Altar Titel 560

Bad Wurzach - Die Neuauflage des Wurzacher Altars oder „Beatrice“ wie der Künstler sein Werk nennt, wird ab morgen Abend  in der Spitalkapelle der Öffentlichkeit präsentiert. Damit ist das Werk, das vom Künstler Manfred Scharpf gemeinsam mit Schülern des Salvatorkollegs geschaffen wurde, an jenem Platz angekommen, den Bürgermeister Roland Bürkle und der Gemeinderat von Anfang an dafür vorgesehen hatte. Bild: Künstler Manfred Scharpf, Josef Heine, der das Projekt anstiess, Bürgermeister Bürkle und Schulleiter Pater Friedrich Emde betrcahten das Werk in der Spitalkapelle.

Bei einer Gesprächsrunde im Salvatorkolleg bedankte sich Bürgermeister Bürkle beim Künstler, den Schülern und Lehrern des Salvatorkollegs für ihr Engagement bei dem Projekt. Sein Dank galt aber auch den Mitarbeitern der Stadt für das in diesem Zusammenhang Geleistete. 

Er freute sich, dass mit der Präsentation in der Kapelle der dritte Teil des Projektes  nun abgeschlossen sei. Da es illusorisch sei, den originalen, weltberühmten Wurzacher Altar einmal nach Bad Wurzach zu holen, habe man eine Möglichkeit gesucht, das Werk in dieser neuen Form in die Stadt hinein zutragen. Aber man habe auch etwas Neues schaffen wollen. Der Raum sei ideal, um auch zukünftig Grosse Kunstwerke auszustellen, zumal die beiden Stadtpfarrer Wahl und Maier ihm gegenüber  geäussert hatten, „dass die Kapelle sakral  nicht  nutzbar sei“. Mit der Ausstellung dieses Werkes, wird in den nächsten eineinhalb Jahren die Frage geklärt, wie die Räumlichkeit und das Werk angenommen werden. Und ob es gelingt, Menschen anzulocken, die sich gerne mit Kunst auseinandersetzen.

Der Schöpfer des Werkes, Manfred Scharpf, kommentierte zu den „Geburtswehen“ trocken: „Die Anzahl der Gegner  in der Kunst erhöht den Bekanntheitsgrad!“ Er lobte den Weitblick von Bürgermeister Bürkle. Die Kapelle nannte er mit ihrer Stille einen „schönen tiefgründig-spirituellen Raum“. Er zeigte sich begeistert von der gelungenen Ausleuchtung, das neunteilige Altarbild korrespondiere hervorragend mit dem vorhandenen Altar.

Er bezeichnete sein Werk als eine „Kur des Hinsehens“ in der Kurstadt Bad Wurzach. Die Arbeit an dem Werk habe ihm selbst vieles gegeben, was ihm zuvor gefehlt habe. So sei er selbst daran gewachsen. Trotz der Geburtswehen  könne er guten Gewissens sagen: „Es hat sich gelohnt!“ Die Arbeit an dem Werk sei für ihn sehr anstrengend gewesen: „Ich wusste nicht, dass es so dick kommen würde!“ (Im Mittelalter habe eine ganze Werkstatt mit fünf Leuten das Werk in der gleichen Zeit geschaffen). Das Thema Passion habe  ihn schon 2007 beschäftigt, die gedankliche Vorarbeit mit ersten Skizzen und Ideen habe zwei Jahre in Anspruch genommen.

Die verschiedenen Themen wie z.B. Gewalt seien in Diskussionsrunden mit den Schülern diskutiert worden, die unter die Haut gingen. Daraus seien druckreife Themenarbeiten entstanden, die einen höheren Bildungsgewinn für die Schüler darstellten, „als wenn jeder einen Pinsel in die Hand genommen hätte.“
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Schulleiter Pater Friedrich Emde bezeichnete das Werk und die Arbeit daran als Geschenk. Im Mittelpunkt des von Josef Heine angestossenen Projektes sei die Auseinandersetzung der jungen Leute mit Kunst gestanden. Es sei gut, das Werk in der Nähe der Schule zu haben, so könnten die beteiligten Schüler auch anderen zeigen, was es für ihren persönlichen Entwicklungsprozess bedeute.

Josef Heine selbst nannte das Projekt  „durch das offene Atelier einen unheimlichen Gewinn für die Schule. “ Alle Schüler hätten die Möglichkeit gehabt, dem Künstler über die Schulter zu sehen und den ganzen Entstehungungsprozess mit zuerleben.

Sven Kible, einer der beteiligten Schüler, ist stolz, ein Teil dieses vielschichtigen Projektes zu sein, das einen Bogen von der Vergangenheit (z.B. durch den verwendeten Rost eines alten Maschinengewehrs) zur Zukunft (Atommmülllagerung)spannt. Interessant sei für ihn auch gewesen, zu sehen, „wie ein Künstler tickt“.

Andy Mayer, ebenfalls ein beteiligter Schüler, der die Entstehung des Werkes mit seiner Kamera dokumentierte, sagte er habe durch sein „intensiveres Dabeisein“ (vom Leinwandkauf, dem Aufziehen bis hin zur Präsentation) einen anderen Blick auf das Werk gewonnen. „Jeder Schüler kann sagen, er hat durch seine Mitarbeit das Werk mitbeeinflusst.“ Damit werde die Leistung sichtbar  anerkannt, während es sonst eine Note gebe und danach die Arbeit in einer Schublade verschwinde.

Die Spitalkapelle wird werktags analog zu den Bürozeiten im Rathaus geöffnet sein, an besonderen Festen wie z.b. am Stadtfest  und nach Voranmeldung auch am Wochenende. Unter der Woche werden die Flügel, wie früher beim Original auch, geschlossen sein, wer sie geöffnet haben möchte, solle sich dafür im Rathaus im Vorzimmer des Bürgermeisters melden.Das Werk wird vom 1. April an für zwei Wochen in Brüssel ausgestellt, später soll es, laut Aussage von Scharpf auch einmal im Dominikanerkloster in Bamberg gezeigt werden.

Text und Fotos: Ulrich Gresser

Scharpf 560

Der Künstler beim Schliessen eines der Flügel

 

 

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