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Liebe Leserinnen, liebe Leser, mich hat die Frühjahrsmüdigkeit gepackt. Oder ermattet mich der Frust beim Blick auf das Weltgeschehen in nah und fern? Dabei wäre es eine Erlösung zu wissen, dass die Erschöpfung ein vorübergehendes Phänomen ist, das mit der Sommerzeit sein absehbares Ende finden wird. Dann wären es nur noch ein paar Tage, bis die Uhr umgestellt wird, und mit dem Osterhasen wäre der Blues spätestens vorbei. Das wäre schön! Und würde zu dem hoffnungsvollen christlichen Fest der Auferstehung Jesus passen.

Aber so einfach ist es nicht. Das weiß ich. Die Katastrophen, die sich weltweit abspielen, enden deswegen nicht. Aber der Wunsch ist vorhanden. Und in Bedrängnis ist der Wunsch nach einfachen Lösungen besonders mächtig. Nach der jüngsten Wahl in Rheinland-Pfalz sind es wie zuvor im Ländle rund 20 Prozent, die sich die Rolle rückwärts als Lösung vorstellen. Und im Herbst droht im Osten gar eine Mehrheit, die Rattenfänger der AfD zu wählen. Das Phänomen ist real und frustet, weil die Angst, die dahinter steckt, real ist.

Es gibt den Bodensatz der Rechtsradikalen, die in der AfD ihr neues Manövrierfeld gefunden haben, aber das sind nicht 20 Prozent. Das Besorgniserregende ist die Akzeptanz der kruden Alternative in bürgerlichen Kreisen hier und anderswo: der Arbeiter, die Angestellte, der Selbstständige … Die Reihe lässt sich ohne Probleme fortsetzen. Eine Frau erzählte kürzlich, dass in ihrer Nachbarschaft ohne Scham die AfD gelobt wird: das Eigenheim mit Garten ist abbezahlt, man gönnt sich Urlaub, genießt den Wohlstand – und wählt die Alternative. Das ist schamlos! Und real. Es ist wohl das, was Winfried Kretschmann als „Fluch des Massenwohlstandes“ bezeichnet. Aber dem ersten und bisher einzigen grünen Ministerpräsidenten und seinem Nachfolger fällt nichts weiter dazu ein: als noch mehr Wohlstand (zu versprechen). Nicht durch gerechte Verteilung, sondern durch Wachstum. Und die Angst, die umgeht, ist der berechtigte Zweifel daran, dass das funktioniert. Für die Blauen mit ihren Billigrezepten – wie zurück zur Steinkohle! – ist das „a gmähds Wiesle“.

Es ist ja auch zum Verzweifeln! Krieg und Not und durchgeknallte Autokraten wohin man schaut. Und dann die früh morgendlichen Nachrichten im Autoradio wieder einmal zur Klimakrise, die vor lauter Kriegs- und Krisengeschrei aus dem Blick gerät. Die Nachrichten sind nicht neu, aber immer alarmierender: heiß, heißer, insbesondere die Weltmeere, schmelzende Pole, schmelzende Gletscher, sterbende Arten. Grauenhaft! Da möchte man doch zur Entlastung die blauen Ignoranten wählen, die das alles leugnen und die Windkraft verteufeln. Wer wünscht sich nicht die heile Welt?

Genug gejammert. Die Probleme zu benennen, ist wichtig, sie zu lösen, ist tägliche Aufgabe im Großen (Politik) wie im Kleinen von den vielen, die nicht den Rattenfängern hinterherlaufen. Es bleibt die Hoffnung: Frohe Ostern!

Dr. Roland Reck, Chefredakteur BLIX Magazin


erschienen in April 2026

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Editorial BLIX April 2026

Liebe Leserinnen, liebe Leser, mich hat die Frühjahrsmüdigkeit gepackt. Oder ermattet mich der Frust beim Blick auf das Weltgeschehen in nah und fern? Dabei wäre es eine Erlösung zu wissen, dass die Erschöpfung ein vorübergehendes Phänomen ist, das mit der Sommerzeit sein absehbares Ende finden wird. Dann wären es nur noch ein paar Tage, bis die Uhr umgestellt wird, und mit dem Osterhasen wäre der Blues spätestens vorbei. Das wäre schön! Und würde zu dem hoffnungsvollen christlichen Fest der Au…
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