
Eigentlich wollte Bob (Leonardo DiCaprio) mit seiner Vergangenheit als radikaler Aktivist abschließen, um seiner Tochter Willa (Chase Infiniti) im ländlichen Kalifornien ein friedliches Leben zu ermöglichen. Doch die vermeintliche Idylle zerbricht jäh, als sein einstiger Erzfeind, der korrupte Colonel Lockjaw (Sean Penn), plötzlich auf der Bildfläche erscheint. Während Bob als erschöpfter Vater zwischen Paranoia und dem Wunsch nach Normalität schwankt, lodert in Willa längst das rebellische Feuer ihrer Mutter – eine Dynamik, die für wachsende Distanz zwischen den beiden sorgt. Als Willa jedoch unter mysteriösen Umständen verschwindet, wird die brüchige Beziehung zur ultimativen Zerreißprobe: Bob muss mit alten Verbündeten tief in eine Welt politischer Absurditäten eintauchen, in der die Grenzen seiner eigenen Identität auf gefährliche Weise zu verschwimmen drohen.
Paul Thomas Anderson gelingt mit „One Battle After Another“ ein beeindruckendes Werk, das sich nahtlos in die Riege des anspruchsvollen Genrekinos einreiht. Anderson nimmt sich Zeit, um Spannung aufzubauen und seine Figuren tiefgründig zu etablieren. Was als politisches Drama beginnt, entwickelt sich zu einer satirischen Action-Groteske, die Fragen nach Loyalität, Idealen und dem Erbe radikaler Bewegungen verhandelt. Andersons Inszenierung ist atmosphärisch dicht, unterstützt durch ein eindrückliches Sounddesign und das nervöse Setting eines zerrissenen Amerikas. Trotz der rasanten und teils schockierenden Elemente verliert der Film nie seinen schwarzen Humor und seinen Unterhaltungswert. Der größte Trumpf des Streifens ist aber unbestreitbar die Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Leonardo DiCaprio und Chase Infiniti verkörpern Bob und Willa mit einer unaufdringlichen, aber zutiefst überzeugenden Authentizität. Ihre komplexe Vater-Tochter-Beziehung ist in jeder Geste, jedem Blick und jeder unausgesprochenen Spannung spürbar. Diese natürliche Vertrautheit und die Fähigkeit, sowohl die liebevollen als auch die frustrierenden Facetten dieser Bindung darzustellen, ist das emotionale Fundament, das den Wahnsinn so effektiv macht. Absolut empfehlenswerter Oscar-Favorit.
Erscheinungsdatum: 22. Januar 2026
Laufzeit: 153 Min. / FSK: 16
Autor: Alexander Koschny
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Neu im Heimkino: One Battle After Another







