden personellen Ausstattung der neun OVs in der Großgemeinde nicht rühren solle. Die dezentrale Struktur in Bad Wurzach funktioniere. „Bitte an dieser Stellschraube nicht drehen“, mahnte sie. An Strukturen, die sich bewährt haben, „werde ich nicht rütteln“, sicherte Sven Stöckle zu.

Ortschaftsrat Franz Fugunt beklagte eine „stille Zentralisierung“ bei den Hausmeister- und Gemeindearbeiteraufgaben. Hier müsste man den Ortschaften mehr Entscheidungsfreiheiten geben. Sven Stöckle erläuterte, dass die Ortschaften in Leutkirch seit zwei Jahren jeweils über ein einwohnerabhängiges kleines Budget verfügen könnten. Seiner Teilgemeinde Herlazhofen würden so 20.000 € im Jahr zugeteilt.

Fugunt äußerte auch „angesichts sinkender Schülerzahlen“ seine Besorgnis über den Erhalt des Schulstandortes Haidgau (die Grundschule Haid wird zusammen mit Ziegelbach an beiden Standorten betrieben). Franz Ritscher und Ernestina Frick sehen keinerlei Gefahr: Die Schulgemeinschaft mit dem Nachbarort funktioniere hervorragend. Frick: „Kindergarten und Schule am Ort sind wichtig für die dörfliche Identität.“

Natürlich wurde auch das neue Baugebiet angesprochen. Man möge bei der Vergabe „mit Augenmaß“ und „abschnittsweise“ vorgehen, hieß es aus der Mitte der Zuhörerschaft. Man möge „dorfbezogene“ Kriterien anwenden und die Plätze nicht weggeben „wie warme Semmeln“.  Franz Ritscher gab zu bedenken, dass die Spielräume der Stadt bei der Bauplatzvergabe sehr gering seien und verwies auf den Fall Ummendorf.

Auch das Spannungsfeld Landwirtschaft – Naturschutz – Biosphäre war ein Thema. Der Naturschutz sei ausreichend, hieß es aus der Runde. Stöckle pflichtete dem bei: Ein Biosphärengebiet sei „bei uns nicht notwendig“.

Den Vorschlag von „Engel“-Wirtin Christa Rösch, ein aktuelles Öffnungszeitenverzeichnis der Bad Wurzacher Gaststätten einzurichten, lobte Stöckle als sehr gute Anregung.

In diesem Zusammenhang beschrieb Stöckle die Herlazhofer Dorf-App als örtliche Kommunikationsplattform, betrieben von einem Medienunternehmer aus Chemnitz. Ernestina Frick brach hier eine Lanze für die örtliche Bildschirmzeitung und lobte die Einführung von Ortschaftsseiten in diesem Bad Wurzach-Medium.

Um 20.40 Uhr endete Stöckles Haidgauer Bürgergespräch, das der Kandidat stehend absolviert hatte, und er setzte sich an einen Tisch, um im kleinen Kreis weiterzudiskutieren.
Text und Fotos: Gerhard Reischmann

Die Bürgergesprächstermine von Sven Stöckle haben wir vor Tagen angekündigt. Siehe „Lesen Sie hierzu auch ….“


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