2160jahre evkirche

Bad Wurzach - Mit einem Festgottesdienst, den der gemeindeeigene Posaunenchor gemeinsam mit dem Kirchenchor von St. Verena musikalisch gestaltete, feierte die evangelische Kirchengemeinde Bad Wurzach mit Pfarrerin Barbara Vollmer und vielen Gästen 60 Jahre Einweihung ihrer Kirche an der Kur Allee.

 

Es waren viele Gäste der Einladung der evangelischen Kirchengemeinde gefolgt, darunter auch der Vorgänger von Barbara Vollmer, Norbert Carl sowie Dekan Friedrich Langsam. Bürgermeisterin Alexandra Scherer war ebenfalls der Einladung gerne gefolgt, ebenso wie Pater Friedrich Emde als Vertreter der Salvatorianer.

Mit Intrada von Hans Leo Hassler eröffnete der Posaunenchor den Festtag musikalisch. „Für alles was wir tun brauchen wir geeignete Räume,“ sagte Pfarrerin Vollmer als sie bei ihrer Begrüßung auf die Kircheneinweihung am 04. Oktober 1959 einging. „Unsere Kirche ist schlicht – und deswegen schön!“

In ihrer Predigt ging die Pfarrerin ein wenig auf die Vorgeschichte des Gotteshauses ein. Kurz nach dem Krieg wuchs zunächst durch die vielen Flüchtlinge die evangelische Gemeinde, die zuerst in der Leprosenhauskapelle eine Herberge gefunden hatte ständig. Später dann kamen viele Arbeiter die in Bad Wurzach Arbeit fanden dazu, sodass sie im Jahre 1959 dann 763 Mitglieder zählte.
Deswegen hatte sie, damals am Rande der Stadt, Grundstücke erworben und 1958 war dann Grundsteinlegung. Viele Besprechungen waren damals nötig gewesen und am 04. Oktober war dann mit dem Einzug alles abgeschlossen.

„Wir sind froh, diesen Ort zu haben, wo wir Gott loben können. Die Kirche ist Heimat für die, die Gott suchen. Denn nichts anderes ist Kirche, eine Weggemeinschaft zum Reich Gottes. Kirche ist unser zuhause und es ist schön wenn Leben darin herrscht.“ Der Herr habe mitgebaut, denn wenn er nicht mit baue, sei alles umsonst. Unsere Welt lehne Gott immer mehr ab, dabei brauche sie ihn doch so dringend. „Denn wer auf Gott hört, achtet Menschen!“ Ich bin froh, „dass wir diese Kirche haben, dass wir eine lebendige Gemeinde sind.“

Direkt nach dem Gottesdienst folgten noch in der Kirche die Grußworte der Gäste. Den Anfang machte praktisch als „Hausherr“ Dekan Dr. Friedrich Langsam. „Wo wohnt Gott? Wo ist Gott für uns da? Wir brauchen eine Heimat, einen Ort für unsere Sorgen, Ängste und Nöte, wo Gott für uns da ist. Luther beantwortete die Frage so: „Du sollst nicht nach ihm tappen, sondern dort wo er das Wort hingelegt hat.

Ein Kind hat eine zündende Idee, als es sich die Frage selbst beantwortet: „Gott wohnt im Himmel, hat aber seine Praxis in der Kirche.“ „Diese Kirche, die an Erntedank geweiht wurde, wo viele getauft wurden, getröstet und ermutigt wurden, ist ein Ort wo er für uns da ist.“

Pfarrer Stefan Maier verglich in seinem Grußwort dieses Fest mit der Kirchweih, die in St. Verena eine Woche zuvor gefeiert wurde. Aber schnell gehe der Blick über das bloße Mauerwerk hinaus, denn die Kirchenmitglieder seien lebendige Steine, so wie Petrus Eckstein und Schlussstein in einem war, Alpha und Omega, Anfang und Ende. Als Geschenk überreichte Pfarrer Maier als Zeichen der Verbundenheit eine Osterkerze, dieselbe wie die St. Verena.

Rainer Reschetzki, Vorstand der Neuapostolischen Kirche, empfahl in seinem Grußwort: „Lassen wir das Kopfrechnen weg, rechnen wir lieber mit dem Herzen!“ Denn das mache dieses Haus so wertvoll: „Es ist ein Gotteshaus!“ Drei der 763 evangelischen Christen des Jahres 1959 in Bad Wurzach waren sein Vater und seine Großeltern, die hier ihre Heimat gefunden hatten. Das mache das Haus für ihn so wertvoll. Die Botschaft des Lutherjahres werde weitergetragen: „Du bist nicht allein!"

Bürgermeisterin Alexandra Scherer hält dieses Haus für einen doppelten Glücksfall für die Stadt, sagte sie zu Beginn ihres Grußwortes. Die Kirche sei gelungen, gut mit Leben erfüllt, heimelig eben. Die evangelische Gemeinde konnte mit ihm wachsen und ein wertvoller Bestandteil unseres Lebens werden. „Sie ist nah an den Menschen und für diese erreichbar.“ Die Aktion Keiner ist allein zum Thema Armut habe nichts an Aktualität verloren., nicht nur im materiellen, sondern auch im übertragenen Sinne. Es berühre sie, wie engagiert die evangelischen Christen seien.

Nach einem Festessen, zu dem Pfarrerin Vollmer alle Gottesdienstbesucher einlud, ging am Nachmittag nach Kaffee und Kuchen Dr. Uwe Prutscher in seinem Vortrag noch näher auf den Kirchenbau vor 60 Jahren ein.

Seit den frühen 50er Jahren habe die evangelische Bevölkerung in Bad Wurzach spürbar zugenommen, wozu ebenfalls noch überwiegend evangelische Kurgäste kamen, so dass die Leprosenhauskapelle definitiv zu klein wurde. So mussten sich die Verantwortlichen alsbald mit dem Gedanken für einen Kirchenneubau in der oberschwäbischen Diaspora befassen. 1957 erhielt der Berliner Architekt Erhard Lucas den Auftrag für Planung und Ausführung, nachdem die nicht ganz einfachen Grundstücksverhandlungen in den Jahren zuvor erfolgreich waren und rund 200 ar erworben werden konnten. Am 31. Mai 1958 erfolgte die Grundsteinlegung, bereits im August konnte Richtfest gefeiert werden und ein gutes Jahr später am 04. Oktober 1959 konnte die Kirche eingeweiht werden. Der „Gründungspfarrer“ der evangelischen Gemeinde, Pfarrer Wilhelm Schmidt-Keßler stand der Gemeinde in den 70 Jahren ihres Bestehens am längsten vor, ein ganzes Vierteljahrhundert von 1949-1974.

Prutscher ging in seinem Vortrag auch noch auf weitere „Großprojekte“ der Gemeinde ein: Neben dem Pfarrhaus in das die Familie Schmidt-Keßler 1962 einziehen konnte, bekam der Kirchturm 1966 drei Bronzeglocken mit elektrischem Läutwerk. 1971 bekam die Kirche ihre Orgel und während der Zeit von Pfarrer Carl wurde der Gemeindesaal an die Kirche angebaut. Ab 2013 also zu Beginn der Amtszeit von Pfarrerin Vollmer erfolgte dann noch die Innenrenovation der Kirche, der eine Grundrenovation der Orgel folgte. Und kaum war das geschafft, drohten Schäden an Dach und Außenwänden. Fazit von Dr. Uwe Prutscher: „Eine Bauschau ohne Überraschungen, scheint unmöglich.“ Er hält es da mit der Einsicht des schwäbischen Nationalhelden Friedrich Schiller : „Ebbes isch immer!“

 

Text und Bilder von Ulrich Gresser

 

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