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Bad Wurzach - Zum Abschluss der Einweihungsfeiertage in Maria Rosengarten bestand der Kapitelsaal, in dem jetzt die Stadtbücherei untergebracht ist, seine Feuertaufe als „Konzertsaal“ mit Bravour. Die vier Damen von La Finesse, das Streichquartett, das nicht nur Klassik spielte, war vom Saal und seiner Akustik mehr als angetan. Das Konzert wurde für die Besucher im ausverkauften Kapitelsaal zu einem ganz besonderen Erlebnis. Bild: La Finesse bei ihrem Konzert im Kapitelsaal v.l. Anja Gerter, Anna Maria Barth, Birgit Förstner und Monika Beck

 

Als Wolfgang Weiss, der Organisator der Konzertreihe des Wurzacher Kulturkreises, die Bühne betrat und Beifall der rund 90 Besucher aufbrandete, nahmen diesen die vier Vollblutmusikerinnen als Startsignal, ebenfalls die Bühne zu betreten.

 

Dann legten die vier, engelsgleich ganz in Weiß gewandeten, Streicherinnen los. Zunächst mit Präludien und Opernouvertüren von Grieg, Rossini und Bizet. Schon bei den ersten Takten wurde klar, dass dies kein „normales“ Klassikkonzert werden würde. Denn die vier Damen legten mit einer Power und Dynamik los, als hätten sie einen viel größeren Konzertsaal zu bespielen, was für die vorderen Reihen zu Beginn beinahe des Guten zu viel war, während die anderen Zuhörer in den vollen Genuss der hervorragenden Akustik des Saales kamen.

 

La Finesse das waren an diesem Abend Anja Gerter (Violine 1), Anna Maria Barth (Violine 2), Monika Beck (Viola) und Birgit Förstner (Violoncello). Letztere glänzte neben ihren überragenden musikalischen Fähigkeiten mit informativen, aber vor allem witzigen Moderationen zwischen den einzelnen Musikstücken. So kündigte die ausgebildete Schauspielerin das Habanera und Preludium aus Georg Bizets „Carmen“ mit den Worten an: „Das ganz normale Opernprogramm: Mord, Eifersucht und Frauen.“

Die Musikerinnen von La Finesse sind in der Klassik aufgewachsen, aber das allein brachte ihnen nicht die musikalische Erfüllung und so finden sich in ihrem Programm auch zahlreiche Crossover-Arrangements etwa von Filmusiken. Auch hierbei zeichnet Birgit Förstner verantwortlich. Wer erinnert sich nicht an die schrullige Miss Marple, mit der Titelmelodie der gleichnamigen Filmreihe schlugen die Musikerinnen diese Programmseite auf. Apropos schlagen: Von wegen zarte Streicher, die vier Damen nahmen ihre wertvollen Instrumente richtig hart ran: Da wurde gezupft, geschlagen und ab und an auch gestreichelt, von fortissimo bis pianissimo war alles mit einer erstaunlichen Qualität vorhanden.

Sehr zum Gaudium des Publikums suchte Monika Beck für Leroy Andersons „The Typewriter“ einen „Gastmusiker“ und fand ihn im Hauerzer Ortsvorsteher Kurt Miller, der dann nach jeder „Zeile“ das Umschaltglöckchen der Schreibmaschine betätigen durfte. Aber wer sich im Publikum gedacht hatte: „Gut, dass es nicht mich getroffen hat“, wurde beim nächsten Stück gleich auch mit eingespannt. Denn der ganze Saal durfte beim „Baby Elephant Walk“ von Henry Mancini mit einem weißen Stück Papier als Schlagzeug fungieren, wobei sich mancher, durchaus als gestandener Musiker bekannt, in der Kunst des lautlosen Schlagwerkes übte.

Assoziationen an die Kinderschuhe des Kinos, als ein Orchester die Stummfilmprojektion live bespielte, kamen einem bei den Filmmelodien von James Bond in den Sinn, was fehlte war im Kapitelsaal die Projektion...

 

Zum zweiten Teil, die Musikerinnen waren jetzt ganz in schwarz gekleidet, wurden nach dem gewitterdurchsetzten Sommerpart aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ neue Töne angeschlagen. Von Birgit Förstner liebevoll „Heavy Metal“ genannt, beeindruckte sie mit ihrem virtuosen Spiel auf ihrer „Säge“, der sie bei Harold Ahlen´s „Over the Rainbow“ und Ennio Morricone´s, immer faszinierendem Western-Opus „Spiel mir das Lied vom Tod“, zum Teil unglaubliche Töne entlockte. „Nach soviel Tod wollen wir wieder mitten im Leben landen“, so leitete die Cellistin auf die Pop-Seite ihres Programmes über. Mit „Viva la vida“ von Coldplay, „All of me“ von John Legend und der Fußball-WM 2014 Hymne von Andreas Bourani „Ein Hoch auf uns“ zeigte La Finesse, dass sie sich auch in diesem Genre wohlfühlen. Für den Abschluss ihres Programmes hatten sich die Damen etwas ganz besonderes ausgedacht: Star Wars-Leuchtschwertern gleich, fetzten sie im abgedunkelten Saal mit ihren, mit blauen Leuchtdioden besetzten Bögen, über ihre Instrumente und boten so zusätzlich zum Hörgenuss einen galaktischen Augenschmaus.

Birgit Förstner versprach, angesichts der süßen Versuchung und des Wurzacher Festbieres, die Wolfgang Weiß und Bürgermeister Bürkle als Präsente überreichten, den Body-Mass-Index der Damen für diesen Abend außer Kraft zu setzen.

Dass das Publikum die vier Damen nicht ohne Zugabe entlassen würden, war angesichts des donnernden Applauses klar. Mit noch zwei weiteren Filmmelodien „Fluch der Karibik“  und Nino Rossa´s Musik zu Martin Scorseses Meisterwerk „Der Pate“ belohnte La Finesse das Publikum dafür.

 

Ein Fazit: Eine überaus gelungene Premiere, bei welcher der Kapitelssal seine überragende Akustik unter Beweis stellte und vier Musikerinnen, die den ganzen Abend ohne ein einziges Notenblatt auskamen.

Chapeau!!!

 

Text und Bilder von Uli Gresser

 

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