Malerei oder Zeichnung? „Gemalt gemäß der Kunst der Fuge“


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Bad Waldsee –Axel Otterbach durfte auch am sonnigen Landtagswahltag (8.3.) zahlreiche Kunstfreunde zur Ausstellungseröffnung der Arbeiten Astrid Schröders in der „kleinen galerie“ im Bad Waldseer „Haus am Stadtsee“ begrüßen. In seiner Einladung vom 25. Februar war noch zu lesen, „die Fasnet ist vorbei und das Leben normalisiert sich wieder oder was man in diesen Zeiten noch als ,normal‘ betrachtet! Wir machen hier weiter mit Kunst, in der Hoffnung, dass sie Sonne in unsere Herzen bringt.“ Angesichts der jüngsten Entwicklungen weltweit könne von Normalität nicht mehr die Rede sein.

Diesmal berichtete Otterbach (Bild) über seine Kriterien bei der Auswahl auszustellender Kunstschaffender. Neben traditionellen künstlerischen Sparten käme heute auch noch Computerkunst hinzu. Eigene Erfahrungen und Kontakte mit Kollegen bei Ausstellungen inspirieren ihn für die jährlich sechs Präsentationen. Astrid Schröders Malerei begeistere ihn. Sie selbst sehe sie aber als Zeichnungen.
Energiefelder tauchen vor allem in ihren großformatigen Arbeiten immer wieder auf. Beim Blick auf Schröders Homepage erfahre man, wo sie allein in diesem Jahr ausstellen wird: Paris, Brüssel, Zürich. Bad Waldsee passe doch gut in diese Reihe, meinte Otterbach.

Die Einführung in Astrid Schröders „Malerei als Zeichnung“ übernahm Thomas Warndorf.(Bild). Seine Laudatio betitelte Warndorf mit „Astrid Schröder und die Kunst der Fuge“! Sie selbst sehe ihre Arbeiten aus Notationen, Pattern, Intervallen, chromatischen Ordnungen, Clustern etc., was alles kompositorische Grundelemente musikalischer Aufzeichnungen seien. Und in ihren Arbeiten finde sich eine Reduktion, die darauf abziele, alles Überflüssige abzustreifen. Warndorf sieht in Schröders Werk einen Vergleich mit einer abgeschlossenen musikalischen Komposition wie beispielsweise in Johann Sebastian Bachs Musik mit ihrer Struktur und Ordnung. Dies finde man in Schröders Arbeiten, die nach der Kunst der Fuge gemalt seien. Fugen sind Musikstücke aus dem Barock, bei denen ein einziges kurzes Hauptthema (Subjekt) nacheinander von allen Stimmen imitiert wird. Das ist wie ein Kanon, der durch verschiedene Stimmen und Tonlagen wandert, wodurch ein dichter ineinander greifender Klang entsteht. Das ist wie eine scheinbare Verfolgung der Stimmen oder ihre Flucht. Fuge kommt vom lateinischen Fuga, zu deutsch Flucht. Farbe sei bei Schröder Klang und ästhetische Präzision. Die hier gezeigten Arbeiten berührten so Gefühle, die Proportionen und geometrische Verhältnisse nicht als kalte Mathematik, sondern wahrhaft schön empfinden lassen. Schröder öffne einen Blick so wie es Bach mit seiner Musik tat.
Warndorf erinnerte auch an das Vorwort einer früheren Ausstellung Schröders, die in ihren Arbeiten „Urformen geistlicher Exerzitien“ spüren lasse. Nur in solcher Stille könne man die Farben auch hören. Warndorf wandte sich auch der Frage zu, wie Arbeiten Schröders eigentlich werden. Die Künstlerin selbst sagt, Disziplin, Geduld, Ausdauer und ein kontrollierter Prozess seien ihre Vorgehensweise. Aus der Zeichnung wiederkehrender farbiger Linien entwickle sich eine langsam wachsende Harmonie. Warndorf sieht in ihren Arbeiten eine handschriftliche Wirkungsweise aus „Notizen der Zeit“. Sie schaffe keine Abbilder einer gedachten oder geträumten Realität, sondern ihre Bilder erstellen selbst Realitäten voller Energie ohne Überheblichkeit und spüren Wechselwirkungen emotionaler, spiritueller und physischer Ebenen nach, die zum Nachdenken und Staunen anregen. Jeweils warme Blau-, Rot- oder Gelbtöne strömten in die jeweilige fortlaufende Arbeit ein und werden jedes von ihnen zu einem Farb-Raum-Erlebnis. Im Malprozess sind trotz Strenge eingebundene Störungen aus ihrer Norm in der Breite oder Farbintensität schön zu sehen.
In jeder ihrer Zeichnungen werde aus einem statischen oder kaltem Konstrukt ein „Universum von Transformationen von Wahrheiten und Schönheiten voller Wärme und Klänge“. Damit wäre man wieder bei Bachs Kunst der Fuge angekommen beziehunsgweise bei der Antwort auf die Frage, wie man Fugen malen oder zeichnen kann.

Axel Otterbach mit Astrid Schröder.

Die Künstlerin im Gespräch.

Die Künstlerin im Gespräch.

Die Künstlerin im Gespräch.

Das Ehepaar Warndorf vor Werken von Astris Schröder.

Linien in Rot.

Linien in Blau.

Linien in hellem Blau.

Linien in Gelb.

Ausschnitt aus großformatiger Arbeit.
Text und Fotos: Peter Lutz































