entemoos 578v10

Bad Wurzach (Kolumne) – Die Bauvoranfrage zu einem Mehrfamilienhaus am Eingang des Kurparkes ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich ein gewähltes Entscheidungsgremium die Verantwortung bequem von der Verwaltung abnehmen lässt. Die Verwaltung verteidigt die Bauvoranfrage eines Investors als wäre es die eigene, wobei der „Stadtbaumeister“ seinem Titel nur dadurch gerecht wurde, indem er sich meisterlich zurückgehalten hat. Die Räte geben die städtebauliche Gestaltung Bad Wurzachs in die Hände ortsfremder Verwaltungsangestellter. 

 

 

 

Die Gemeinderäte und die Verwaltung haben vor gut 40 Jahren zur Erhaltung der Innenstadt eine Altstadtsatzung beschlossen, um einen Wildwuchs von verschiedenen Baustilen zu verhindern und möglichst viel von den Bauten, die Bad Wurzach prägen, zu erhalten. § 5 der Satzung besagt: Historische Baukörper sind nach Maßgabe des historischen Befundes im entsprechenden (ursprünglichen oder späteren) Baustil zu erhalten bzw. wieder herzustellen.

 

Die Parkstraße 11-13 ist in die streng zu handhabende Zone A eingeschlossen.

 

Ein Investor muss sich beim Erwerb einer Immobilie bewusst sein, dass er in dieser Zone A nur mit erschwerten Auflagen Veränderungen vornehmen kann. Die Vorgaben sind allesamt in der Altstadtsatzung festgehalten. Die Stadt hat grundlegend sogar ein eingetragenes Vorkaufsrecht.

 

Wie bringe ich nun aus Sicht der Verwaltung eine weitreichende Veränderung meinem Kinde „Technischer Ausschuss“ bei: Ich lasse die Rasselbande über die Dachneigung entscheiden. Alles andere ist meine Sache, da habt ihr nicht mitzureden und zu entscheiden.

 

 

Während sich bei erster Sitzung vor einigen Monaten die Gemüter darüber noch erhitzten, hatten sich diese bei der Sitzung Ende Januar ordentlich abgekühlt. An der Planung hatte sich mit Ausnahme von einer Zufahrt und einem Parkbereich nichts geändert. Zwei den Kurparkeingang prägende Häuschen werden durch ein großes Mehrfamilienhaus im mediterranen Toskanastil ersetzt. Der Widerstand hatte sich gelegt, egal ob dieser nun in Einzelgesprächen oder parteipolitischen Direktiven bereinigt wurde.

 

Die Räte haben sich mit der Rolle der Dachneigungs-Entscheider abgefunden. Mit Ausnahme der zwei „MirWurzacher“ waren alle Räte überzeugt von einer fortschrittlichen, umgebungsangepassten und wohnbauförderlichen Planung. Historisch fundierte und ortsbildprägende Überlegungen wurden über die Reling der langsam untergehenden Titanic „Residenz am Ried“ geworfen.

 

Der ortsbildprägende und dominierende Zugang zum Kurpark wird auf dem Altar der Gewinnmaximierung eines Investors geopfert. Wie beim Untergang der Titanic werden mit der Beseitigung solcher über die Region hinaus bekannten Blickpunkte unvermeidlich nahestehende Einrichtungen mit in die Tiefe gezogen.

 

Man darf gespannt sein, wie lange der auf städtischem Grund stehende Baum, in dessen Krone das geplante Haus hineinragt, noch stehen wird.

 

Wolfgang Weiß
derWURZACHer

 

 

entemoos 578v11

 

 

entemoos 578v10

 

 

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter

 

 

Quelle: Center for Systems Science and Engineering der Johns Hopkins University

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.