St. Sebastian
Haisterkirch
- Obwohl das Wetter nicht einladend war, denn es war neblig und trüb, riss der Strom der Wallfahrer hinauf nach St. Sebastian nicht ab. Ein Grund dafür waren sicher auch die gut begehbaren, schneefreien Wege.


Ungewöhnlich viele Pilger – allein bei der Prozession waren es geschätzte 500 - machten sich an „Bastiane" wieder auf den Weg hinauf zur Sebastianskapelle. Die Kleinkirche, die an der Gabelung von fünf Wegen auf der höchsten Erhebung (758 m) des Altkreises Ravensburg steht, wurde schon am frühen Morgen von betenden und singenden Wallfahrern, die aus allen Himmelsrichtungen kamen, aufgesucht.

Pilger aus der ganze Region
Da waren Gruppen aus Unterschwarzach, Dietmanns, Ziegelbach, Haidgau dabei, viele davon auch aus dem gesamten Stadtbereich Bad Waldsee, insbesondere aus den Teilorten und Weilern. Auffallend große Gruppen kamen aus dem Raum Bergatreute, wie der dortige Kirchenpfleger Hans Hoh stolz anmerkte. Er gehörte zu einer Kleingruppe von Rosenkranzbetern, die den traditionellen Pilger-Fußmarsch von Rossberg hin und zurück nicht gescheut hatten. „Vor 30 Jahren war man noch von der Wallfahrtskirche Bergatreute aus betend zur Sebastianskapelle losmarschiert", wusste er zu berichten.

Die meisten Verehrer des Heiligen besuchten zuerst den Festgottesdienst in der Haisterkircher Pfarrkirche St. Johannes Baptist. Das Gotteshaus war schon eine halbe Stunde vor Beginn der Eucharistiefeier bis auf den letzten Platz besetzt. Wer später kam, reihte sich hinten bei den Stehenden ein.

Pfarrer Stefan Maier (Bad Wurzach), der momentan die beiden Seelsorgeinheiten Bad Waldsee und Bad Wurzach leitet, begrüßte die große Schar der Gläubigen und ein Dutzend Mitpriester beim Festgottesdienst. Es freute ihn, dass Haisterkirchs bisheriger Pfarrer Richard Schitterer als Festprediger und Hauptzelebrant an eine seiner letzten Pfarreien zurückgekommen ist. Überrascht zeigte er sich, dass der hl. Sebastian so viel Bewegung in die Gemeinde bringt.

In seiner Festpredigt stellte Pfarrer Richard Schitterer das Wirken und die Bedeutung des Heiligen in den Mittelpunkt. Er nannte historische Zahlen und Fakten und man merkte deutlich, dass der Festprediger auch ein exzellenter Kenner Roms ist, wo Sebastian im Jahr 288 n. Chr.bekanntlich den Märtyrertod fand.

In der Zeit massiver Christenverfolgung hatte sich Sebastian zu einer herausragenden glaubensstarken Persönlichkeit entwickelt und durch seine Standhaftigkeit im Glauben – „Gott meht gehorchen als den Menschen" – beispielhaft gewirkt. Pfarrer Schitterer erinnerte daran, dass auch heute die Christen in vielen Ländern Asiens und Afrikas verfolgt werden. Viele Menschen in aller Welt verehren diesen besonderen Heiligen und suchen bei ihm Fürsprache bei Gott in all ihren Nöten, so auch bei uns.

Der Haisterkircher Kirchenchor unter Leitung der Haisterkircher Schulleiterin Angelika Holzmann umrahmte sehr würdevoll den Festgottesdienst mit feierlichenm Messgesang. Andreas Buck an der Orgel begleitete alle Gesänge sehr einfühlsam und gekonnt.

Dass zur Tradition einer Wallfahrt auch das Einkehren gehört, daran erinnerte Pfarrer Stefan Maier und bedankte sich bei allen, die das Sebastiansfest zum Gelingen bringen. Die Mitglieder des Kirchenchors hatten dann auch alle Hände voll zu tun, um in allen Räumen des Klosterhofs die vielen Einkehrwilligen mit Speisen und Getränken zu versorgen.

Besonders erwähnenswert an „Bastiane" 2014:

Pfarrer Günther Gerlach aus Allmendingen, ein Freund des verstorbenen früheren Haisterkircher Pfarrers Theodor Tallafuß, hatte auf bewährte Weise die Prozessionsführung hinauf zur Kapelle (Gebete und Lieder über Megafon) inzwischen zum 22. Mal übernommen.

Hermann Kemmler ( Bad Waldsee) schuf 2012 zur Wallfahrt mit Bischof Dr. Gebhard Fürst eine stilgerechte, kunstvolle Nachbildung der Sebastianskapelle aus Kupfer und stiftete diese der Kirchengemeinde. Die Kapelle dient heute als viel beachteter Wegweiser den vielen Pilgern das ganze Jahr über.

Inzwischen hat Hermann Kemmler in unzähligen Arbeitsstunden sage und schreibe 17 Kupferlaternen angefertigt für alle Kreuzwegstationen, die am Wegesrand hinauf nach St. Sebastian stehen. Erstmals wurden diese Laternen jetzt auf die Sockel gestellt und deren Kerzen angezündet. Auch diese Laternen spendete Hermann Kemmler der Kirchengemeinde Haisterkirch.

Seit 20 Jahren besuchen aktive und ehemalige Lehrerinnen und Lehrer – mehrheitlich von der Döchtbühlschule - am Sebastianstag Haisterkirch. Heuer waren es vierzehn, die sich nach dem Fußmarsch von Bad Waldsee kommend am reichhaltigen Kuchen- und Tortenbuffet des Kirchenchors stärkten.

Kapellenmesner Hans Wirth bestätigte, dass auch in diesem Jahr der Opferkerzenverbrauch in der Sebastianskapelle wieder gestiegen ist. „Inzwischen sind es schon über 13.000 Kerzen. Es kommen halt immer mehr Menschen nach St. Sebastian", merkte er an. Abgerechnet wird der Kerzenverbrauch erst an Mariä Lichtmess.

Auch Bürgermeister Roland Weinschenk (Bad Waldsee) gehört zu den treuen Pilgern am Sebastianstag, denn er war dieses Mal zum 10. Mal dabei.

Text und Fotos Rudi Martin

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