10krebssalvatorBad Wurzach - Am Freitag den 10.November fand wieder ein „Tag der freien Schule“ statt, an dem Landtagsabgeordnete eingeladen von den freien Schulen sind, der Schule eine Stunde ihrer Zeit zu schenken, um diese näher kennenzulernen. In diesem Jahr besuchte Petra Krebs (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen) das Salvatorkolleg.



In einem Vorgespräch mit der Schulleitung kamen Themen wie Unterrichtsbeginn und damit die Abhängigkeiten von den Busverbindungen sowie das Thema Mittagessen an der Schulmensa und gesunde Ernährung zur Sprache. Schulleiter Pater Friedrich Emde erzählte dem Gast aus der Landespolitik, dass die Schüler ein hohes Maß an Politikbewusstsein hätten, für politische Themen offen seien und oft sehr rigorose Urteile abgeben würden.


Mit einer 9. Klasse, die zur Vorbereitung gemeinsam mit ihrer Geschichtslehrerin Gisela Rothenhäusler im Unterricht eine Fragenkatalog von 50 Fragen erarbeitet hatte, beantwortete Petra Krebs, nachdem sie sich und ihren politischen Werdegang kurz vorgestellt hatte, die Fragen. Die 48jährige, Mutter zweier erwachsener Töchter, war Krankenschwester und einige Jahre Gemeinderat in Wangen, bevor sie vor eineinhalb Jahren in den Landtag gewählt wurde.


Besonderen Wert legte sie an diesem Vormittag darauf, den Schülern auf zu zeigen „was auch aus dieser Ausgangsposition alles möglich ist“. Als die Grünen damals Kandidaten gesucht habe, habe sie sich schon einige Zeit gefragt: „Ist es das alles wert?“ Schließlich habe sie die Frage mit Ja beantwortet. Als Krankenschwester war sie für den Ausschuss für Soziales und Integration prädestiniert, daneben sitzt sie auch im Petitionsausschuss des Landtages, an den jeder Bürger Anfragen zu rechtlichen Themen stellen kann. Rund 1.000 Petitionen behandelt dieser Ausschuss im Jahr.


Die erste Frage eines Schüler lautete, warum sie für Bündnis 90/ die Grünen im Landtag sitze. Als sie in etwa so alt wie die Schüler gewesen war, war 1986 in Tschernobyl das Atomkraftwerk explodiert. Dies war für sie, zumal in Zeiten der atomaren Aufrüstung, ähnlich wie heute, ein sehr einschneidendes Erlebnis gewesen. Grünen Politik ist für sie vor allem auch Friedenspolitik.


Was sie von Donald Trump halte, lautete die nächste Frage. Er sei sehr impulsiv und handle oft intuitiv. Viele Leute die ihn gewählt hatten, hätten dies nicht wegen Sachthemen getan, sondern aus Protest, weil sie vom politischen Establishment genug hatten. „Ich hoffe, dass er nicht zu viel Schaden anrichtet“. Statt zu sagen: „Wir können eh nichts ändern“ gingen in den USA viele auf die Straße, um zu demonstrieren.“
Ob sie der Meinung sei, „nur“ den Realschulabschluss zu haben sei ein Nachteil, fragte eine Schülerin. Für sie persönlich nicht, aber länger zu lernen (Abitur bzw Studium) bedeute auch sich einen Wissensvorsprung zu erarbeiten. Ihr sei es sehr wichtig, dass die Volksvertreter aus allen Schichten kommen.


Ob sie immer dergleichen Meinung sei wie die Partei. Nein, sie sei nur ihrem Gewissen verantwortlich, auch wenn es bei knappen Entscheidungen vorkommen könne, das die Fraktion (die Gruppe der Abgeordneten einer Partei) im sogenannten Fraktionszwang abstimmen müsse. Was sie von der AfD halte wurde Krebs von den Schülern gefragt. „Garnichts“ lautete ihre Antwort. „Dass sie in den Bundestag gewählt wurde, ist für mich eine Katastrophe.“ Die AfD provoziere mit NPD-Parolen, ihr Frauenbild sei antiquiert. In der Öffentlichkeit und den Medien bekomme sie zu viel Raum eingeräumt. „Provokantes verkauft sich in der Presse besser, Sachbeiträge werden dagegen oft nur zu klein gebracht.“ 75 % ihrer Wähler seien Protestwähler gewesen, denn die AfD habe für keines der anstehenden Probleme eine Lösung.


Zum Thema Jamaika-Koalition in Berlin sagte die Abgeordnete: „Diese Koalition bringt Vorteile für die Grünen mit sich. Diese Koalition hat Potential, die Verhandlungen sind, da drei bzw. vier Parteien beteiligt sind schwierig und langwierig.“ Sie verstehe, dass die Leute ungeduldig werden, Sie selbst rechne bis Ostern mit der neuen Regierung. Denn eine Neuwahl zum jetzigen Zeitpunkt wäre mit Blick auf die AfD eine Katastrophe.


„Wie schwierig verläuft die Arbeit in der grün-schwarzen Regierungskoalition in Baden-Württemberg.“ Schwierig weil die beiden Parteipositionen in vielen Fragen (Tempolimit, Verbrennungsmotor usw.) weit auseinanderliegen. Oder das neue Polizeigesetz, bei dem die Grünen die Meinung vertreten: „Keine Sicherheit ohne Freiheit.“ Im Sozialen Bereich sei das einfacher, da sei allen klar dass etwas getan werden müsse.


Angesprochen auf ihre persönlichen Erfolge als Landtagsabgeordnete, verwies sie auf den Sozialausschuss, in dem erreicht wurde, dass es aufgrund einer gesonderten Ausbildung nun in den Einrichtungen deutlich mehr Pflegekräfte gibt. Ambitionen auf den Bundestag habe sie keine, denn der Landtag ist genauso wichtig wie dieser. Denn er entscheidet z. B. über Bildung, Straßenbau oder Krankenhäuser.


Mit einem großen Applaus verabschiedeten die Neuntklässler die Abgeordnete nach einer Schulstunde, die für beide Seiten positive Erfahrungen bedeuteten.



Bericht und Bilder Ulrich Gresser



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