Kandidieren ist aller Ehren wert
Zur Kirchengemeinderatswahl in der Seelsorgeeinheit Bad Wurzach
Zehn Kirchengemeinden zählt die Seelsorgeeinheit Bad Wurzach. Am 30. März wurden die Kirchengemeinderäte für die zehn KGRs neu gewählt. Insgesamt 81 Personen hatten sich im Vorfeld dazu bereiterklärt, in einem Kirchengemeinderat mitzuarbeiten und Verantwortung zu übernehmen. 81 engagierte Laien, eine achtbare Zahl.
Doch es fällt auf, dass für die meisten der zehn KGRs nur so viele Personen kandidierten, wie Sitze zur Verfügung standen. Ganz offensichtlich scheuen die Menschen auf dem Land, wo jeder jeden kennt, das Risiko des Scheiterns. Es ist keine Schande, bei einer demokratischen Wahl zu unterliegen. Im Gegenteil: Es ist aller Ehren wert, durch „überzählige“ Kandidaturen eine echte Wahl zu ermöglichen.
Der Schreiber dieser Zeilen hat Mitte der 1990er-Jahre als ehrenamtlicher Kirchenpfleger eine KGR-Wahl in Arnach organisiert. Die Pfarrgemeinde Arnach greift territorial über das Gebiet der bürgerlichen Teilgemeinde Arnach (Ortschaft) hinaus. Mit Riedlings, Hünlishofen und Übendorf gehören Leutkircher Weiler kirchlich nach Arnach; mit Rahmhaus und Pfenders ist ein Kißlegger Weiler und ein Kißlegger Wohnplatz zur Pfarrgemeinde Arnach zugehörig. Wir hatten es damals geschafft, eine Unechte Teilortswahl mit Sitzgarantie für die „auswärtigen Gebiete“ durchzuführen und Kandidaten für alle Wahlgebiete – in den meisten waren es mehr Bewerber als Sitze – zu gewinnen. Das Dorf interessierte sich in starkem Maße für die KGR-Wahl, es war eine Wahl im Sinne von Auswahl.
Diese goldenen Zeiten des Milieu-Katholizismus sind leider vorbei.
Der Zeitgeist weht den Christen kalt ins Gesicht. Umso mehr muss man den Hut ziehen vor Frauen und Männern, die im KGR mitmachen und sich als Kandidaten zur Verfügung stellen. Großen Respekt ist jenen zu zollen, denen es nicht „gereicht“ hat.
Gerhard Reischmann