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Zwischen Margot Robbie und Jacob Elordi fliegen die Funken in der bildgewltigen Literaturverfilmung von Regisseurin Emerald Fennell.

Wenn Emerald Fennell zur Kamera greift, bleibt kein Auge trocken und kein Samtvorhang unzerfetzt. Nach dem neogotischen Exzess von “Saltburn” knöpft sie sich nun den ultimativen Klassiker der englischen Schauerromantik vor: Emily Brontës “Wuthering Heights”. Seit dem 12. Februar tobt dieser audiovisuelle Fiebertraum nun über die deutschen Leinwände. 

Die Geschichte folgt dem bekannten Pfad der Zerstörung, doch Fennell bürstet die gewohnte Kostümfilm-Etikette radikal gegen den Strich. Alles beginnt mit der Ankunft des jungen Heathcliff (Jacob Elordi), eines Findelkindes mit undurchsichtiger Herkunft, das von Mr. Earnshaw (ein herrlich kaputter Martin Clunes) von den Straßen Liverpools auf das isolierte Gut Wuthering Heights gerettet wird. Zwischen ihm und Earnshaws Tochter Catherine (Margot Robbie) entbrennt eine Verbindung, die von Anfang an jede soziale Norm sprengt. Es ist keine Liebe im herkömmlichen Sinne, sondern eine spirituelle Amputation: Zwei Hälften eines Ganzen, die in der rauen Wildnis der Moore aufeinanderprallen. 

Fennell konzentriert sich in ihrer Adaption fast ausschließlich auf die erste Hälfte des Romans – das gemeinsame Aufwachsen und die toxische Eskalation ihrer Jugend. Wir beobachten, wie Catherine, hin- und hergerissen zwischen ihrer wilden Natur und dem Drang nach gesellschaftlichem Aufstieg, den kultivierten, aber blassen Edgar Linton (Shazad Latif) heiratet. Dieser Verrat transformiert Heathcliffs Schmerz in eine zerstörerische Lebensaufgabe. Die Regisseurin verzichtet dabei auf die komplexe Rahmenhandlung der zweiten Generation und verdichtet das Geschehen zu einem klaustrophobischen Kammerspiel unter freiem Himmel. Es geht um Schlamm, Blut und die metaphysische Behauptung: „Ich bin Heathcliff.“

Der Film wurde mit imposanten Bildern in Szene gesetzt.

Die Entstehung des Films gleicht selbst einem Akt cineastischer Besessenheit. Fennell, die das Buch als 14-Jährige zum ersten Mal las, beschreibt ihre Version als eine Art „masochistisches Fan-Fiction-Projekt“, das die rohen, oft verstörenden Emotionen ihrer eigenen Jugend widerspiegeln soll. Um diese Vision umzusetzen, scheute die Produktion keinen Aufwand: Gedreht wurde an Originalschauplätzen in den Yorkshire Dales, unter anderem in Arkengarthdale und Swaledale, wo das Team mit den tückischen Wetterkapriolen der Moore kämpfte. Während die Außenaufnahmen die unerbittliche Natur atmen, wurden die Interieurs in den Warner Bros. Studios Leavesden und den Sky Studios Elstree mit einer fast schon surrealen Detailverliebt gebaut. Ein besonderes produktionstechnisches Kuriosum, das bereits vor dem Start für Schlagzeilen sorgte: Die Tapete in Catherines Schlafzimmer besteht aus hochauflösenden Scans von Margot Robbies eigener Haut, die auf Seide gedruckt wurden – ein visuelles Symbol für die Objektifizierung und den drohenden Verlust der eigenen Identität. Kameramann Linus Sandgren fing diesen Wahnsinn auf 35mm VistaVision ein. 

Fennells Wuthering Heights ist kein Film für Puristen. Er ist laut, ungestüm und mutet dem Zuschauer eine Sexualisierung zu, die manch einen Brontë-Kenner zusammenzucken lässt. Wer bereit ist, sich in diesen Strudel aus Lust, Wahnsinn und Zelluloid-Ästhetik stürzen zu lassen, wird diesen Film als ein mutiges, bildgewaltiges Spektakel zu schätzen wissen. 

Autor: Christian Oita


erschienen in März 2026

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Neu im Kino: Wuthering Heights

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