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Bad Wurzach - Schüler der Oberstufe des Salvatorkollegs erhielten von Vera Broll (Optik Blickfang) und Karl Josef Fassnacht (Fassnacht Ingenieure) zwei Unternehmern der Bad Wurzacher Wirtschaft, im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Projekt „SchülerInnen begegnen UnternehmerInnen“, das vom Steinbeis-Innovationszentrum an der Hochschule Pforzheim konzipiert und durchgeführt wird, Einblicke in ihre Arbeit als Selbstständige. Bild: Vera Broll (rechts) im Kreise der Schülerinnen.

Mithilfe des von Prof. Dr. Barbara Burkhardt-Reich und Franziska Metzbaur betreuten Projektes soll es Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden, spannende Unternehmerpersönlichkeiten kennen zu lernen, um aus erster Hand zu erfahren, was Unternehmer antreibt, welche Erfahrungen sie auf dem Weg in die Selbständigkeit gemacht haben und wie ihr Berufsalltag aussieht. Das Projekt wird modellhaft im Schuljahr 2013/2014 in vier Bundesländern an wenigen ausgewählten Schulen durchgeführt – das Salvatorkolleg Bad Wurzach war nun eine dieser Schulen.

Tamara Jedynak, selbst Schülerin, moderierte souverän die Gesprächsrunde der Schülerinnen mit Vera Broll, während Andreas Kolb, der Fachlehrer für Wirtschaft das Gespräch der Jungen mit Karl-Josef Fassnacht leitete.

Vera Broll, die seit zehn Jahren gemeinsam mit ihrer Partnerin Jacqueline Franke-Lang das Optikerfachgeschäft Optik Blickfang betreibt, erzählte den jungen Damen, wie sie nach dem Abitur auf Wunsch des Vaters eine Ausbildung zum Optiker machte und sie weil ihr im Ausbildungsbetrieb einige Sachen nicht so gefielen, im Anschluss daran auf der Fachakademie die Meisterprüfung ablegte.Ob es ihr schwer gefallen sei die Kreativität aufzugeben (sie wollte ursprünglich eher etwas künstlerisches machen),  fragte eine der Schülerinnen. Die Zusammenarbeit mit den Kunden biete durchaus Raum für Kreativität und Möglichkeiten, Ideen einzubringen. Als klar wurde, dass das Geschäft in Bad Wurzach frei wurde, habe man ein Unternehmenskonzept erstellt und sich damit um Fördermittel beworben. Die Finanzierung wurde letztlich aber nur mit privaten Mitteln gestemmt, was zwar nicht ganz einfach war, aber  die Jungunternehmerinnen unabhängiger machte.  Auf die Frage nach dem Erfolgsrezept, die Firma der Unternehmerinnen hatte nach anfänglichen Unsicherheiten schnell die gesetzten Ziel erreicht, antwortete Vera Broll „Viel arbeiten, auch am Sonntag, bedingungsloser Einsatz!“

Eindringlich warnte sie vor Online-Käufen z.B. bei Amazon: „Jede Uhr die dort gekauft wird, fehlt einem Einzelhändler in irgendeiner Stadt!“ Der Firmensitz von Amazon liege in Irland, wo der Höchssteuersatz bei 7% liege, während er in Deutschland 46% betrage, erklärte die Optikermeisterin den konzentriert zuhörenden Schülerinnen. Auf die Frage nach den wichtigsten Fähigkeiten eines Unternmers, antwortete sie: Viele neue Aufgaben anzugehen, Eigenverantwortlichkeit und die Unterschiede von Theorie und Praxis zu erkennen.

Wie es bei ihr mit der Vereinbarkeit  von Beruf und Privatleben sei, war eine weitere Frage. Da sie keine Familie habe und dazu etwas weiter weg wohne, könne sie Beruf und Privatleben gut trennen. Angesprochen wie das Verhältnis zu ihrer Partnerin sei, antwortete sie: „Wir haben Respekt voreinander.“ Wenn es mal Probleme gebe, sei es eine zeitlang ruhig im Laden, aber danach würden die Probleme ausdiskutiert. Bei wichtigen Entscheidungen sei es am Besten, vorher eine Nacht darüber zu schlafen.

Während Vera Broll praktisch jede Frage sofort und spontan beantwortete,  hatte Karl Josef Fassnacht im Klassenzimmer daneben den gesamten Fragenkatalog notiert und arbeitete dann Frage um Frage ab, die die Schüler in den letzten Wochen mithilfe eines Workbooks vorbereitet hatten. Z.B. welche Eigenschaften eines Bewerbers bei einem Einstellungsgespräch am wichtigsten seien. Oder Welche Fähigkeiten ein potentieller Unternehmer mit bringen sollte: Neugierde, Beharrlichkeit und Ausdauer. Oder wie wichtig  die gute Darstellung eines Sachverhaltes z.B. vor einem Gemeinderat (das Ingenieurbüro Fassnacht macht über 80% seines Umsatzes mit Kommunen). Man biete dazu auch Workshops und Weiterbildungen für Mitarbeiter an.

Unternehmen, die als Aktiengesellschaften firmieren wie Siemens, Bosch oder Daimler, sind auf kurzfristigen Erfolg ausgerichtet. Familienunternehmen dagegen könnten auch einmal eigenes Geld zuschiessen als Investition für die Zukunft. Damit könnten inhabergeführte Unternehmen  auch schwierige Phasen überstehen. Problematisch sei heute auch die Unternehmensnachfolge. Bei vielen Unternehmen wird die Nachfolgefrage „erzwungen“ mit oft negativen Folgen für das Unternehmen. Sein Vater habe bei mit ihm Geduld gehabt , aber recht behalten, als er sagte „Er wird schon selbst drauf kommen“.  Er sei mit seinem Sohn etwas ungeduldiger, sehe aber dass er in die richtige Richtung gehe. Das sei ein Vorteil bei einer GmbH: Man könne einen Geschäftsführer bestimmen. Sein Sohn werde, wenn er die Firma übernehme wolle, nicht gleich Chef, denn es gibt bei Fassnacht Ingenieure vier Prokuristen, die mitbestimmten.

Wichtig in seiner Branche sei es, die Leute von Neuerungen und deren Umweltverträglichkeit zu überzeugen.  Als Beispiel für nachhaltiges Handeln nannte  die Regenwasserversickerungsmulden.
Lange Zeit sei die Wichtigkeit einer gutfunktionierenden Infrastruktur von der Politik unterschätzt worden. Oft seien Investionen z.B. bei Strassen nicht gemacht worden, oft auch weil die Kommunen Personalprobleme hätten.

Zum Abschluss riet er den Abiturienten, bei allem was sie machten die Selbstständigkeit immer im Kopf zu behalten. Abitur alleine sei noch gar nichts. Der normale Weg in ein Unternehmen sei das Studium. Aber auch eine Lehre, ein berufsorientiertes Praktikum sei in Zeiten immer differenzierter Studiengänge wichtig. In Bewerbungen wirkten sich soziale Kompetenz, sprich ehrenamtliche Tätigkeiten und Engagement  in Vereinen etc positiv aus. Wichtig seien auch attraktive Bewerbungen und dass eine Entwicklung sichtbar wird, wenn z.B. der Studiumsabschluss besser ist als das Abi-Zeugnis.

Text und Fotos: Ulrich Gresser

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Tamara Jedynak moderierte das Gespräch mit Vera Broll

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Karl Josef Fassnacht bei seinen Ausführungen mit Schülern

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Konzentrierte Zuhörer

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Karl Josef Fassnacht in seinem Element

 

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Quelle: Center for Systems Science and Engineering der Johns Hopkins University

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