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Interview mit der Deutschen Hutkönigin

Der Ausdruck der weiblichen Seele

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Foto: © Frederick Sams
Die bei Bad Wurzach lebende Nicole Schmitz-Bernt wurde im Mai 2024 zur Deutschen Hutkönigin gewählt. Demnächst endet ihre zweijährige Amtszeit.
veröffentlicht am: 24.03.2026
Lesedauer: ca. 7 Minuten

Bad Wurzach – Nicole Schmitz-Bernt (Jahrgang ’81) ist leidenschaftliche Hutträgerin, kreativ und nähbegeistert. Wer ihr in Bad Wurzach begegnet, wird sie stets im Vintage-Stil antreffen. Sie ist die 7. Deutsche Hutkönigin (Amtszeit: 2024 – 2026), hat zahlreiche öffentliche Veranstaltungen begleitet und den jeweiligen festlichen Rahmen gekrönt. Der Freie Journalist Ulrich Diederichs hat für die Bildschirmzeitung (DBSZ) ein Interview mit der amtierende Deutschen Hutkönigin geführt.

Nicole Schmitz-Bernt (Foto: Ulrich Diederichs), gebürtig aus Berlin, arbeitet als Psychotherapeutin in einer Klinik in Oberschwaben. Im Mai endet ihre Amtszeit als Deutschlands Hutkönigin, ein Titel der vom Deutschen Hutmuseum in Lindenberg i. A. vergeben wird. In Lindenberg wurden einst ca. 8 Millionen Strohhüte im Jahr hergestellt. Anfang des 20. Jahrhunderts galt der Ort im Allgäu als Zentrum der deutschen Herrenstrohhut-Industrie und wurde das „Klein-Paris der Hutmode“ genannt.

DBSZ: Warum schätzen Sie die Hutmode des 20. Jahrhunderts?
Nicole Schmitz-Bernt: „Mich fasziniert ihre Vielseitigkeit. Sie unterlag in den ersten sechs Dekaden einem steten Wandel in Stil, Form, Farbe und Materialien. Hüte avancierten zu einem wichtigen Teil der Mode, die ihren TrägerInnen stets eine besonders individuelle Erscheinung verliehen. Diesen Aspekt greife ich gerne auf, wenn ich Vintage-Hüte trage und damit ein Stück Vergangenheit in die Gegenwart hole.“

DBSZ: Wie viele Hüte braucht heute eine selbstbewusste Dame?
Schmitz-Bernt: „Im Grunde reichen ein bis zwei Formen: Das sind für mich neben der praktischen Cloche in Stroh oder Wollfilz, die auch im Winter die Ohren bedeckt, noch die schönen Sommerflorentiner mit breiter Krempe. Auch ein Beret darf nicht fehlen.

Ergänzen lässt sich das persönliche Sortiment mit zusätzlichen Farb- und Stoffvariationen. Meinen Hutschrank zieren mittlerweile neben Eigenkreationen und einigen Originalen auch exzellente Stücke von Modisten und Hutlabels aus ganz Deutschland.“

DBSZ: Wie sind Sie „auf den Hut gekommen“?
Schmitz-Bernt: „Ich habe schon immer gerne Hüte getragen. Während meiner Krebserkrankung bekamen sie jedoch besondere Bedeutung sowohl als Sonnenschutz als auch als ablenkendes Element vom therapiebedingten Haarverlust. Nach dieser Zeit sind Hüte in meine Alltagsgarderobe eingezogen und gehören mittlerweile zu mir, das Tragen eines Kopfschmuckes ist nicht auf „besondere Anlässe“ beschränkt. Ich wünsche mir, dass es wieder für mehr Menschen normal ist, Hüte zu tragen, wie und wann sie es wollen, dass sie Freude dabei empfinden und sich selbstbewusst fühlen.”

DBSZ: Wie kamen Sie zum Modestil der 1920er Jahre?
Schmitz-Bernt: „Clochehüte stellten einen essenziellen Teil dieser Mode dar, die ihren TrägerInnen stets eine besonders individuelle Erscheinung verliehen. Das Eintauchen in die Geschichte weitete meine Perspektive in vielerlei Hinsicht und ich begann, immer mehr Kleidungsstücke und Accessoires in meine Garderobe zu integrieren. Da leider kaum noch tragbare Kleidung aus diesen Zeiten erhalten ist, begann ich wieder mit dem Nähen und schneiderte sie mir nach alten Schnittmustern oder Modeabbildungen originalgetreu selbst. Jedoch fehlte mir ein wichtiges Detail, um das Vintage-Outfit zu komplettieren – ein passender Hut! Also nahm ich an Hut-Workshops bei einer erfahrenen Modistin teil und lernte Grundtechniken der Anfertigung neuer Hüte ebenso wie die Aufbereitung und Umgestaltung gut erhaltener Exemplare aus dem Nachlass der Großeltern.”

Nicole Schmitz-Bernt, Deutsche Hutkönigin. © Sylvia Seifert & Nicole Schmitz-Bernt

Ein Hut …

„A hat is an expression of a woman’s soul.“
Lilly Daché (1892 – 1989), amerikanische Hutmacherin und Modehändleri
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… ist ein Ausdruck der weiblichen Seele“

DBSZ: Was hat Sie bewogen, sich dem Contest in Lindenberg zur Hutkönigin zu stellen?
Schmitz-Bernt: „Ich bin sehr froh, dass es das Huthandwerk nach wie vor gibt und Modistinnen wunderbare Arbeit leisten. Ich möchte meine Begeisterung für Kopfbedeckungen allerlei Art als Botschafterin des Hutes weitergeben. Außerdem will ich dazu beitragen, die Vielseitigkeit aufzuzeigen, die Wertschätzung für die damit einhergehende Kreativität ebenso wie für das handwerkliche Können wieder mehr in den Blick zu rücken.

Nicht zuletzt durch meine Arbeit als Psychotherapeutin liegt mir sehr am Herzen, dass Menschen sich ihrer Individualität bewusst werden und sich trauen, diese zum Ausdruck zu bringen, unabhängig von der Meinung anderer. Mein Ziel war es daher, Menschen dazu zu inspirieren, ihren persönlichen Stil möglicherweise auch mit einem passenden Hut zu unterstreichen.“

DBSZ: Was bedeutete es für Sie, Hutkönigin zu sein?
Schmitz-Bernt: „Ich habe an zahlreichen Veranstaltungen – nicht nur in Lindenberg und im Hutmuseum – teilgenommen. Insgesamt waren es rund 30 Termine in unserer Region und zusätzlich in Lindenbergs Partnerstadt in Südfrankreich.

Ich persönlich finde es bedauerlich, dass im Laufe der Zeit auf das Tragen von Hüten zunehmend verzichtet wurde, da damit einhergehend auch das Wissen über Herstellung, Aufwand und handwerkliche Fähigkeiten – vergleichbar beim Nähen von Kleidung – verloren gegangen ist.

Und dann ist da die Freude am Tragen. Ich erlebe es immer wieder, wie fasziniert mein jeweiliger Hut betrachtet wird und dann Sätze folgen wie: „Ich könnte so einen nie tragen; da fehlt mir der Mut. Ich käme mir verkleidet vor. Ich habe einfach kein Hutgesicht.“ Die Auftritte haben mir immer viel Freude bereitet. Ich schätze dabei den direkten Kontakt mit den Menschen, die kleinen Begegnungen und netten Gespräche, die sich durch mein Amt ergeben haben. Das Ermutigen zum Tragen von Hüten. Am schönsten ist jedoch, dass mir immer mit einem Lächeln begegnet wurde.

DBSZ: Sie blicken nun auf zwei Jahre Ehrenamt zurück. Was konnten Sie bewegen?
Schmitz-Bernt: „Neben den zahlreichen Berichten in den Medien – nicht zuletzt unserem Interview – habe ich viele persönliche Kontakte geschlossen und meinen Gegenüber Mut gemacht, sich mit der Geschichte des Hutes und der Unterstreichung ihrer eigenen Persönlichkeit zu befassen.

Als ein besonderes Anliegen betrachte ich mein Herzensprojekt „Hoffnung ist schön!“. Ich hatte ja versprochen, ein ehrenamtliches Projekt umsetzen zu wollen. Unter dem Motto „You can leave your hat on!“ wollte ich krebskranken Frauen Hoffnung und Lebensmut schenken, um sie während ihrer Therapie zu unterstützen und ihren Heilungsprozess positiv zu beeinflussen.

Mit Unterstützung des Hutmuseums habe ich einen Mitmach-Workshop konzipiert; denn durch Haarausfall, Verlust von Wimpern und Augenbrauen oder Hautirritationen verlieren viele Frauen ihr Selbstbewusstsein und fühlen sich zusätzlich von der Krankheit gezeichnet. Neben dem gemeinsamen Austausch haben wir mit unterschiedlichen Stilen, Formen und Farben versucht, den perfekten Hut für die jeweilige Teilnehmerin zu finden.“

DBSZ: An welches Highlight denken Sie besonders während Ihrer „Amtszeit“?
Schmitz-Bernt: Der 5. Mai 2024 wird mir für immer im Gedächtnis und im Herzen bleiben. Ich habe ihn in Lindenberg mit vier weiteren bezaubernden Frauen als Favoritinnen für die Wahl der Deutschen Hutkönigin 2024/26 sowie tausenden Menschen mit strahlenden Gesichtern und ungezählten Lächeln auf den Lippen verbracht – einfach großartig!

Und dass ich dann den Titel nach einstimmiger Entscheidung der kompetenten Jury gewinnen durfte, war unglaublich schön.

Ich hatte mir einiges vorgenommen und mir tolle Projekte überlegt, die ich in meiner zweijährigen Amtszeit verwirklichen wollte.

Neben der aufregenden Wahl ist unsere Reise nach Vallauris, der Partnerstadt Lindenbergs an der Côte d’Azur, zu erwähnen; hier bin ich nicht nur von Honoratioren geehrt worden, sondern auch liebenswerten Menschen begegnet. Als weiteren persönlichen Höhepunkt möchte ich die Verleihung des Sozialisten-Hutes an den „Prinzen“-Frontmann Sebastian Krumbiegel erwähnen.

Im letzten Jahr bekam ich zudem die wunderbare Möglichkeit, den Autor Gregor Stüber bei seinem Buch „Die Hutkönigin“ zu unterstützen.

Blumengruß mit Hut. © Sylvia Seifert & Nicole Schmitz-Bernt

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veröffentlicht am
24.03.2026
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