IMG 3230Baienfurt - Die oberbayrische Kabarettistin präsentierte am vergangenen Donnerstag ihr aktuelles Programm „Weltmeisterinnen – gewonnen wird im Kopf“ im ausverkauften Baienfurter Hoftheater.



Obwohl – auf die „eigentliche“ Lisa Fitz musste man eine ganze Weile warten – schlüpfte sie doch zunächst in vier grundverschiedene Rollen (und Kostüme), die aktuelle Entwicklungen aber auch politische Zusammenhänge aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchteten: Da war zunächst die grantelnde Reinigungskraft Hilde Eberl, die eben noch vor „der Fitz“ die Bühne aufpolierte und nebenbei auf bodenständige Art über Willkommenskultur , SPD-Niedergang, Bürokratie, One-Click-Shopping (jeder Lippenstift kommt einzeln im Riesenpaket) und die Folgen philosophierte: Nämlich verstopfte Autobahnen durch Amazon-Lkw. Daher steckte wohl auch „die Fitz“ noch im Stau...


Stattdessen kam die rothaarige Kulturredakteurin „Inge von Stein“ auf die Bühne, die eigentlich wegen eines Fitz-Interviews gekommen war. Die selbsternannte Weltmeisterin im E-mailen ist voll im Business-Zeitalter angekommen, hat das gutbürgerliche Eheleben hinter sich gelassen und berichtet stattdessen von der „Evolution Retour“, wo man sein einmal getragenes Party-Outfit am nächsten Tag zurückschicken kann. Nach dem Motto: Weg und neu. Nach soviel Power-Frau geht es dann mit einem nachdenklichen Blues in die Pause: Yesterday is here von Tom Waits.


Weltpolitisch wurde es, als der 3. Charakter, die russische Geheimagentin Olga auftrat. Stilecht mit Parteikappe und Bond-Bösewicht-typischen Dialekt schaffte sie die Gratwanderung zwischen Verschwörungstheorie und Systemkritik: Sie erklärte die Geo-Strategie des Systemfeindes USA, der unter dem Deckmantel der Demokratisierung nur die Nato-Ost-Erweiterung und Zugang zu den Öl-Pipelines im Sinn habe.


Zum Schluß spannte Lisa Fitz den Bogen zurück zur Lokalpolitik: Als CSU-Frauenbeauftragte Gerda Wimmer nahm sie das bayrische „Horstifat“ aufs Korn und gab Integrationstipps wie eine blau-weiße Trachtenburka – mit Brezel- und Edelweiß-Aufnähern.


Nach viel Politik- und Gesellschaftskritik kam Lisa Fitz zum versöhnlichen Schluß doch noch „ in Zivil“ auf die Bühne – denn trotz aller Mißstände und Zukunftssorgen gäbe es auch positive Entwicklungen, stellte sie doch fest, daß sie vor 100 Jahren für so ein Bühnenprogramm verbrannt worden wäre.


Heute ist das Publikum indes restlos begeistert und bekommt als Zugabe noch 2 Abschiedslieder: Ein Gute-Nacht-Lied, das sie bereits in den 70ern mit Konstantin Wecker geschrieben hat. Und ein noch älteres Stück aus der Feder ihres Vaters: Mit „Das Kamel“ beendet Lisa Fitz einen kurzweiligen, musikalischen, lehrreichen und trotzdem urkomischen Auftritt.




 

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