fack angebot 578 bszv03

Copyright Bernd Hasenfratz Linie 754 burgweilerRavensburg - Ein Saisonrückblick mit Ausblick. Im bereits 7. Jahr waren die beiden Radexpress Oberschwaben-Freizeitzüge auf einst stillgelegten Schienenstrecken unterwegs. Von Mai bis Mitte Oktober ging es abwechselnd ab Aulendorf in Richtung Bad Wurzach oder Pfullendorf. Die Saisonergebnisse zeigen, dass sich das Zugangebot etabliert hat. 2018 wird das Angebot deutlich ausgebaut und damit noch attraktiver. Die Vorbereitungen auf die Saison 2018 laufen auf Hochtouren.




An jeweils 16 Sonn- und Feiertagen waren die beiden Radexpress Oberschwaben-Züge unterwegs. Immer abwechselnd bringen diese Freizeitlinien Fahrgäste und Ausflügler in beliebte Ausflugsregionen mit abwechslungsreichen Freizeitangeboten und Veranstaltungen. Auch Naturliebhaber kommen bei diesem Angebot auf ihre Kosten. Das Wurzacher Ried oder auch das Pfrunger-Burgweiler Ried locken mit Wander- und Spazierwegen und exklusiven Führungen. Zugbegleiter und ein Bewirtungsangebot sowie einzelne Sonderfahrten machen dieses Zugangebot zu etwas Besonderem. Rund 4.800 Fahrgäste waren in dieser Saison im Radexpress auf beiden Linien zu Gast. Das ist eine Steigerung der Fahrgastzahlen um knapp 10% (Vgl. 2016: 4.350): ein schöner Erfolg.


Angebot hat sich etabliert Besonders positiv ist die Entwicklung auf der Wurzacher Stracke. So waren zwischen Aulendorf, Bad Waldsee und Bad Wurzach (Linie 752) mit 2.834 beförderten Fahrgästen knapp 600 Ausflügler mehr als in 2016 unterwegs. Weitgehend stabil sind die Fahrgastzahlen in die andere Fahrtrichtung Aulendorf – Altshausen – Ostrach – Burgweiler - Pfullendorf. Mit 1.980 beförderten Fahrgästen blieb man hier knapp unter den Ergebnissen des Vorjahres 2016 (damals 2.109 Fahrgäste).


Einige Zugausfälle und launisches Wetter wirkten hier sicherlich nachteilig Die Radexpress-Partner, das sind neben dem bodo-Verkehrsverbund die Städte und Gemeinden entlang der Strecken als auch die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen, arbeiten bereits kräftig an der Fortentwicklung der beiden Freizeitzüge. Soviel sei verraten: Im kommenden Jahr wird das Angebot verdoppelt. Denn dann sind die beiden Zuglinien zwischen Mai und Oktober nicht mehr abwechselnd unterwegs, sondern verkehren parallel an allen Sonn- und Feiertagen.


Auch das Marketing wird auf neue Beine gestellt: Die beiden Schienenstrecken erhalten einen neuen Markennamen und Außenauftritt, ein attraktives Rahmenprogramm und begleitende Events – der Name wird Programm sein. Somit wird der Ausflugsverkehr nochmals attraktiver und damit die Voraussetzung geschaffen, die Fahrgastzahlen spürbar zu steigern und den nachhaltigen, umweltfreundlichen Tourismus zu stärken. Seien Sie gespannt!




Info-Box: Schienenstrecken 752 & 754

Seit der Einstellung des regelmäßigen Personen- und Güterverkehrs spielten die Bahnstrecke nach Bad Wurzach bzw. nach Pfullendorf keine große Rolle mehr. Dass beide Strecken heute noch existieren, ist dem kommunalen Engagement der Anlieger zu verdanken. Die Strecke Roßberg – Bad Wurzach war im Jahr 2004 von der Stilllegung bedroht. Schnell musste damals eine Lösung gefunden werden. Einzige Alternative war die Übernahme der Strecken durch die Stadt Bad Wurzach im Jahr 20104. Am bodo-Erlebnistag 2008 und 2009 wurden erstmals wieder Personenzüge zwischen Aulendorf, Bad Waldsee und Bad Wurzach angeboten Der große Erfolg dieser Fahrten führte letztlich dazu, dass die Strecke ab Juli 2010 für den Ausflugsverkehr reaktiviert wurde.


Die Pfullendorfer Bahnstrecke, die Pfullendorf, Ostrach und Altshausen mit Aulendorf verbindet, gar war bereits seit 2004 stillgelegt. Doch in großer Weitsicht pachteten die drei Anliegerkommunen diese 27 km lange Bahnstrecke zuerst von der DB, um sie dann 2009 für den Zugverkehr zu reaktivieren. Seit 2011 fahren hier die Freizeitzüge, die sich inzwischen zu einer festen Größe im Freizeitbereich entwickelt haben.


Dass Anliegerkommunen eine Eisenbahn betreiben, ist landes- bzw. deutschlandweit nahezu einmalig. Dahinter steckt das Ziel, diese Strecken für die Zukunft zu erhalten und weiterzuentwickeln: Um damit einerseits einen wichtigen Standortfaktor für die Wirtschaft zu erhalten, um aber auch andererseits den Tourismus zu stärken.


15 Jahre nach der Einstellung des Güterregelverkehrs zwischen Altshausen und Pfullendorf rollten auf der Strecke im Frühjahr 2017 erstmals auch wieder Güterzüge. Waren es dieses Jahr noch lediglich sporadische Holztransporte, so arbeitet ein Logistikunternehmen an der Aufnahme eines regelmäßigen Containerzugverkehrs zwischen Ostrach in Oberschwaben und den deutschen Nordseehäfen – Betriebsstart ist vsl. im Januar 2018.


Durch eine sehr kostengünstige Instandhaltung und Betriebführung gelingt es, diese Bahnstrecken mit überschaubaren Aufwänden zu erhalten, wie sich z.B. am Beispiel der Pfullendorfer Bahnstrecke zeigt: Hier arbeiten nebenberufliche und bahnbegeisterte Eisenbahnbetriebsleiter, die im Hauptberuf bei großen Eisenbahnunternehmen beschäftigt sind, zusammen mit den Anliegerkommunen, um einen kostengünstigen Bahnbetrieb zu ermöglichen – zum Beispiel indem etwas einfachere Normen angewendet werden, als für die großen Hauptstrecken der Deutschen Bahn.


„Bezahlt werden Betrieb und Unterhalt der kommunalen Bahnstrecke unter anderem mit den 75 %igen Instandhaltungskosten-Zuschüssen des Landes und aus Beiträgen einer kommunalen Interessengemeinschaft,“ erläutert der nebenberufliche Eisenbahnbetriebsleiter der Pfullendorfer Bahn, Frank von Meißner. Hinzu kommen Nutzungsentgelte, die die Eisenbahnunternehmen bezahlen müssen, die auf der Strecke ihre Züge fahren lassen. „Mit der intensiveren Nutzung der Bahnstrecke durch verstärkten Güterverkehr und mehr Fahrten der Radexpress-Züge rechnen wir gleichzeitig mit steigenden Einnahmen, die wir in die Streckeninfrastruktur reinvestieren“, so von Meißner.


Während die drei Kommunen das Bahngleis und die Stationen als Eisenbahninfrastrukturunternehmen betreiben, kümmert sich der Bodo-Verkehrsverbund federführend – zusammen mit den Kommunen – um das Marketing der Freizeitzüge. Gefahren werden die Freizeitzüge von der DB Regio, die ihrerseits hierfür Zuschüsse vom Land Baden-Württemberg bekommt.




Bericht Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund GmbH Bild Bernd Hasenfratz

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter