Leutkirch - Einen ganz besonderen Referenten hatte die Vorstandsvorsitzende der Leutkircher Bank, Rosemarie Miller-Weber, zum diesjährigen Mitgliederforum der Bank in die Festhalle Leutkirch eingeladen: Roger Willemsen, einer der bedeutensten deutschen Publizisten, begeisterte nicht nur Miller-Weber mit seinem einstündigen, in freier Rede druckreif gehaltenen Vortrag über das Hohe Haus, den Deutschen Bundestag, den er ein Jahr lang für sein neues Buch hautnah beobachtet hatte.

 

Für Miller Weber, die vor dem mit Spannung erwarteten Auftritt des Publizisten, Fernsehmoderators, Philosophen und Künstlers, ihren Bericht zur Lage der Bank vortrug, war das Geschäftsjahr 2014 ein „guter Jahrgang“. Trotz vieler Turbulenzen in der Branche, mit dem freien Fall der Zinsen „teilweise gibt es schon Negativzinsen, die dann nicht von der Steuer absetzbar sind“,  und einem derzeit auf einem absoluten Rekordhoch stehenden Dax, sei die Leutkircher Bank im Jahre 1 nach der Fusion mit der Bad Waldseer Bank in allen Bereichen gewachsen. Bei einem betreuten Kundenvolumen von 2,3 Mrd Euro wuchs das Volumen der Leutkircher Bank um überdurchschnittliche 5,3% (Verbandsdurchschnitt 3,3%), die Zahl der Mitglieder stieg um 1,8%.  Mit diesem Vertrauensbeweis der „Bank von Menschen für Menschen“ honorierten die Kunden damit auch das Engagement vor Ort, allein 2014 betrug das Spendenaufkommen für örtliche Vereine und Institutionen 182.000 Euro aus dem Topf des Gewinnsparens. Für den anwesenden  OB Martin Henle hatte die Vorstandsvorsitzende eine erfreuliche Nachricht parat: Zusätzlich zu der bereits überwiesenen Gewerbesteuervorauszahlung wird die Bank in der nächsten Zeit noch einmal einen stattlichen sechsstelligen Betrag an die Stadtkasse Leutkirch anweisen.

2015 und die Folgejahre sorge für weitere Herausforderungen: Zwar sei die erhöhte Eigenkapitalquote kein Thema, die liege derzeit mehr als doppelt so hoch wie die geforderten 8%, die dramatischen Veränderungen im Zinsumfeld, die Abkopplung des Schweizer Franken vom Eurokurs, die Flutung der Märkte mit billigem Geld durch EZB Präsident Draghi, zu einer Kursralley beim Dax geführt habe und nicht zuletzt die Bankenregulierung (derzeit sorgen  27 Beauftragte der Bank dafür, den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden) sorgen dafür daß auch dieses Jahr sich spannend entwickeln wird. Die Genossenschaftsbanken dürfen sich als Gewinner sehen, wurde ihr Ratingwert von A+ doch auf einen in Europa einmaligen Wert von AA- hochgestuft. In den nächsten Jahren wird die Leutkircher Bank, Bad Waldseer Bank und Bad Wurzacher Bank in die Gebäude viel investieren, ein Kundenservicecenter soll im 3. Quartal startbereit sein.

Das Management der Bank sei gefordert: „Wir können uns den Herausforderungen stellen – oder dagegen kämpfen. Wir müssen aber wissen, welcher Weg für die Zukunft der Richtige ist. Die Zukunft wird uns auch weiter Überraschungen bringen, aber sie wird uns nicht überrumpeln!“ Mit dem symbolträchtigen Bild eines vom Sturm gepeitschten Baumes beendete sie ihren Vortrag, nicht ohne jedoch ihren Mitarbeitern, dem Vorstand und Aufsichtsrat zu danken.

 

Einen sehr schmeichelhaften Vergleich setzte der von Miller-Weber als „bedeutendster deutscher Publizist“ angekündigte Roger Willemsen an den Beginn seines spannenden Vortages: Wie der Dalai Lama sorge Miller-Weber immer dafür, dass die Menschen sich nach einer Begegnung wohler fühlten als vorher.“

Die qualitative Perspektive ( z.B. beim Meerblick : der Schrei der Möwen, den Geruch des Salzes usw. ) anstelle der quantitativen (die Schiffe, die darauf Fahren mit ihren Waren) habe beim Bundestag kurioserweise noch nie jemand eingefangen. Prinzipielle Veränderungen würden nicht in der Tagesschau zu sehen sein, diese vollzögen sich in einer Art Hintergrundrauschen. Als Beispiel nannte er den Verfassungsauftrag , bereits Jahrhunderte lange Entschädigungszahlungen, immerhin 1/2 Mrd € im Jahr, an die Kirchen einzustellen. Zumal die Kirchen dieses Geld selbst nicht wollten, weil sie wissen, dass es ihnen nicht zu stehe. Willemsen nannte dies einen Blinden Fleck im Parlamentarismus.

Die Krise des Parlaments werde dagegen selten kommentiert. Ein Beispiel: Der Beschluss zur Einführung der Frauenquote durch von der Leyen war 2013 klammheimlich von der Fraktionsspitze gekippt worden, das veröffentliche Bild der angeblich „geknickten“ damaligen Familienministerin stammte aus der die Debatte eröffnenden Gedenkminute für einen verstorbenenen Parlamentarier. Die Parlamentarier selbst argumentierten oft mit Zitaten aus Talkshows, die damit den Status von „Entscheidungsmedien“ erhielten.

Willemsen bemängelte in seinem Vortrag auch die Unfähigkeit der Abgeordneten in Debatten sich gegenseitig zu zuhören. Er bezeichnete diesen fehlenden Respekt sich selbst gegenüber als Bankrott erklärung: „Woanders kämpfen Menschen für dieses Grundrecht und sitzen dafür gar im Gefängnis“.

Als Pervertierung der Verfassung sieht Willemsen auch die Tatsache, dass die Parlamentarier die Regierung kontrollieren soll, ihre politischen Karrieren aber eben von dieser abhängig sind. Dankbar zeigte sich über den seltenen Fall, in einer Debatte wirkliche Informationen zu erhalten: Ein Abgeordneter der Linkspartei hatte zu von allen Regierungen reklamierten restriktiven Rüstungsexporten Zahlen genannt: Von mehr als 17.000 Anträgen seien seit 2011 gerade 105 abgelehnt worden!

 

Für dieses Buch habe sein Sitzfleisch erheblich gelitten, der Bürokratismus sei enorm gewesen: Für eine einfache Nachfrage in einem Büro eines Abgeordneten habe er zwei Ausweise vorlegen müssen. Das Gebäude des Bundestages selbst sei ein architektonischer Bastard:  Kapitelle am ehemaligen Reichstag stünden Stellwänden vom Baumarkt und Sitzgruppen, die von IKEA stammen könnten, gegenüber. Die Wände des Parlamentes sien überall transparent, „wenn diese Wände reden könnten...“ Und die Presse- und Zuschauertribüne ist der am besten dokumentierteste Platz in Deutschland. Das Parlament selbst sei umgeben von „Entscheidungsagenturen“, meinte Willemsen.

Die Vorstandsvorsitzende Rosemarie Miller-Weber bedankte sich bei Willemsen nach dessen genialen Vortrag für die „neue Perspektive auf das Parlament“ und lud die Mitglieder ein, sich eines seiner Bücher signieren zu lassen. Beim anschliessenden gemütlichen Teil gab es noch die Gelegenheit, einen Rundflug über das Gebiet der Leutkircher Bank zu gewinnen. Als glücklichen Gewinner des Fluges wurde Emil Hösch aus Leutkirch gezogen.

 

Text und Bilder von Uli Gresser
Beachten Sie bitte den unten angefügten Bilder-Bestellservice 

 

  • bild5224bild5224
  • bild5226bild5226
  • bild5227bild5227

  • bild5228bild5228
  • bild5229bild5229
  • bild5230bild5230

  • bild5232bild5232
  • bild5233bild5233
  • bild5237bild5237

  • bild5238bild5238
  • bild5241bild5241
  • bild5242bild5242

  • bild5245bild5245
  • bild5255bild5255
  • bild5256bild5256

  • bild5258bild5258
  • bild5259bild5259
  • bild5264bild5264

  • bild5271bild5271
  • bild5273bild5273
  • bild5282bild5282

  • bild5285bild5285
  • bild5286bild5286
  • bild5288bild5288

  • bild5289bild5289
  • bild5293bild5293

 

 

 (Preis pro Bilddatei 2,50  - Nutzung ausschliesslich zu privaten Zwecken)

#joompiter_dbszimageordering{xxxLeutkircher Bank Forum;;ulrich.gresser@diebildschirmzeitung.de;;Eingangsbestätigung UG}#

Submit to FacebookSubmit to Google PlusSubmit to Twitter

 

 

Quelle: Center for Systems Science and Engineering der Johns Hopkins University

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.