Titel Sturmmappe 560

Bad Wurzach - Die Ausstellung der sogenannten Sturm-Mappe von Sepp Mahler, Bad Wurzach´s bekanntestem Künstler, wurde mit einem Vortrag des Biberacher Kunsthistorikers und ausgewiesenen Sepp Mahler-Experten, Dr. Uwe Degreif in Anwesenheit von Landrat Kurt Widmaier sowie Michael Maurer und Lisa Weigel, beide Mitarbeiter vom Kulturamt des Landratsamtes Ravensburg, die die Ausstellung gemeinsam mit Egon Rothenhäusler und Hermann Schall vom Förderverein Leprosenhaus gestaltet haben. Bild: Adelgund Mahler (3.v.links) im Gespräch mit Landrat Widmaier (links) und dessen Frau , OEW Geschäftsführerin Barbara Endriss und Michael Maurer vom Kulturamt.

 

Bürgermeister Bürkle bedankte sich in seinem Grusswort bei der OEW, deren Vorsitzender der Landrat ist, die den Zyklus 2013 ankaufte und restaurieren liess und Bad Wurzach für die jetzt eröffnete Ausstellung, die noch bis 05. Oktober laufen wird, als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.

Landrat Widmaier dankte in seiner Ansprache den Personen, die die Ausstellung durch ihr Engagement ermöglicht hatten: Zum einen Adelgund Mahler, die Tochter des Künstlers, der „doch weit mehr war als nur stiller Teihaber an den vielgestaltigen Neuerungen in der Kunst des 20 Jahrhunderts.“ Dem Galeristen Peter Keller von der Galerie Lände in Kressbronn und Dr. Uwe Degreif der in seinem Vortrag einen Einblick in das Leben und Schaffen von Sepp Mahler gewährte.

Degreif begann seinen Vortrag mit Herwarth Walden, der mit seiner Galerie „Der Sturm“ (gegründet 1912) in rund 170 Ausstellungen vielen Künstlern zum Durchbruch verhalf. Der damals 23jährige Mahler wendete sich 1924 an ihn, in der Hoffnung auf eine Ausstellung und den Abdruck seiner Werke in der gleichnamigen Zeitschrift. Degreif deutet dies als Zeichen für die Grosse Bedeutung, die Mahler dem Mäzen und Herausgeber beimass, aber auch der Bedeutung seiner Werke. Der etwas irritierende Titel „Sturm-Mappe“ der 30 ausgestellten Arbeiten, in denen Sepp Mahler seine eigenen Ansichten über die Schaffung der Welt ausdrückte, stammt vom Namen der  Zeitschrift (gegründet 1910), die Herwarth Walden, einer der wichtigsten Kunstförderer Deutschlands in den 1920er Jahren zu einem der führenden Sprachrohre des Expressionismus und der modernen Kunst machte. Im Juli 1924 schickte Sepp Mahler eine Mappe mit Bleistiftzeichnungen und Gedichten an den Herausgeber, der dessen zeichnerische Begabung sofort erkannte und nach weiteren Bildern fragte. Die Gedichte schickte er Sepp Mahler wegen „künstlerischer Fehler“zusammen mit der neuesten Ausgabe seiner Zeitschrift, in der er auf eine ausführliche Abhandlung über Gedichte verwies, wieder zurück.  Im August schickte Mahler weitere acht Zeichnungen und drei Aquarelle an den Mäzen. Mahler war zu der Zeit als Vagabund auf den Strassen Europas unterwegs und liess sich erst 1929 in seiner Heimat  Wurzach nieder.

Degreif teilte den Werkzyklus, der ursprünglich aus etwa 40 Blätter bestand und an mehreren Orten und in mehreren Arbeitsphasen entstand, in drei Abschnitte ein: 1.Schaffung des Universums und des Geistwesens 2. Eintritt des Ur-Menschen in die Welt und 3. Besiedelung der Erde. Der Kunsthistoriker begründete, warum der Zyklus so wertvoll ist: Erstens, weil Mahler sich zu der Zeit neben Gottfried Graf aus Mengen sich als einziger in einer kubischen Formensprache ausdrückte. Zweitens die Originalität: Im direkten Vergleich z.B. mit Paul Klee zeigt sich die Eigenständigkeit der Blätter. Eigenständigkeit ist ein wichtiges Kriterium in der Kunst des 20. Jahrunderts. Drittens den Kulturgeschichtlichen Wert der Mappe, in der sich viele Strömungen und Entwicklungen,  jener Zeit widerspiegelten. Und Viertens den Anspruch der Mappe: Alle Religionen Christentum, Islam, Buddismus usw versuchen Antworten auf die Frage der Schöpfung zu geben. Es sei ein – zwar vermessener – Versuch des 23jährigen Sepp Mahlers seine Sicht darzulegen. „Aber es spiegelt den Drang wider, zum Ausgangspunkt zu gehen, um von dort  aus eine unverstellte Sicht zu erlangen.“ Dies sei eine ausgesprochene künstlerische Haltung und vermittle einem eine Vorstellung von der Kraft der Phantasie.

Degreif beendete seinen Vortrag mit dem Hinweis auf die von ihm gestaltete,56seitige Broschüre – Sepp Mahler (1901-1975), „Sturm“-Mappe“, die natürlich im Leprosenhaus und daneben in den Bad Wurzacher Buchhandlungen „Der Buchladen“ und „Schlossstrasse, Zengerle“ erhältlich ist.

Mit einem zeitgenössischen Stück „Sonata“ von Francis Poulene beendeten die Klarinettistinnen Julia Kuhn und Lena Diepolder von der Jugendmusikschule Bad Wurzach den Festakt, die zuvor gemeinsam mit Musikdirektor Hans Herle mit entspannender Klarinettenmusik für den würdigen musikalischen Rahmen der Veranstaltung in der vollbesetzten Kapelle des Leprosenhaus gesorgt hatten.

Danach wechselte die Gesellschaft in die Ausstellungsräume des Leprosenhauses, wo die „Sturm“mappe bis 05. Oktober zu sehen sein wird.

Text und Bilder von Uli Gresser
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Quelle: Center for Systems Science and Engineering der Johns Hopkins University

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