Flotte Pariser Komödie und Grimm‘sches Märchen




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Wangen – Bis zur ersten Premiere bei den Wangener Festspielen des Jahres 2026 ist es noch etwas hin. Beim Pressegespräch des Festspielvereins mit Oberbürgermeister Michael Lang und den künstlerisch Verantwortlichen wurde aber klar, dass die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren laufen – und dass sich die Wangener wieder auf einen attraktiven Festspielsommer freuen können.

Oberbürgermeister Michael Lang bei dem Pressegespräch im Weberzunfthaus-Café, neben ihm Diana Leist-Keller, Isabell Ziegler und Dirk Schirdewahn, Foto: Herbert Eichhorn
Ein kleiner Verein, der große Räder dreht
Bei dem Pressetermin wurden spannende Einblicke in die Arbeit der Organisatoren und Künstler sowie den Stand der Vorarbeiten und Überlegungen gewährt. Oberbürgermeister Lang betonte in seinem Statement, wie wichtig die Festspiele im Sommer für Wangen sind. Sie stellen ein attraktives kulturelles Angebot für die zuhause gebliebenen Wangener dar, aber ebenso für diejenigen, die in der Stadt und in der Region Urlaub machen. Überhaupt sei das Projekt typisch für Wangen. Bei vielen Vorhaben arbeiten in der Stadt regelmäßig verschiedenste Akteure eng Hand in Hand: in diesem Fall der Festspiel-Verein, die Stadt, vor allem ihre Ämter für Kultur und Presse, die Leistungsgemeinschaft Handel und Gewerbe und schließlich eine Reihe von Sponsoren. „Wenn man hier was macht, dann macht man es gemeinsam“, konstatierte Lang. Und in Bezug auf die Festspiele lobte er: „Das ist ein kleiner Verein, der aber große Räder dreht.“

Die zwei Stücke für den Festspielsommer 2026: „Venedig im Schnee“ und „Die Bremer Stadtmusikanten“, Foto: Herbert Eichhorn
Die Stücke dieses Sommers
Die wichtigste Information gab es ganz zu Anfang: nämlich, was in diesem Sommer bei der nun bereits 15. Auflage des Festivals Wangen auf die Bühne kommen wird. Wie schon in den vergangenen Jahren werden wieder zwei Stücke gespielt: Als Abendstück hat am 29. Juli die 2003 uraufgeführte französische Komödie „Venedig im Schnee“ Premiere. Zwei Tage später startet dann das Familienstück, diesmal eine Bearbeitung des Märchens von den Bremer Stadtmusikanten.
In den vergangenen Jahren standen auf der Freilichtbühne im Zunftwinkel immer wieder moderne Komödien auf dem Spielplan. 2025 gab es etwa die „Schmalspur-Gigolos“ oder 2015 das Stück „Der Vorname“. Dazwischen wurden aber auch immer wieder große Lustspiele der Weltliteratur aufgeführt wie zum Beispiel 2024 Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ oder 2017 Shakespeares „Viel Lärm um nichts“. Diana Leist-Keller erläuterte, dass auch in Zukunft immer wieder solche Klassiker auf dem Programm stehen werden, dieses Jahr nun aber „Venedig im Schnee“ von Gilles Dyrek.
Die turbulente Komödie über zwei sich fetzende Paare, die übrigens eines der meistgespielten und erfolgreichsten Theaterstücke der letzten zwei Jahrzehnte war, hat komische, aber auch ernste Seiten. Sie macht sich über moderne Beziehungen ebenso lustig wie über falschverstandenes Gutmenschentum. Der Verein räumt ein, dass man sich von dem für diese Saison ausgewählten Erfolgsstück erhofft, neben den treuen Festivalbesuchern eventuell auch ein neues Publikum ansprechen zu können.

Im Sommer 2015 stand die moderne Komödie „Der Vorname“ auf dem Programm, Foto: Festspiele Wangen
Eine sichere Bank dürfte Philipp Löhles Familienstück „Die Bremer Stadtmusikanten“ nach dem bekannten Grimm‘schen Märchen sein. Es knüpft an die Familienstücke der vergangenen Jahre an, in denen oft beliebte Figuren aus Kinderbuchklassikern auf die Bühne gebracht wurden, zuletzt etwa Peter Pan, Pippi Langstrumpf oder Räuber Hotzenplotz. Regisseur Dirk Schirdewahn berichtete, dass Autor Löhle die alte Mär in eine lebendige, sehr heutige Geschichte verwandelt habe. Mit Witz und Herz werde darin von Mut, Gemeinschaft und Aufbruch erzählt, Themen also, die in diesen Zeiten nicht nur Kinder berühren dürften.

„Der Räuber Hotzenplotz“ war das Familienstück im Jahr 2023, Foto: Festspiele Wangen
Das Team
Das Team für die Festspielsaison 2026 verbindet alte Hasen und neue Akteure. Was den Verein angeht, so wird auf die bewährte Aufgabenteilung gesetzt. Amelie Rapp ist wieder für die Produktionsleitung zuständig. Dietmar Schilee hat die Finanzen im Blick. Er betont bei dem Gespräch die Bedeutung der Zuschüsse von Stadt und Land für die Festspiele.

Die Macher und Verantwortlichen der Festspiele Wangen. Unser Bild zeigt von links nach rechts: Diana Leist-Keller (2. Vorsitzende Verein „Festspiele Wangen e.V.”), Amelie Rapp (Produktionsleitung Festspiele), Isabell Ziegler (Bühnenbild), Dirk Schirdewahn (Regisseur Familienstück), Oberbürgermeister Michael Lang, Petra Wintersteller (Regisseurin Abendstück), Dorothee Schulz-Nowitzki (Schriftführerin Verein „Festspiele Wangen“), Dietmar Schiele (Kassenwart Verein „Festspiele Wangen“). Foto: Herbert Eichhorn
Unter den künstlerischen Profis finden sich sowohl bekannte wie auch neue Gesichter. Wie im vergangenen Jahr wird Petra Wintersteller aus München wieder das Abendstück inszenieren. Die erfahrene Regisseurin und Theaterautorin freut sich schon auf die Arbeit an dem Stück, das mit einem kleinen Missverständnis beginnt, das dann zu einem für das Publikum herrlich unterhaltsamen Chaos führt.
Neu im Team ist der Regisseur des Familienstücks Dirk Schirdewahn. Er kommt vom Rheinischen Landestheater in Neuss und bringt viel Erfahrung gerade in Sachen Kinder- und Jugendtheater mit. Er gesteht, dass er sich in Stadt und Region geradezu schockverliebt habe. Er freut sich daher besonders auf die Arbeit für die Festspiele, für die er im Sommer zusammen mit seinen drei Töchtern anreisen wird.
Für das Bühnenbild ist Isabell Ziegler zuständig. Sie berichtet von der Herausforderung, die es bedeutet, eine Szenerie zu schaffen, die sowohl für das Abend- wie für das Kinderstück funktioniert. In diesem Jahr muss die Bühne also sowohl als Hütte der Räuber wie als schickes Pariser Loft überzeugen. Darüber hinaus muss das Bühnenbild außer im Zunftwinkel auch in der Stadthalle zu realisieren sein, wohin traditionell bei schlechtem Wetter ausgewichen wird.

2024 wurde „Pippi Langstrumpf“ gespielt, Foto: Festspiele Wangen
Bekannte Gesichter und neue Gesichter
Was die Schauspieler angeht, berichtet Diana Leist-Keller rückblickend, dass für das Casting wieder sehr viele interessante Bewerbungen von erfahrenen Theaterprofis eingegangen sind und die Auswahl wie immer schwergefallen sei. Petra Wintersteller betont, dass es für eine erfolgreiche Arbeit nun entscheidend sei, dass sich bewährte und neue Kräfte zu einem funktionierenden Team zusammenfinden. Schließlich sei es eine gewisse Herausforderung, Tag für Tag in zwei Stücken hintereinander eng zusammenzuarbeiten.
Auch im Team der Schauspieler, die alle in beiden Stücken auftreten, gibt es vertraute Gesichter. Florian Schmidt-Gahlen etwa kennen die Wangener noch aus dem letzten Jahr unter anderem als Stefan in der Komödie „Die Schmalspur-Gigolos“. Diesmal ist er zusätzlich auch für die Musik des Familienstücks zuständig, die er komponieren und auf die Bühne bringen wird. Im Sommer wird es für das Publikum aber auch ein Wiedersehen mit einem jungen Talent aus der Stadt geben. Anna Prestel übernimmt bei den „Bremer Stadtmusikanten“ die Rolle der Räuberhauptfrau.
Noch Kinderdarsteller gesucht
Bei beiden Regisseuren steht bereits ihre jeweilige grundsätzliche Konzeption fest. Dirk Schirdewahn unterstreicht aber, dass man in dieser Phase noch flexibel sein müsse. Vieles könne tatsächlich erst während des eigentlichen Probeprozesses, manches überhaupt erst in der Endprobenphase vor Ort wirklich festgezurrt werden. Was das Team derzeit vor allem beschäftigt, ist, dass noch dringend Kinderdarsteller ab acht Jahren gesucht werden. Da die Kinder und ihre Familien in der Ferienzeit oft nicht für die gesamte Spielzeit gebunden sein wollen, muss ein größerer Pool an jugendlichen Darstellern zusammengestellt werden. Bewerben können sich Interessenten bei den Festspielen.
Der Vorverkauf für alle Vorstellungen läuft wieder über das Gästeamt in der Bindstraße 10 oder online über festspiele-wangen.reservix.de.

Ein sommerlicher Theaterabend im Zunftwinkel an der Stadtmauer, Foto: Festspiele Wangen
Ein Tipp des Oberbürgermeisters
Allen an dem Pressegespräch Beteiligten – Oberbürgermeister Michael Lang, dem Team des Festival-Vereins und den Künstlern – war die Vorfreude auf den diesjährigen Festspielsommer deutlich anzumerken. Besonders an lauen Sommerabenden erwarten die Wangener und ihre Gäste im malerischen Zunftwinkel hinter dem Weberzunfthaus wieder eindrückliche Theater-Momente. Zum Schluss gab es noch einen Tipp von OB Lang. Die Wirkung der Stücke sei seiner Erfahrung nach im Freien und im Ausweichspielort in der Stadthalle sehr verschieden, aber jeweils auf eigene Weise überzeugend. Er rät daher dazu, sich die Stücke unbedingt zweimal anzusehen, einmal draußen und einmal drinnen.
Herbert Eichhorn
Festspiele Wangen
Zunftwinkel zwischen Weberzunfthaus und Stadtmauer
bei schlechtem Wetter in der Stadthalle, Jahnstraße 21
„Venedig im Schnee“ von Gilles Dyrek
Premiere 29. Juli 2026, 19.30 Uhr
weitere Aufführungen vom 1. bis zum 22. August 2026
immer Mittwoch bis Samstag
„Die Bremer Stadtmusikanten“ von Philipp Löhle nach dem Märchen der Gebrüder Grimm
Premiere 31. Juli 2026, 14.00 Uhr
weitere Aufführungen vom 1. bis zum 23. August 2026
immer Donnerstag bis Sonntag
Vorverkauf beim Gästeamt, Bindstraße 10, oder online über festspiele-wangen-resevix.de
Informationen: www.festspiele-wangen.de
Kontakt: info@festspiele-wangen.de































