Bad Waldsee - Es ist Sonntag, 17.05 Uhr, die Außentemperatur beträgt 4 Grad Celsius und es ist trüb. Ideale Bedingungen für Jazz. Drei unauffällig schwarz gekleidete Männer betreten die Bühne des Kulturkellers unter dem Ev. Familienzentrum im Burghaldenweg.

 

Es beginnt ein mit allen Elementen des modernen Jazz gefülltes Konzert dreier Meister an ihrem Instrument. An der Akustikgitarre stimmt Martin Wiedmann aus Stuttgart die ersten Akkorde der nun folgenden Eigenkompositionen an. Es zeigen sich bereits nach drei Takten des gefühlvoll vorgetragenen Titels die Stärken dieses Trios. Keiner der Profis rückt sich unangenehm in den Vordergrund. Alle drei tragen mit perfektem Timing und traumwandlerischer Sicherheit ihren Teil zur Stimmung und zum Ausdruck des Titels bei. Natürlich lassen alle drei in angenehm kurzweiligen Soli ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten am Instrument aufleuchten. Dabei steht aber der Gesamteindruck immer im Fokus.

Florian King kündigt die einzelnen Titel mit ihrer Entstehungsgeschichte und dem inhaltlichen Hintergrund sehr unterhaltsam und unpathetisch an. Eine sehr relaxte und familiäre Atmosphäre entsteht. Die Lieder erinnern von den Akkordfolgen, einzelnen Phrasen und Melodiebögen bewusst immer wieder an bekannte Vorbilder wie Pat Metheny (Martin Wiedmann war Schüler dieses Jazzgitarrenpapstes) oder John Scofield. Florian King am Kontrabass und E-Bass und Christian Krischkowsky an Percussion und Schlagzeug gelingen dabei aber immer wieder überraschende Wendungen, sie setzen neue Akzente und aus dem vermeintlich bekannten wird etwas ganz Eigenes.

Beeindruckend die dynamischen Extreme, die vor allem bei Christian Krischkowsky aufleuchten. Von zartem Spiel mit den Fingern, Besen und Händen bis zu normalen Schlagzeugstöcken mit rockigem Anschlag ist für die Ohren der Zuhörer alles geboten. Immer wieder setzen Saitenkünstler Effektgeräte zur klanglichen Erweiterung oder Klangveränderung ein oder spielen live (heute durchaus üblich) Loops ein, die dann Grundlage für weitere Improvisationsfiguren sind. Dabei werden die Techniken nicht übertrieben und als Selbstzweck eingesetzt, sondern sind auch hier immer Teil des übergeordneten Ganzen. Nach 100 Minuten lassen die begeisterten Zuhörer die drei nicht ohne Zugabe aus dem Keller.

Einziger Wehrmutstropfen die sehr schlechte Publikumsresonanz. Mit möglichen 50 Jazzfans hat ein Zuhörer um halb fünf noch gerechnet, anwesend waren lediglich 14. Für dieses grandiose Konzert eine enttäuschende Zahl. Wo waren die Gitarristen Waldsees, die Schlagzeuger, die Jazzinteressierten? Bei diesem Wetter sicher nicht im Eiscafe oder bei einer Stadtseerunde. Der Schlagzeuger bedankte sich dann auch am Ende des Konzerts bei allen anwesenden fürs Kommen und „Nicht-Sofa-hocken“.

Text Michael Dümmler

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