Das Feinkost-Geschäft in der ehemaligen Spitalkapelle ist eröffnet


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Bad Wurzach – In Bad Wurzach öffnete am verkaufsoffenen Sonntag erstmals der an die Osteria Mavani angeschlossene neue Feinkostladen in der Spitalkapelle seine Türen. Das junge Pächterpaar lud am Freitagabend einen kleine Kreis zu einer besonderen Vorpremiere ein.
Es war ein weiter Weg, bis Mariano Nicastro und seine Partnerin Valeria Greco ihren Traum von einem Feinkostladen in der Spitalkapelle verwirklichen konnten. Ziemlich genau ein Jahr nach der Profanierung lässt sich sagen: Das Werk soll seinen Meister loben. Es ist ein gelungenes Werk, wie alle Gäste am vergangenen Freitag (20.3.) einhellig lobten. Denn der Charakter des Raumes blieb, soweit es ging, unverändert, dafür sorgte das Denkmalamt, was im Gegenzug in diesem einen Jahr viel Zeit und Arbeit für Berthold Leupolz bedeutete. Der Leiter der Abteilung Liegenschaften bei der Stadtverwaltung hatte die Herkulesaufgabe, die Vorstellungen von Mavani mit denen des Denkmalamtes in Einklang zu bringen. Der Altarraum blieb praktisch komplett erhalten, die bisher im Raum verteilten Heiligen-Figuren rückten wie die Pieta näher an den Altar heran oder wurden – hoch über den Köpfen der Kunden – auf einen Sockel gestellt. Es ist auch lobend zu erwähnen, dass der Altarraum mittels Kordel abgeschrankt ist.
Die umlaufenden Regale, in denen die beiden Gastronomen die Produkte anbieten, die sie in der Osteria selbst verarbeiten, stehen frei und offen im Raum und sind praktisch transparent. Vor dem Altar gibt ein Freiraum den Blick auf diesen frei. Eine nach eigenen Ideen gestaltete Regalkonstruktion beherrscht die Mitte des Raumes, aus der heraus ein kleiner Olivenbaum als Symbol des „dolce vita“ herauswächst. Die Wände des Raumes mussten gemäß den Vorgaben des Denkmalamtes frei bleiben. Einzige bauliche Veränderung: Unweit des Eingangsbereichs entstand ein kleiner gemauerter Kassenbereich. Und eine direkte Verbindungstür zwischen Osteria und Feinkostladen.
Die Herkunft der Waren
In einer kurzen Präsentation zeigte Valeria Greco, aus welchen Gegenden ihres Heimatlandes sie ihre Produkte beziehen. Ihre Italienreise beginnt in Kalabrien, „dort wo unsere Wurzeln liegen“. Von dort stammen die Tomatensaucen und Olivenöle, die den beiden weit mehr bedeuten als Zutaten. „Das sind Aromen unserer Kindheit.“ „Die Olivenöle stammen von Familien, die wir seit Jahrzehnten kennen und denen wir vertrauen.“ Wenn sie zu Hause kochen, verwendeten sie genau diese Produkte, „nicht aus Gewohnheit, sondern aus Überzeugung.“ Aus Kampanien bezieht Mavani ihre scharfen Capsicum-Öle, aus Le Marche ihre verschiedenen, ausgewählten Mehlsorten, die Grundlage für viele Gerichte wie Pizza, Pasta oder Brot sind.
Die angebotenen Weine stammen aus verschiedenen Regionen, jeder zeigt eigenen Charakter. Die Weine werden nach Geschmack, Duft „und wie sie unsere Küche begleiten“, ausgesucht. Mariano Nicastro und Valeria Greco kennen die Menschen hinter den Produkten.
Ihre kulinarische Reise, die in Kalabrien begann, soll sich nun in Bad Wurzach fortsetzen.
Die einhellige Meinung unter den geladenen Gästen: Begeisterung pur, wozu natürlich auch die wundervollen Häppchen samt den dazu gereichten Getränken ihren Teil beitrugen.
Richtig Schwerstarbeit hatten Valeria Greco und Mariano Nicastro dann am verkaufsoffenen Sonntag zu leisten, als die Besucher sie regelrecht überrannten.
Uli Gresser
Geweiht am 7. Oktober 1482
Gegen die Umnutzung der 500-jährige Spitalkapelle hatte es da und dort Kritik in der Stadt gegeben. Auch die Bildschirmzeitung „Der Wurzacher“ hatte sich in zwei Kommentaren („Stich ins Herz“; „Sündenfall“) gegen die Merkantilisierung des sakralen Raumes ausgesprochen und Alternativvorschläge für den Raum, der seit Jahren nicht mehr für religiöse Zwecke genutzt worden war, gemacht (Heiligblutfest-Museum, Bilder-Galerie für den Literaturpreis …). Im Dezember 2024 hatte der Gemeinderat dem Ersuchen der Pächter auf Umnutzung der im Eigentum der Stadt stehenden Kapelle stattgegeben. Nachdem Bischof Fürst zugestimmt hatte, wurde die Spitalkapelle am 4. April 2025 profaniert (Profanierung = Verweltlichung, im Volksmund: Entweihung). Den Abschlussgottesdienst zelebrierte Stadtpfarrer Stefan Maier. Mit dem Verlesen des beschöflichen Dekretes zur Profanierung und der Herausnahme des Altarsteines endete eine mehr als 500-jährige religiöse Praxis. Geweiht worden war die Spitalkapelle am 7. Oktober 1482. (rei)
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