Titelbild 560

Ziegelbach - Bayerisches Kabarett auf der Dorfstadelbühne in Ziegelbach, geht das? Ausgezeichnet sogar, denn was die „ Mentalbäuerin“ Elke Pelz-Thaller, die ansonsten als Mental- und Persönlichkeitstrainerin arbeitet und „Seminare mit Humor“ anbietet, mit ihrem bayerischen Idiom auf die Bühne brachte, war aus dem vollen Leben gegriffen.

Dazu muss man wissen: Die gebürtige Ingoldstädterin und gelernte Krankenschwester  lebt ein Leben zwischen Business und Bauernhof, zwischen High-Heels und Gummistiefel,  zwischen Sushi und Kesselfleisch, denn sie lebt und arbeitet  gemeinsam mit ihrem Mann auf einem Aussiedlerbauernhof in der Hallertau.

Die Vereine landwirtschaftlicher Fachbildung Bad Waldsee, Leutkirch, Wangen und Ravensburg und der Verband der LandwirtschaftsmeisterInnen Leutkirch, Wangen und Ravensburg hatten als Veranstalter ein glückliches Händchen bewiesen, als sie die Mentalbäuerin mit ihrem Seminarkabarett nach Ziegelbach geholt haben. Der Dorfstadel war prallgefüllt, (und das nicht nur mit Mitgliedern der Verbände und Vereine), als Christine Dorn-Bohner vom Meisterverband Ravensburg die Gäste und die „Trainerin“ begrüsste.

Gleich zu Beginn erklärte der blonde Wirbelwind den Unterschied in der Kommunikation zwischen Adam und Eva, die im Kopf komplett anders vernetzt seien: Männer müssen erst denken, bevor sie reden, während Frauen erst reden müssen bevor sie denken können.Die Kommunikation des Mannes sei aktionetisch, also von Taten, nicht vom reden bestimmt.

Ein gutes Beispiel dafür war ihr Gatte, der im sehr heissen Sommer 2003 sich nach getaner Feldarbeit immer in der Unterhose zum Abendessen hinzusetzen pflegte „wenn ´s mir hoiaß is, ziag I mi aus“ . Gutes Zureden half nichts, bis sie selbst „aktionetisch“, per Pasting (also dem Kopieren der Verhaltensweise ihres Gegenübers) tätig wurde und ihren BH in ein Stubeneck pfefferte...
Herrlich war auch die mit unübertrefflichem Mienenspiel begleitete Geschichte, wie sie zu ihrer „Kommunikationsstörung“, sprich zur Einheirat der Städterin auf einen Bauernhof kam: Als Heiratsantrag gab´s bei der Hochzeit eines Cousins ihres Mannes einen Rempler von der Seite: „S´nächstes Johr pocken´s mir!“

Die Sprache ihres Mannes Paul, von der Kabarettistin nur „Paulisch“ genannt,  beschränke sich meistens nur auf drei bis vier Worte: Anstatt: „Komm wieder gesund heim“ heisst es bei ihrem Gatten: „Pass auf´s Auto auf!“ Oder nach einem Überschlag mit demselbigen im (eigenen) Maisacker: „Du rentierst di!“.

Besonders schwierig sei die Zeit ihrer ersten Schwangerschaft gewesen, als ihr Selbstbewusstsein bei -100 gelegen habe und das Aussehen dem eines Michelin-Männchen ähnelte. Und als ihr, nachdem der Geburtstermin schon 10 Tage überfällig war, eine Veganer-Tussi geraten hatte, „Schreiben sie doch ihrem Kind einen Abschiedsbrief!“ „Man kennt sich selbst nicht mehr zwischen Schlachtstuhl und Erzeugungsbettstatt.“ Aber: Spätestens seit dem euphorischen Winken mit dem Ultraschallbild sei die Daseinsberechtigung auf dem Hallertauer Aussiedlerhof besiegelt gewesen.

Anschaulich erzählt Elke Pelz-Thaller von ihren Sauna-Aufgussimpressionen am Seniorentag, wo alles herausgeschwitzt werde: Schwiegervater, Söhne usw. und wie die Männer alle Comic-Geräuschsprechblasenklischees erfüllten.

Zum krönenden Abschluss beantwortete  die erfolgreiche Mental- und Persönlichkeitstrainerin in ihrem autobiografischen Seminarkaberettprogramm die Frage, warum in Ingoldstadt an Tagen, an denen Ü-30-Parties stattfinden, ab 16.00 Uhr keine Damen dieser Altersgruppe in der Fussgängerzone zu sehen sind. Antwort: Weil sie sich auf die Party, die um 22.00 Uhr startet, vorbereiten müssen. Denn mit dem Alter werde bei Frauen alles was rund war eckig, bei den Männern sei der Verlauf genau umgekehrt.

Sie liess das Publikum bei ihrer Verwandlung von der biederen Bäuerin zur tanzwütigen und Handtaschen schwingende Femme fatale teilhaben. Mit Bodyshape-Unterwäsche, Overknee-Stiefel, Skihandschuhen zum Auspolstern des Ausschnittes und einem breiten Strechgürtel, einer blonden Perücke (weil 95% der deutschen Männer auf langes blondes Haar stehen) stellte sie sich dem gnadenlosen Konkurrenzkampf. Denn jedes Jahr über 40 bedeutet eine zusätzliche Stunde Vorbereitung. Bullrich-Salz , Rosskastanien-Extrakt und Aspirin dürfen natürlich in der Handtasche auch nicht fehlen...

Dass sich Bauer und Bäuerin dennoch herzlich zugeneigt sind, zeigten sie dem Publikum im Dorfstadel, nach dem grossen Schlussapplaus und nachdem sich Hans Frick im Namen der Veranstalter für die vergnüglichen Stunden bedankt hatte: Als Zugabe gab es für ihren Paul, der sich während der Vorstellung um die Technik gekümmert hatte einen dicken Kuss auf der Bühne.

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

bild6612

Christine Dorn-Bohner stellt die Kabarettistin vor

bild6613

Als Coach und Mentaltrainerin

bild6623

Emotionen bei der Darstellung des Heiratsantrages

bild6627

Die Verwandlung von der Bäuerin...

bild6629

zur Femme Fatale

bild6636

Mit ihrem Paul

bild6641

Elke Pelz-Thaller  bedankt sich beim Publikum und Hans Frick

 

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter