
Ummendorf – Fünf Ehrenamtliche lotsen jeden Montag Menschen durch den Formulardschungel, die nicht wissen, wie sie einen Wohngeldantrag ausfüllen müssen, die ein Schreiben ausgedruckt haben wollen oder schlicht zu wenig Deutsch verstehen, um sich gegen die Forderungen eines Inkassobüros wehren zu können. Und man hilft niederschwellig Menschen, die mit der Digitalisierung überfordert sind.
„Ich möchte Menschen helfen, die Hilfe brauchen,“ erklärt Peter Reck (72) seine Motivation. Das Rüstzeug, was Formulare angeht, bringt er als ehemaliger Finanzbeamter mit. Er ist der einzige Ehrenamtliche, der nicht in Ummendorf sondern in Attenweiler wohnt. Rudolf Walter (72), früher Produktmanager in einem Medizintechnikunternehmen, kommt aus der Kommunalpolitik, und ist seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe tätig. Was ihn am meisten bewegt hat, mit der Initiative lebenswertes Ummendorf (ILU) die Formularhilfe zu gründen, waren Gespräche, die er als stellvertretender Bürgermeister bei Besuchen von Jubilaren geführt hat. Viele klagten, dass nur Ausländern geholfen werde. Die Hilfsangebote sollten aber für alle Bürger verfügbar sein. Ulf Politz (64) ist über die ILU, die er mitinitiiert hat, dazugekommen. Der frühere Berufsschullehrer kennt sich besonders mit Lebensläufen und Bewerbungen aus. Franz Winghart (75) ist als pensionierter IT-Projektleiter der PC-Experte im Team, gibt aber auch gerne Auskunft etwa zu Fragen der Vorsorgemappe oder zu Patientenverfügungen. Dabei ist es den Ehrenamtlich wichtig, zu betonen, keine rechtliche Beratung anzubieten. Sie konnten aber im ersten Jahr des Bestehens der Formularhilfe in allen Fällen helfen. Gerhard Heusel (77), früher Projektleiter, störte es, dass alle über Bürokratieabbau reden, in den Ämtern und Rathäusern aber dem Bürger oft wegen Zeitmangel zu wenig Hilfe erfahren.
Die Hilfe ist immer kostenlos
Es kommen Leute aus der Gemeinde mit ihren Problemen, berichten die Formularhelfer im Gespräch mit BLIX, aber auch aus dem gesamten Landkreis. Viele davon aus dem Migrationsbereich. „Wir haben noch keinen weggeschickt, irgendwie kriegen wir das schon hin“, freuen sie sich. „Schwierigkeiten gibt es manchmal mit dem Datenschutz, wenn wir in Ämtern anrufen“, erinnert sich Walter an einen Fall, in dem es um eine Rechnung der Landesoberkasse ging, doch seien die Mitarbeiter der Ämter durchweg um Lösungen bemüht.
„Verunsicherte Menschen trauen sich oft eher zu uns als auf die Ämter“, berichten die Ehrenamtlichen. Dabei erleben sie viel Dankbarkeit und Wertschätzung. „Prinzipiell nehmen wir aber kein Geld an.“ Ihre Dienste sind kostenlos. Die Gemeinde Ummendorf stellt den großen Raum im Gemeindehaus und die Technik zur Verfügung, die Bürgerstiftung Ummendorf unterstützt bei den laufenden Kosten wie Druckerpapier und Sonstiges.
Aktuell werden von Firmen und Ämtern immer mehr Apps für das Smartphone zur Erledigung der Aufgaben angeboten. Manch einer hat aber Schwierigkeiten, ein Formular am Smartphone auszufüllen. Ganz wichtig seien der vorhandene Scanner und der Drucker, damit Dokumente unterschrieben werden können oder die erforderlichen Belege eingescannt und in Online-Anträge eingefügt werden können. Die Unterlagen werden den Klienten auf Wunsch per e-Mail zur Verfügung gestellt. Bei der Formularhilfe werden keine vertraulichen Daten gespeichert. Alle Gespräche sind vertraulich.
Es kamen schon Frauen vorbei, die nach der Scheidung oder dem Tod des Mannes überfordert seien, weil der bisher alles geregelt habe. Ihnen konnte ebenso geholfen werden wie etwa einer gut ausgebildeten Ukrainerin, die wegen Sprachproblemen keine Stelle gefunden hat. Man kenne sich mittlerweile auf speziellen Vermittlungsportalen aus und konnte weiterhelfen. Es erschienen auch schon Menschen, „die ihr Leben im Rucksack“ dabei haben. Da hilft man erst einmal beim Sortieren, um ein wenig Struktur in die Unterlagen zu bringen
Die Ummendorferin Edda Fenstermann findet es zwingend notwendig, dass eine Frau bei der Formularhilfe dabei ist und wird künftig die Männerriege unterstützen. Die Physiotherapeutin hat bereits beim „Papierfrieden“ in Biberach Erfahrung mit dieser Arbeit gesammelt, ist schon lange in der Flüchtlingsarbeit tätig und will Kulturen verbinden.
Geöffnet hat die Formularhilfe Ummendorf im Gemeindehaus Bachstr. 16. jeden Montag von 14 bis 17:30 Uhr. Kontakt über info@formularhilfe-ummendorf.de, Tel. 0151 1563 8910. Einfach vorbeikommen, es bedarf keiner Anmeldung!
Autorin: Andrea Reck
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