23AbschiedRavensburg - Er gilt als ein innerer Erneuerer der Ravensburger Kinderklinik, der entscheidende Weichen für den anerkannt hohen Stand der heutigen Medizin für Kinder und Jugendliche gestellt hat. 22 Jahre wirkte Prof. Dr. Peter Tosberg als Chefarzt am Kinderkrankenhaus St. Nikolaus und war darüber hinaus eine bekannte Persönlichkeit in Ravensburg. Im Alter von 89 Jahren ist er in der vergangenen Woche verstorben. Bild: Das Bild entstand bei seinem letzten Besuch im früheren "Niki" im Jahre 2017. Mit ihm auf dem Foto in der Mitte Schwester Makrena und rechts Schwester Siegfrieda. Die beiden Franziskanerinnen waren zu seiner Zeit als Pflegekräfte im Kinderkrankenhaus tätigt

 

Bis ins hohe Alter blieb Prof. Tosberg seinem „Niki“, wie das Kinderkrankenhaus im Volksmund hieß, verbunden. Vor zwei Jahren kam er anlässlich des Umzugs der Klinik für Kinder und Jugendliche noch einmal zu einer Pressekonferenz an seine alte Wirkungsstätte. Mit dabei war Schwester Makrina von den Franziskanerinnen von Reute, die bereits lange vor Prof. Tosberg an der Kinderklinik tätig gewesen war. Nachdem am 1. Oktober 1973 der neue Chefarzt gekommen war, habe sich „unsagbar viel zum Guten verändert“, berichtete die Ordensfrau. Ein Zeugnis nach vielen Jahrzehnten, wie es authentischer und wertschätzender kaum sein könnte.


Prof. Tosberg war einer von drei Chefärzten des Kinderkrankenhauses, das zu jener Zeit noch eine selbständige Einrichtung und noch nicht ins St. Elisabethen-Klinikum integriert war. „Er lebte für das Krankenhaus. Fast jede Nacht kam er ein- bis zweimal zu einem Notfall. Wir nannten ihn Professor Blaulicht“, erinnerte sich Schwester Makrina. Wobei das „Blaulicht“ bildlich gemeint war. Laut Zeitzeugen ist Prof. Tosberg vorwiegend auf dem Fahrrad unterwegs gewesen. Der neue Chefarzt warf Regeln über Bord, die zum Teil noch aus der Zeit des ersten Ravensburger Kinderkrankenhauses an der Kapuzinerstraße stammten. „Die Eltern durften die Kinder nur einmal die Woche für eine Stunde sehen, durch eine Glasscheibe“, erzählte Schwester Makrina. „Erst als Professor Tosberg kam, hat sich das zum Glück geändert.“


Es war äußerliches Zeichen für einen inneren Wandel, der mit dem neuen Chefarzt Einzug hielt. 1958 war das Kinderkrankenhaus direkt neben dem EK als das in weitem Umkreis modernste eingeweiht worden. 15 Jahre danach begannen sich die zunächst umstrittenen wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Bindungstheorie von John Bowlby durchzusetzen. Auch in Ravensburg wurde die Trennung der kranken Kinder von ihren Müttern gelockert und die regelmäßige Besuchszeit eingeführt.


In der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Kinderklinik sprach Prof. Tosberg im Jahre 1983 von einem grundsätzlich gewandelten Verständnis des Verhältnisses von krankem Kind und Krankenhaus. Wobei es in jener Zeit am St. Nikolaus auch baulich weitergegangen ist. 1978 wurde das ans Kinderkrankenhaus angebaute Personalwohnheim eröffnet. Parallel dazu entwickelte sich die Medizin weiter. Prof. Tosberg baute am „Niki“ die Früh- und Neugeborenenmedizin auf. Die bildgebende Diagnostik auch bei Kindern und Jugendlichen, eine damals noch eine ganz junge Disziplin, brach sich Bahn. Als Professor Tosberg am 30. November 1995 in den Ruhestand trat, waren an den richtigen Stellen die Weichen für die Zukunft der Kinder- und Jugendmedizin in Ravensburg gestellt. Erst ein Jahr zuvor war die Neonatologie auf zwölf Betten ausgebaut worden.


Auch nach seinem Ausscheiden als Chefarzt blieb Prof. Tosberg eine in Ravensburg bekannte und beliebte Persönlichkeit. Oft sah man ihn Richtung Flappach radeln, wo er viele seiner mittlerweile erwachsenen gewordenen kleinen Patienten von einst wieder sah. Dankbar erinnern sich an ihn auch viele Kinderärzte, die in seiner Zeit am St. Nikolaus ihre Ausbildung durchlaufen haben.





Presseinformation und Bild Oberschwabenklinik gGmbH

 

 

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