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Profitiert vom Moor: Bad Buchau am Federsee lebt auch von seinen Gästen und Patienten, die zur medizinischen Behandlung und wegen der intakten Natur in die Kurstadt kommen. Foto: Jost Einstein

Bad Buchau – Das Thema ist heiß. Früher war es Sumpfland, das irgendwie trocken gelegt werden musste, damit man Moore nutzbar machen konnte – zum Torfabbau beispielsweise. Heute weiß man, um die Bedeutung der Moore fürs Klima und den Artenschutz – Mercedes spendiert dafür fünf Millionen und das geplante Biosphärengebiet soll ebenfalls dazu beitragen. Die Trockenlegung und der Torfabbau sind Vergangenheit. Eigentlich! Bis auf einen kleinen Teil im Reicher Moos bei Vogt, wo für die Moorbäder in Bad Buchau, Bad Waldsee und Bad Wurzach immer noch Torf abgebaut wird. Ein Frevel, der beendet gehört, fordern Natur- und Klimaschützer vor Ort. Dem widerspricht Peter Diesch, Bürgermeister von Bad Buchau und Vorsitzender des Zweckverbandes der Bad-Städte zur Nutzung des Reicher Moos, entschieden. BLIX will wissen, warum?

Bad Buchaus Bürgermeister Peter Diesch ist Sprecher des Zweckverbandes Reicher Moos und vertritt die Interessen der Moorbäder.

Herr Diesch, die Kurstädte Bad Buchau, Bad Wurzach und Bad Waldsee sind organisiert im Zweckverband Reicher Moos, um dort Torf für den Bäderbetrieb abzubauen. Auf welcher Fläche insgesamt und in welcher Menge im Jahr geschieht das? 

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Das Reicher Moos ist mehr als 120 Hektar groß – davon stehen uns allerdings aktuell deutlich weniger als acht Prozent bzw. nur rund neun Hektar zum Torfabbau zur Verfügung. Während noch in den 90er-Jahren mehr als 40.000 Kubikmeter Torf pro Jahr abgebaut wurde, sind es heute weniger als 3000 Kubikmeter auf einer jährlichen Abbaufläche von gerade einmal 1.200 Quadratmeter – wir schonen also die Ressourcen deutlich. 


Der (Pacht-)Vertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg, das Eigentümer des Reicher Moos ist, und Ihrem Zweckverband endet 2030. Was geschieht dann? 

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Der Pachtvertrag endet – mit Verlaub – erst im Jahr 2036; ab 2030 beginnt die Phase unserer Rekultivierungsverpflichtung. Ob und inwiefern wir eine Verlängerung des Pachtverhältnisses anstreben und beantragen werden, darüber wird zu gegebener Zeit zu entscheiden sein.


Der neue Regionalplan, der aktuell im Regierungspräsidium zur Genehmigung vorliegt, sieht vor, dass der Torfabbau im Reicher Moos noch bis 2070 möglich sein soll. Wird der Zweckverband dann eine Vertragsverlängerung zum Torfabbau beantragen und ihn auch fortsetzen? 

Wie bereits erwähnt: Darüber wird zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden sein. 


Der Torf ist Rohstoff für die Heilbäder, mit denen die Kureinrichtungen in ihren Städten um Patienten und Gäste werben. Welche wirtschaftliche Bedeutung hat dieses Angebot für Bad Buchau und die beiden anderen Kurstädte? Wie viele Menschen haben damit zu tun und wie viele Arbeitsplätze sind davon abhängig? 

Alle drei Städte besitzen das Prädikat eines staatlich anerkannten Moorheilbades – Moor bzw. Torf war und ist nach wie vor die wirtschaftliche Grundlage der Kureinrichtungen. Ohne das natürliche, ortsgebundene Heilmittel Moor ginge diese verloren und ist nicht einfach substituierbar; auch wenn die Moorheilbäder Bad Buchau, Bad Waldsee und Bad Wurzach sich bereits vor Jahrzehnten mit ihren Thermalbädern ein weiteres Standbein geschaffen haben. Das natürliche Heilmittel ‚Moor‘ ließe sich aber hierdurch keinesfalls ersetzen. Von der Prädikatisierung als staatlich anerkanntes Heilbad hängen an allen Orten mehrere hundert Arbeitsplätze unmittelbar und darüber hinaus mittelbar bei Dienstleistern und Zuliefererbetrieben ab.   


Der Torfabbau zerstört wertvolles Moor, das insbesondere für den Klimaschutz von herausragender Bedeutung ist. Wie lässt sich das angesichts der Klimakrise rechtfertigen? 

Hier muss ich Ihnen entschieden widersprechen: Torfabbau zu Heilzwecken zerstört kein wertvolles Moor. Ganz im Gegenteil: Das Torf wird nicht verbraucht, sondern lediglich gebraucht und wird nach Aufbereitung und Nutzung in einem deutlich besseren Aggregatzustand – nämlich versetzt mit reinem Thermalwasser – also vernässt der Natur zurückgegeben. Zudem muss festgestellt werden, dass es sich beim besagten Abbaugebiet im Reicher Moos nicht um ein, wie Sie es nennen, ‚wertvolles‘ Moor handelt; das Reicher Moos war und ist kein Naturschutzgebiet und gemäß mehrerer Gutachten, die teilweise bereits vor mehr als 100 Jahren erstellt wurden, noch dazu ökologisch irreparabel zerstört. Dies war wohl auch der Grund, warum der Eigentümer – wohl gemerkt das Land Baden-Württemberg – den damals noch vier oberschwäbischen Moorheilbädern das Reicher Moos in den 90er-Jahren zum Torfabbau zur Verfügung gestellt hat als Ersatz für die seinerzeit unter Naturschutz gestellten Moorflächen im Federseeried, Wurzacher Ried und Steinacher Ried bei Bad Waldsee. 


Die oberschwäbischen Kurstädte werben nicht zuletzt mit der schönen und intakten Natur um Gäste, aber tragen mit ihren Moorbädern zu ihrer Zerstörung bei. Lässt sich das angesichts der Klimakrise noch ‚verkaufen‘? Wäre es nicht höchste Zeit, das zu ändern, um wieder glaubwürdig zu werden? 

Noch einmal: Wir zerstören das Moor nicht – ganz im Gegenteil. Während im Reicher Moos jahrzehntelang Torf zu Gartenbauzwecken durch ein privates Unternehmen abgebaut wurde und das Reicher Moos deshalb großflächig entwässert, abgefräst und ökologisch tatsächlich und unwiederbringlich zerstört wurde, gehen wir mit der uns zur Verfügung stehenden, verhältnismäßig kleinen Fläche sehr verantwortungsvoll und schonend mit den vorhandenen Ressourcen um.


Wäre eine Abkehr vom bisherigen Moor-Bäderbetrieb nicht in jeder Hinsicht zukunftsfähiger? Sehen Sie Alternativen? 

Moor ist ein im Heilmittelkatalog staatlich anerkanntes Heilmittel; über die Heilwirkung kann es somit keine Zweifel geben. Zudem wird – wie bereits erläutert – Moor für Heilzwecke nicht zerstört und auch der Natur zurückgegeben. Wir gehen mit den Ressourcen wie erwähnt verantwortungsvoll und schonend um – und es gibt durchaus Überlegungen, die notwendige Abbaumenge auch in der Zukunft weiter zu reduzieren und auch Alternativen zu entwickeln. Aber ein vollständiger Verzicht auf Moor ist derzeit schwer vorstellbar. Schließlich steht in der gesetzlichen Definition für Moorheilbäder, den so genannten Begriffsbestimmungen, ganz klar und eindeutig, dass ein Moorheilbad den uneingeschränkten Zugang zu Frischmoor haben und nachweisen muss. Ansonsten ist die staatliche Anerkennung ernsthaft gefährdet. Der Staat kann uns also nicht einerseits als Moorheilbad auszeichnen und uns andererseits den Abbau von Moor – unabhängig von der Menge – grundsätzlich untersagen. Das wäre ein Widerspruch in sich. 


Der Verein ProNatur in Vogt kämpft für ein Ende des Torfabbaus im Reicher Moos mit Vertragsende 2030 und fordert die Renaturierung des Rieds. Der Zweckverband wehrt sich dagegen. Sie sind gelernter Touristiker, fürchten Sie nicht den Imageschaden? 

Die Rekultivierung nach 2030 ist im Pachtvertrag mit dem Land, genauer gesagt in der geltenden Abbaugenehmigung vertraglich geregelt. Ihre Information, wir würden uns dagegen wehren, stimmt also absolut nicht; dafür wurden auch bereits entsprechende Rücklagen gebildet. Was allerdings das Land selbst mit seiner deutlich größeren restlichen Fläche von mehr als 100 Hektar im Reicher Moos plant, entzieht sich unserer Kenntnis, dafür tragen wir auch keine Verantwortung. 


Mercedes Benz investiert werbewirksam fünf Millionen Euro in den Moorschutz, und in Oberschwaben soll nicht zuletzt zum Schutz seiner Moore ein Biosphärengebiet entstehen. Wie passt der Moorbottich dazu? 

Warum sollte das nicht zusammenpassen? Moorheilbäder zerstören Moor nicht, sondern nutzen es nur. Und wenn Mercedes-Benz für Moorschutz investieren will, können wir dies nur begrüßen – und sind auch gerne bereit, das eine oder andere Projekt hierzu beizusteuern. Zudem macht unsere bereits abgebaute Fläche von rund sieben Hektar im Reicher Moos bei insgesamt mehr als 45.000 Hektar Moorfläche im Land nur eine verschwindet geringe Fläche im Promillebereich aus. An den staatlich anerkannten Moorheilbädern wird die nationale Moorschutzstrategie also ganz sicher nicht scheitern.

Hauptartikel “Moorgeschichten”

Begleitender Artikel “Sumpfige Geschichte”

Autor: Roland Reck



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